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Ein Tag am Düsseldorfer Busbahnhof
Wo bin ich, und wenn ja, geht der nach Berlin?

Ein Tag am Düsseldorfer Busbahnhof: Wo bin ich, und wenn ja, geht der nach Berlin?
Der Busbahnhof am Worringer Platz: In den letzten Jahren wird er von immer mehr Menschen benutzt. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Mehr als 100 Busse nach Brüssel, Rostock, München. Tausende Menschen am Worringer Platz, viele Koffer, noch mehr Verwirrung. Wir haben einen Tag am Düsseldorfer Busbahnhof verbracht. Von Torsten Thissen

In der Hierarchie der Gepäckstücke ist der Plastiksack von Mustafa eher unten angesiedelt. Er wuchtet den mehrfach mit Klebeband geflickten blau-weißen Sack in den Gepäckraum des Busses, "und der geht wirklich nach Berlin", fragt er noch ein wenig unsicher, doch der Busfahrer nickt und hakt Mustafas Namen auf seiner Liste ab.

Hektisch geht es zu

Was Sie über Fernbusreisen wissen sollten FOTO: ADAC

Hektisch geht es zu, obwohl bis zur Abfahrt noch 20 Minuten bleiben und es genügend Sitzplätze gibt. Tatsächlich wird wohl jeder, der will, einen freien Platz neben sich haben. Mustafa, der die Strecke Düsseldorf-Berlin ein bis zweimal im Monat fährt, sagt, das sei nicht immer so, sondern liege an den "Kampfpreisen" der Bahn. "Im Moment kannst du für 19 Euro ICE fahren. Da schwenken die Leute gleich wieder auf die Schiene", sagt er. Aber er kenne niemanden mehr, der bereit sei, die normalen Preise der Bahn zu bezahlen. Busfahren ist billig, könnte man meinen. Man könnte aber auch sagen, dass Bahnfahren teuer ist. Deshalb stehen die Menschen an diesem Tag auch im Regen, darunter sind Studenten, Schüler, die Freunde besuchen wollen oder Verwandte. Unter ihnen sind viele Ausländer.

Izabella etwa, die mit ihrer Tochter die Familie in Polen besuchen möchte. Seit sieben Jahren lebt sie in der Nähe von Düsseldorf, aus Liebe zog sie von Polen nach Deutschland. Die Liebe ist inzwischen vorbei. "Für uns ist es die billigste Möglichkeit zu reisen", sagt sie. Etwa zweimal im Jahr fährt sie mit dem Bus nach Polen. Viel Gepäck haben die beiden nicht, aber auf der Rückfahrt nimmt sie dann viel mit, Geschenke hauptsächlich, weil sie das vergangene Weihnachtsfest in Deutschland statt wie üblich in Polen verbracht hat.

Über Land ins polnische Nirgendwo

"Die Busfahrer helfen mir dann immer. Früher, als ich noch den Kinderwagen mitnehmen musste, war es schon etwas mühsam", sagt sie. Sie hat 18 Stunden Fahrt vor sich, ihr Vater holt sie an einem Busbahnhof in Gdansk ab, und dann geht noch zwei Stunden über Land ins polnische Nirgendwo. "Ich habe keine Alternative", sagt sie. Aber eine Auswahl an Kinder-DVDs, auf die sich ihre Tochter schon freut.

Das Wetter ist bescheiden. Deshalb treiben die meisten Wartenden sich irgendwo in der Nähe herum, trinken Tee in den türkischen Döner-Läden am Worringer Platz, immer ein wenig zweifelnd, ob der Bus denn auch wirklich pünktlich ist. Zur Not fragt man sich durch. Einer dieser grünen Busse hält immer irgendwo, und auch wenn die Fahrer nicht sagen können, was mit den anderen Bussen ist, das System funktioniert. Auch wenn sich die meisten Menschen gerade an Tagen wie diesen, bei nasskaltem Wetter mit Schneefall und Regen, mehr Komfort wünschen.

"Eine gute Idee"

"Es gibt keinen Ort, an dem man sich unterstellen kann", sagt Tobias, der in Düsseldorf studiert und auf den Bus nach Rostock wartet. Er hält eine Verlegung des Busbahnhofes für eine gute Idee. Nicht nur, weil dann einfach mehr Platz wäre, sondern auch, weil die Busse so nicht durch die ganze Innenstadt müssten. Allerdings wünscht er sich einen Punkt, der gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist. "Irgendwo auf der Grünen Wiese hilft einem der Busbahnhof dann auch nicht", sagt er. Seine Freundin Maren ist unentschlossen. Man müsse eben auch bedenken, dass ein zentraler Busbahnhof auch Vorteile habe.

"In Berlin muss man die Koffer noch ewig weit vom ZOB durch die Stadt schleppen, dann erst kann man in die U-Bahn. Grundsätzlich finde ich Busse aber unnötig", sagt sie. Die Bahn müsse stattdessen in die Lage versetzt werden, günstiger anzubieten. "Eigentlich sind die Entfernungen innerhalb Deutschlands ideal mit der Bahn." Sie sei sogar schon von Düsseldorf nach Berlin geflogen, schlicht weil es billiger war. "Ein bisschen hatte ich ein schlechtes Gewissen. Umwelttechnisch." Es dröhnt. Die Busse lassen die Motoren laufen, damit die Lüftung funktioniert, weil die Scheiben bei dem Wetter nicht beschlagen sollen. "Gut ist das sicher auch nicht", sagt Maren.

Quelle: RP
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