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Düsseldorf
Ein Netzwerk für die Seelsorge

Düsseldorf: Ein Netzwerk für die Seelsorge
"Wir wollen erreichen, dass nicht nur im Verein, sondern auch im Vorstand Juden und Muslime vertreten sind", sagt Pfarrer Helmut Weiß. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Eine in Düsseldorf ansässige Gesellschaft fördert die Begegnung von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen. Nun wird das 20-jährige Bestehen gefeiert. Von Julia Brabeck

Vor 20 Jahren wurde in Düsseldorf die Gesellschaft für Interkulturelle Seelsorge und Beratung gegründet - und ihre Arbeit ist heute aktueller denn je. Der Verein setzt sich mit den Lebensgeschichten, Sorgen und Nöten von Menschen aus anderen Kulturen und Religionen auseinander. Wie das am besten geht, erarbeiten die rund 300 Mitglieder bei Seminaren, die weltweit gehalten werden. Schließlich ist der Verein in rund 40 Ländern der Welt vertreten, sein Vorstand setzt sich aus Menschen aus der ganzen Welt zusammen. "Wir wollen erreichen, dass nicht nur im Verein, sondern auch im Vorstand Juden und Muslime vertreten sind", sagt der evangelische Pfarrer Helmut Weiß.

Der 73-Jährige hat die Gesellschaft gegründet und ist ihr Vorstandsvorsitzender. Mehrmals im Jahr reist er in andere Länder, um dort Seelsorgekurse zu halten oder ein Seminar vorzubereiten. Dabei kann die Gesellschaft auf ein gutes Netzwerk zurückgreifen, denn sie kooperiert mit vielen anderen Institutionen. "2016 sind wir unter anderem von der Caritas in Belgien eingeladen. Dann steht das Seminar unter dem Thema Seelsorge und Migranten", sagt Weiß. Andere Themen waren schon "Gemeinschaftsbildung und Friedensarbeit", "Islamische Seelsorge im Trialog mit Christen und Juden" und "Wie der Klimawandel das Leben der Menschen verändert und wie sich Seelsorge darauf einstellen muss".

"Es ist interessant, wie verschieden und unterschiedlich andere Länder und Religionen mit Aufgaben umgehen", sagt der Pfarrer. Mitglieder aus Tansania berichteten beispielsweise von einer reibungslosen Versorgung von Millionen von Flüchtlingen, könnten gar nicht verstehen, warum darum in Europa so viel Aufhebens gemacht wird, es so viele Widerstände gibt. Die erarbeiteten Ergebnisse werden reflektiert, aufgearbeitet und in deutscher und englischer Sprache veröffentlicht.

Zahlreiche Schriften und 15 Bücher hat die Gesellschaft bereits herausgegeben. "Das ist uns wichtig, denn wir verstehen uns als Bildungsverein, der Hilfen für die praktische Seelsorgearbeit bieten möchte." Da kommt es der Gesellschaft zugute, dass viele der Mitglieder in Bildungsvereinen und andere in der seelsorgerischen Praxis tätig sind. "Da entstehen interessante Diskussionen, neue Perspektiven und ein Verständnis füreinander."

Dass die Gespräche durch die Übersetzung ins Englische verlangsamt werden, sieht der Vorsitzende nicht als Nachteil, sondern als Bereicherung. "Das gibt Zeit zum Nachdenken und manchmal entstehen durch andere Bedeutungen Irritationen, die wiederum zu interessanten Auseinandersetzungen führen können." Zudem werde dabei gelernt, sensibel mit der Sprache umzugehen, nachzuforschen, was der Gesprächspartner genau meint. "Familie bedeutet in Indonesien beispielsweise etwas ganz anderes als in Deutschland", sagt Weiß.

Quelle: RP
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