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Düsseldorf
Ein Sport für Gentlemen

Düsseldorf. Die "Blackcaps" sind einer von 200 Vereinen bundesweit, die Cricket spielen. Am 4. September gibt es ein großes Benefizturnier im Nordpark. Von Marc Ingel

Es gibt auch in Düsseldorf Sportarten, von denen wissen nur wenige, dass sie in dieser Stadt überhaupt praktiziert werden. Cricket zum Beispiel. Dabei haben Mitglieder des British Business Clubs die Düsseldorf Blackcaps bereits vor mehr als 20 Jahren gegründet. Und was anfangs nur ein lockerer Zusammenschluss von Liebhabern des Spiels war, hat sich sportlich zuletzt enorm weiter entwickelt: Die Blackcaps, die sich die Engländerwiese im Nordpark als Heimstätte mit Fußballern und Softballern teilen müssen, feierten mit sieben Siegen aus zehn Spielen die NRW-Meisterschaft und wiesen dabei unter anderem den Erzrivalen aus Köln in die Schranken. "Zu mehr hat es leider nicht gereicht, gegen Bremen sind wir im Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft ausgeschieden", erzählt Benjamin Das, Vorstandsvorsitzender der Blackcaps und ehemaliger deutscher Nationalspieler.

40 aktive Spieler zählt der Düsseldorfer Verein aktuell, Deutsche sind nicht darunter. Engländer, Australier, Inder oder Pakistani, die größtenteils nur für eine bestimmte Zeit in Deutschland leben, nutzen Cricket, um sich auch in der Fremde direkt wieder heimisch zu fühlen. "Wir nehmen auch Flüchtlinge auf, da sind oft sehr gute Spieler dabei, für die es eine willkommene Chance ist, sich schnell zu integrieren", sagt Tarun Rawat, Chef im indischen Restaurant Kirti's im Hafen. "Ich bin das beste Beispiel, denn Cricket habe ich erst gelernt, nachdem ich mit 13 Jahren nach Deutschland kam, vorher kannte ich den Sport nur aus dem Fernsehen", sagt der 27-Jährige, der inzwischen längst zu den Stützen der Blackcaps zählt.

Prinz William gilt als großer Freund des Cricket, er hätte sich bei seinem Aufenthalt in Düsseldorf sicher gerne ein Spiel der Blackcaps angeschaut. Cricket einem Laien (oder Deutschen, was in aller Regel das Gleiche bedeutet) verständlich zu erklären, dürfte hingegen ungefähr so lange wie das Spiel selbst dauern. Die Ähnlichkeit zum amerikanischen Baseball ist zwar groß, doch schon die weiße Kleidung (ohne Nummern oder Vereinsnamen!) dokumentiert die Diskrepanz zum prolligen US-Zirkus. Zudem sind Cricketspieler davon überzeugt, bei ihrem Sport seien vor allem Disziplin und Intelligenz gefordert, während beim Baseball ausschließlich Muskelkraft und Schnelligkeit dominieren würden.

Die ursprünglichste aller Varianten, das Test Cricket, zieht sich gerne mal über fünf Tage. Was bei Briten, Indern, Südafrikanern oder auch Australiern aber womöglich für höchste Verzückung sorgt, ist kaum fernsehtauglich und aufgrund des wenig dramatischen Spannungsbogens erst recht keinem Mitteleuropäer nahe zu bringen. "Daher gab es schon seit den 1960er Jahren immer neue Bestrebungen, das Spiel zu verkürzen. Vom One-Day-Cricket bis zum dreistündigen Format", erläutert Benjamin Das. "Traditionalisten rümpfen darüber natürlich nur abfällig die Nase."

Die Blackcaps sind nicht allein sportlich aktiv, im vergangenen Jahr wurde das Projekt "Creating Moments" ins Leben gerufen, mit dem Kindern, die eine geringe Lebenserwartung haben, durch Veranstaltungen geholfen werden soll. Am Sonntag, 4. September, wird aus diesem Anlass von 8 bis 18 Uhr ein großes Benefizturnier im Nordpark mit acht Mannschaften durchgeführt, der Erlös soll dem Kinderhospiz Regenbogenland und der Organisation "Löwenkinder" in Viersen (unterstützt krebskranke Kinder) zu Gute kommen. "Wir haben viel Geld und Zeit in die Organisation des Turniers gesteckt und hoffen, dass eine große Summe zusammenkommt", sagt Rawat.

Quelle: RP
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