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Düsseldorf
Ein Leben für die Leinwand

Düsseldorf: Ein Leben für die Leinwand
Udo Heimansberg (rechts) bei der Preisverleihung der Film- und Medienstiftung 2010 in Köln mit Matthias Brandt.
Düsseldorf. Udo Heimansberg hat zahlreiche Kinos in Düsseldorf geleitet. Er hat die Glanzzeit der Düsseldorfer Stadtteil-Theater erlebt und den Wandel zum Multiplex. Welchen beliebten Film er für überschätzt hält, und mit wem er versackt ist. Von Ludwig Krause

Die wichtigste Frage zuerst: Popcorn oder Nachos zum Film? Udo Heimansberg winkt ab. "Nichts von beidem." Natürlich verkaufe er die Snacks im Kino gerne - es bringt schließlich einen Großteil der Einnahmen. Für ihn selbst darf es aber maximal ein Getränk sein. "Das liegt auch daran, dass ich entweder vor oder nach dem Film essen gehe." Und dann fängt er eben an zu plaudern. Über den Film und das Kino, die Technik und die Musik. Udo Heimansberg, das merkt man schnell, hat vielleicht nicht sein ganzes Leben - aber zumindest einen sehr großen Teil davon - dem Kino gewidmet.

Wie früh es mit Heimansberg und dem Film losgegangen ist, lässt sich schwer sagen. Seine Mutter berichtet, dass sich schon Klein-Udo 1949 im Schwangerschaftsbauch beim Kinobesuch bemerkbar gemacht habe. Wenn der 66-Jährige das erzählt, klingt das so: "Es wurde der ,Glöckner von Notre Dame' gegeben. Mit Charles Laughton und Maureen O'Hara natürlich, die mit Abstand beste Verfilmung. Die Filmmusik stammt von einem der Großmeister der Filmkomponisten, Alfred Newman, der nicht nur zwei Brüder in der Branche hatte, sondern auch zwei Söhne, eine Tochter und einen Neffen."

1996 wird für den Filmmusik-Fanatiker Heimansberg (rechts) ein Traum wahr. Er ist mit Maurice Jarre (Mitte) in den berühmten Abbey Road Studios in London.

Udo Heimansberg hat die goldenen Zeiten der vielen kleinen Kinos in Düsseldorf erlebt, aber auch ihren Niedergang. "Universum", "Berolina", "Residenz", "Savoy", "Europa", "City", "Kamera" und "Asta Nielsen" schließen, als die Multiplex-Kinos Einzug halten. Fünf sind geplant, immerhin drei werden tatsächlich gebaut. Heimansberg übernimmt mit der Düsseldorfer Filmkunstkino GmbH das "Cinema", die "Black Box", das "Bambi", das "Lichtburg Studio" und das "Savoy Theater". Anfang 2016 übergibt er die Geschäftsführung.

Sein erster leibhaftiger Kinobesuch sei "Roter Staub" gewesen, daran könne er sich aber kaum erinnern, sagt er. Der erste Film, der einen bleibenden Eindruck hinterlassen habe, war dann "Dick und Doof" - in den "Luna Lichtspielen" in Hassels an der Hasselstraße. "Alles um mich herum hat gelacht, aber ich habe mich nur gegruselt", erzählt er. Der Schrecken hält nicht: Susi und Strolch entzünden seine Liebe für die Leinwand, viermal hat er den Film als Kind im Kino gesehen. Prägende Streifen kommen in den 1960er Jahren dann in Reihe: "Cleopatra", "Spartacus", "Das war der Wilde Westen" und "Ben Hur", "Lawrence von Arabien".

Zu den epochalen Streifen schaffen Filmkomponisten Meisterwerke. Und natürlich steigert sich Heimansberg auch dort hinein. Später wird er eine Filmmusik-Zeitschrift herausgeben, von John Williams ("Star Wars", "Indiana Jones", "Der weiße Hai") eine signierte Platte für seinen Sohn ergattern und mit Maurice Jarre ("Lawrence von Arabien", "Die Blechtrommel", "Shogun") eine Freundschaft pflegen - die beiden versacken mehrfach.

Aber zurück zum jungen Heimansberg: "Als Kind ist Kino reiner Eskapismus. Aber ich habe schon mit zwölf Jahren gemerkt, dass mich nicht nur die Filme interessieren, sondern auch die Kinos selbst", sagt er. Die Modelleisenbahn im Keller lässt er durch eine Stadt aus Kinos fahren. Schon der junge Udo denkt groß. Er habe kein Filmvorführer werden wollen, sagt Heimansberg. "Sondern Kinobesitzer." Da man das seinen Eltern als Berufswunsch aber kaum erklären kann, geht es doch erstmal klein los.

1970, Heimansberg studiert Grafik-Design an der Fachhochschule am Fürstenwall, bekommt er die Stelle als Süßenwarenverkäufer im "City" an der Graf-Adolf-Straße. Sechs Wochen später ist er Dekorateur und Platzanweiser - wenn Not am Mann ist. Über Umwege landet Heimansberg 1975 im Büro von Manfred Goldermann im "Savoy-Theater", und tritt doch die Ausbildung zum Theaterleiter an. Seine erste Stelle erhält er mit 25 Jahren im "Residenz-Theater" in Duisburg. Nach dem Duisburger Europa-Center geht es 1979 zurück nach Düsseldorf, um das frisch umgebaute Rex am Hauptbahnhof zu leiten - alles unter der Leitung Goldermanns. Komplett selbstständig macht sich Heimansberg dann mit dem "Metropol" in Bilk, das er um das "Phantom" erweitert.

Bei allem Geschäft, bis heute liebt der 66-Jährige den Film - und kann ihn mit genauso großer Leidenschaft hassen. "Ich freue mich schon auf die neue ,Ben-Hur'-Verfilmung", sagt er. Dann könne er endlich mal wieder Dampf ablassen. Hollywood langweile ihn heute zu oft, die Vielfalt sei angesichts der unendlichen Möglichkeiten verloren gegangen. "Mich können Filme aber immer noch begeistern", sagt er. "Hail, Caesar!" mit George Clooney etwa. "Ein ganz wunderbarer Film." Welcher Streifen von den meisten überschätzt wird? ",Ziemlich Beste Freunde.' Nett gemacht, aber zu vorhersehbar." Und der neue "Star Wars"? "Den habe ich noch gar nicht gesehen."

Quelle: RP
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