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Analyse
Einbruch beim Steuerzahler

Analyse: Einbruch beim Steuerzahler
Im Innenhof schlugen die Einbrecher ein Fenster ein, gelangten dadurch ins Schloss. FOTO: Jana Bauch
Düsseldorf. Der Bau und Liegenschaftsbetrieb des Landes hat die Sicherheitsvorkehrungen für Schloss Kalkum in Düsseldorf erhöht. Das soll samt Inventar verkauft werden. Teile davon wurden bereits am Wochenende gestohlen. Von Stefani Geilhausen

Im Innenhof des Wasserschlosses hatte der Kalkumer St. Martin am Samstag noch den Mantel geteilt. In den Stunden danach kamen Einbrecher aufs Gelände, zerschlugen eine Scheibe und verschafften sich Zutritt zum Schloss. Sie nahmen nicht nur die komplette Beschallungsanlage des Martinskomitees mit, sondern packten auch allerhand antike Einrichtungsgegenstände aus dem Schloss ein.

Während Friedhelm Brücker vom Martinskomitee den Schaden seines Vereins mit rund 5000 Euro für Lautsprecher, Mischpult und Mikrofone beziffern kann, gibt es vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) keine Wertangaben zu den gestohlenen Antiquitäten. Die lagerten im leerstehenden Wasserschloss, weil sie samt der Immobilie zum Verkauf stehen, teilte eine Sprecherin des Landesbetriebs mit, und von Kaufinteressenten auch besichtigt werden müssten.

Das ist das Schloss Kalkum in Düsseldorf FOTO: Thomas Rath, Luftbild Ruhr

Tatsächlich heißt es im Exposé, das seit einer Woche für jedermann im Internet einsehbar ist, das Schloss verfüge über "historisches Inventar", überwiegend "Stilnachbauten wie Empire (1800/1810) oder Louis-Seize (1780/90), die in der Zeit um 1900 angefertigt worden sind". Mitgenommen haben die Einbrecher unter anderem eine Vase und eine antike Tischuhr, die Polizei spricht von einem "hohen Beuteschaden". Ob die Wertsachen versichert waren, ist nicht bekannt.

Gestern waren die schweren Schlosstore fest verschlossen. Man habe "das Sicherheitskonzept umgehend erhöht", teilte der BLB auf Anfrage unserer Redaktion mit, wolle dazu aber keine näheren Angaben machen, um "potenziellen Tätern keine Informationen zur Verfügung zu stellen".

Schloss Kalkum in Düsseldorf FOTO: Jana Bauch

Das aber war mit der Veröffentlichung der detailreichen Beschreibung des Wasserschlosses im Internet längst geschehen. Und es ist nicht das erste Mal, dass der BLB sich fragen lassen muss, ob er nicht genutzte Landesimmobilien nicht besser sichern müsste. Jahrelang etwa hatte der Landesbetrieb hingenommen, dass in das 2012 aufgegebene Gefängnis an der Ulmenstraße scharenweise Abenteurer einfielen, die Nacht für Nacht dort große Schäden anrichteten und mehrfach auch Feuer legten. Erst nachdem die Gefängniskapelle durch Brandstiftung schwer beschädigt worden war, begann der BLB im Sommer 2016 mit der Ausschreibung der Abrissarbeiten für die übrigen Gebäude. Die Nutzung der Kapelle als kreatives Wohnprojekt ist offen, weil die durch den Brand deutlich gestiegenen Sanierungskosten das Finanzierungskonzept der Künstlergruppe, die sich seit Jahren um den Kauf der Kapelle bemüht hat, in Frage stellen. Das wäre nicht passiert, wenn das Areal vorher angemessen gesichert worden wäre. Eine Feuerversicherung gab es nicht. 30.000 Euro hatte der BLB stattdessen dafür ausgegeben, die Vandalismusschäden immer wieder auszubessern, darunter ein mannshohes Loch im Mauerwerk, dessen Entstehung vom Wachdienst unbemerkt blieb. Auch fürs Wasserschloss hat der BLB einen Wachdienst beauftragt. Eine Alarmanlage gab es zumindest bis zum Einbruch nicht.

Quelle: RP
 
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