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Düsseldorf
Ein Pate hilft bei der Jobsuche

Düsseldorf: Ein Pate hilft bei der Jobsuche
Ulrich Gerstmann in seinem Büro bei der Unfallkasse in Gerresheim. Der 65-Jährige war selbst viermal ohne Job. Jetzt hilft er Arbeitslosen. FOTO: H.-J. Bauer
Düsseldorf. Ein bundesweites Projekt der Diakonie unterstützt Arbeitslose. Einer der ehrenamtlichen Helfer ist Ulrich Gerstmann. In Düsseldorf kümmert er sich um fünf Menschen, unterstützt sie vor allem bei ihren Bewerbungen. Von Jörg Janssen

Ulrich Gerstmann (65) weiß, wie tief ein Mensch fallen kann, wenn er seine Arbeit verliert. Vier Mal ereilte den Fachmann für Materialwirtschaft dieses Schicksal. Beim ersten Mal war er 49, beim letzten Mal Mitte 50. "Vergiss es!" flüsterten ihm Freunde und Ex-Kollegen ins Ohr. Doch der Familienvater kämpfte. Und ging prompt durchs selbstgesteckte Ziel. "Mit 59 fand ich noch einmal Arbeit bei einem Spezialisten für die feuerfeste Auskleidung von Schornsteinen. Ich hatte Glück", sagt er.

Eine überraschende Erfahrung, die den gelernten Sanitär-Handwerker bis heute motiviert, "etwas an die Gesellschaft zurückzugeben". Gerstmann ist Jobpate in einem bundesweiten, von der Diakonie Berlin-Brandenburg (DWBO) koordinierten Projekt. Seine Aufgabe ist es, Menschen zu helfen, die nach einem Jobverlust neue Arbeit suchen. "Vor allem auf das Thema Bewerbungen konzentriere ich mich", sagt der Mann, der sich gleich nach dem altersbedingten Ausscheiden aus seinem Betrieb wieder einen Job suchte und jetzt bei der Unfallkasse NRW in Gerresheim arbeitet.

Seine Schützlinge kommen aus allen Altersgruppen und Branchen. Stark vertreten sind die 40- bis 50-Jährigen. Bei Berufsanfängern hält sich Gerstmann eher zurück. "Da bin ich nicht mehr nah genug dran", sagt er. Fünf Arbeitssuchenden hilft der Rentner im Unruhestand derzeit. Die meisten brauchen einen langen Atem, nicht wenige hadern, weil Rücklagen dahin schmelzen und die Hoffnung auf eine Festanstellung immer mehr schwindet. "Wer 50 oder mehr Bewerbungen schreibt und oft nicht einmal eine Antwort erhält, lässt den Kopf schon mal hängen. Dann geht es bei unseren Treffen oder in unseren E-Mails vor allem um Motivation", meint der Mann, der wie alle Diakonie-Paten ehrenamtlich arbeitet.

Birgit Keßel (57) betreut für die DWBO die rund 20 Paten der Düsseldorfer Region. "Wer anderen helfen will, braucht neben fachlichem Know How vor allem auch die Fähigkeit, sich in andere hineinfühlen zu können", sagt die Sozialberaterin, die früher selbst einmal Kauffrau in der Im- und Exportbranche war. Ihre Düsseldorfer Jobpaten kommen aus ganz unterschiedlichen Berufen. Der Bogen reicht vom leitenden Gewerkschaftssekretär über Vertriebsmitarbeiter großer Konzerne bis hin zu Selbstständigen mit eigener Firma und Psychologen. Manche arbeiten noch, andere sind schon pensioniert. Ähnlich breit gefächert ist der Kreis der Arbeitssuchenden, die offen für eine Unterstützung von außen sind. "Sozialwissenschaftler, Betriebswirte, Ingenieure, Speditions-, Büro- und Außenhandelskaufleute gehören dazu", nennt Keßel einige Beispiele. Rund 40 Prozent dieser Arbeitssuchenden haben einen Studienabschluss. Nicht zuletzt auf Jobmessen bewirbt Keßel das bundesweite Projekt. "Im März haben sich in Düsseldorf 25 Bewerber bei uns gemeldet, die an einen unserer Paten vermittelt werden wollten. "Jeder Interessent wird angeschrieben und angerufen", verspricht die Projekt-Koordinatorin, die seit 2013 dabei ist.

Dass auch ehemalige Führungskräfte und Personalentscheider keine Wunder wirken können, verschweigen Keßel und ihr Paten-Team nicht. Im bundesweiten Schnitt können rund drei Viertel der Betreuten vermittelt werden. Freilich längst nicht alle in den ersten Arbeitsmarkt. Die letzte Statistik stammt aus dem Jahr 2010. Damals gab es 1437 Beratungen, davon wurden 778 abgeschlossen. 567 Männer und Frauen wurden vermittelt. 369 in den ersten Arbeitsmarkt.

Vor Illusionen warnt auch Ulrich Gerstmann. "Befristete Verträge und teils deutliche Abstriche vom bislang üblichen Gehalt gehören in einigen Fällen zum Neubeginn dazu." Trotzdem bleibt er ein Kämpfer. "Zurzeit helfe ich einem Mittfünfziger. Meine Ansage lautet: Wir packen das."

Quelle: RP
 
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