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Kolumne Mein Düsseldorf
Ein Mann und sein Bohrer

Kolumne Mein Düsseldorf: Ein Mann und sein Bohrer
Ein Freund handfester Argumente: RP-Kolumnist Hans Onkelbach tummelte sich im neuen Baumarkt in Heerdt und testete ein paar Werkzeuge an. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Viele haben es herbeigesehnt, und endlich ist er da, der Heerdter Baumarkt nur für die linksrheinischen Tüftler, Bastler und Säger.

Nun wollen wir hier nicht behaupten, Düsseldorfs linksrheinische Stadtteile Nieder- und Oberkassel, Heerdt und Lörick seien von Mangel geprägte Quartiere unserer Stadt, gar Entwicklungsland der täglichen Versorgung mit den wichtigen Dingen zum Leben. Dagegen sprechen schon die Canada-Goose-Jacken- und SUV-Dichte sowie Grundstückspreise und Mieten. Von Edel-Italienern und Fleisch-Boutiquen ganz zu schweigen. Aber bis Anfang März klaffte in der Versorgung dennoch eine von vielen schmerzhaft empfundene Lücke: Es gab nämlich keinen Baumarkt. Das mag für alle jene mit zwei linken Händen nicht wichtig gewesen sein, aber die (auch unter Frauen wachsende) Community der Schrauber und Bohrer, Dübler und Säger, Pömpler und Flanscher litt seit Jahren unter diesem Manko. Musste sie doch weite Wege in Kauf nehmen, um werkzeuglich aufzurüsten für die mit Bankirai zu stylende Terrasse oder das von der Ikea-feindlichen Gattin und dem Waldorf geprägten Nachwuchs heftig eingeforderte Echtholz-TV-Sideboard für den 110-cm-Flatscreen im Kinderzimmer. Und wer einmal samstags um zehn das ebenso plötzliche wie eklatante Fehlen von Kippdübeln, Lüsterklemmen oder LED-Leuchten bemerkte und sich auf den Weg über den Rhein quer durch die Stadt zu den einschlägigen Versorgern in Rath, Gerresheim oder Lierenfeld gemacht hat, der weiß, wie ärgerlich es ist, im Tatendrang durch stundenlanges Gegurke durch die Stadt gebremst zu werden.

Schwer lastete der Druck auch auf dem neuerdings heftig sprießenden Öko-Gewissen mancher Menschen, für den Kauf energiesparender Leuchtmittel den 4,2-Liter-Achtzylinger-Range-Rover in Autobiography-Ausstattung (das ist die mit allem Zipp und Zapp!) so weit bewegen zu müssen. Da geht im Stau auf der Theodor-Heuss-Brücke an Spritgeld mehr drauf, als die Öko-Funzeln pro Jahr einsparen. Nun hat deren Seelenqual ebenfalls ein Ende: Da Obi an der Heerdter Landstraße eine riesige Filiale gebaut hat, dürfte der Firma der Dank der vermeintlichen, aber vor allem der echten Heim- und Handwerker am Image kleben wie angepappt mit Zwei-Komponentenkleber. Man erwarte übrigens keine Kannibalisierung bei den Kunden der beiden anderen Filialen, hieß es gestern. Und hoffe im Gegenteil auf neue Kunden aus Meerbusch, Kaarst und Neuss. Wie groß jedenfalls das Interesse ist, zeigte sich schon zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung: der persönlichen Einladung folgten mehrere hundert Kinder, Frauen und Männer. Bei Saft, Sekt und Häppchen stromerten die Gäste über die blanken Böden der riesigen Hallen (15.000 Quadratmeter - das sind 1,5 Hektar), bewunderten Bohr- und Reinigungsmaschinen, staunten vor Regalen voller Sägen und verschwenderisch gestapelten Plastikkoffern mit Schlagbohrern, Winkelschleifern und Hochdruckreinigern. Eigentlich das übliche Sortiment, aber am ersten Tag irgendwie doch anders. Über allem dieser einzigartige Duft des Neuen, noch nicht Gebrauchten - faszinierend für die Fans solcher kernigen Spielzeuge, in ihrer seligen Begeisterung nur vergleichbar mit Frauen in einem neuen Shop von Louis Vuitton oder Prada angesichts prallvoller Regale mit Schuhen und Handtaschen. Anders als dort gucken die Verkäufer allerdings aber überhaupt nicht blasiert und tragen kein cooles Schwarz, sondern orange-weiße Blusen.

Und als Abschiedsgeschenk bei der Eröffnungsparty gab es keinen modischen Schnickschnack, sondern einen Zehn-Liter-Plastikeimer in Orange (die Hausfarbe!), darin ein Maßband, ein Schlüsselanhänger und ein Schwämmchen für die Autofenster. Handfest also, und von allen gern mit nach Hause genommen.

Denn so einen Eimer, den kann man immer brauchen. Auch linksrheinisch.

Quelle: RP
 
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