| 00.00 Uhr

Serie So Wohnt Düsseldorf
Eine alte Metzgerei als neues Zuhause

Serie So Wohnt Düsseldorf: Eine alte Metzgerei als neues Zuhause
Sie sind angekommen an diesem Ort: Antje Baumeister und Thorsten Ehrich in ihrem Innenhof, gleichzeitig Eingang in ihr Loft in Pempelfort, das von Ehrich umgebaut wurde. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Die Garderobe an Schnüren, die Wasserleitung als Objekt. Im Pempelforter Hinterhof schuf ein Paar sein Refugium voller witziger Details. Von Ute Rasch

Früher war hier mal eine Metzgerei. Mit Wurstküche, Kühlräumen, Lagerflächen. Zu sehen ist von dieser Vergangenheit nichts mehr, nur ein paar alte Fleischerhaken sollen noch im Keller hängen. Vor neun Jahren entdeckte ein Mann diesen Ort, zu dessen Talenten offenbar eine starke Vorstellungskraft gehört. Und Fantasie. Vielleicht muss man dazu Architekt sein, Thorsten Ehrich jedenfalls verliebte sich auf der Stelle in diese Räume, ahnte wohl, dass hinter der finsteren Tristesse ein Juwel verborgen sein könnte.

Ein Sommerabend in Pempelfort: Ein Paar sitzt in seinem Innenhof direkt neben einem wuchernden Hortensienbusch. Hinter einem Wasserbecken ragen zwei Zypressen in den Himmel, daneben in hohen Bodenvasen dunkelrote Gladiolen. Der Tisch, an dem Thorsten Ehrich und seine Frau Antje Baumeister gerade essen, wurde vom Hausherrn aus anthrazitgrauen Zementfliesen gebaut. Die Kissen, auf denen sie es sich bequem gemacht haben, stammen aus Indien. Der raue Tisch, das intensive Farbspiel der Stoffe - noch bevor Besucher das Loft betreten, wird klar: Hier wird Harmonie neu buchstabiert.

Ein schlichtes Tor führt in diesen grünen Hinterhof, von dort betritt man das ebenerdige Loft mit 170 Quadratmetern. Thorsten Ehrich hatte damals gezielt nach einer Gewerbefläche gesucht und fand die alte Metzgerei, die er erst mietete, später kaufte. Dazwischen lag harte Arbeit: "Ich hab' fast alles selbst gemacht." Klare Räume wollte er schaffen, die aber kein Vermögen kosten sollten. Das galt auch für die Einrichtung. So entstand ein zentraler großer Raum, in dem er die Farbe von den Decken entfernte und den Beton bürstete, der darunter sichtbar wurde. Ein großes schwarzes Ledersofa, eine selbstgebaute, offene Küche - zunächst blieb dieser Raum ziemlich karg, die Wände schmucklos weiß.

Dann aber trat Antje Baumeister in sein Leben, und mit ihr kamen Farbe, Sammlerstücke (wie eine Nussknacker-Parade), Kunst aus aller Welt. Und ein weißes Stoffsofa. "Irgendwie fügte sich alles, wir hatten sogar das gleiche Geschirr", sagt sie lachend. Und Thorsten Ehrich staunte über die neuen Effekte, als sich beide Stile mischten: "Als Architekt will man es ja immer zu perfekt. Aber nun erst hatte ich das Gefühl, an diesem Ort wirklich angekommen zu sein."

Das liegt zweifellos daran, dass beide dieses Loft mit einer Fülle witziger Details geprägt haben. Neben dem Eingang hängen Gardinenschnüre von der hohen Decke, daran sind Kleiderbügel befestigt - so entstand die Garderobe. Im Bad steht hinter dem Waschbecken die Wasserleitung frei im Raum, die normalerweise unter Putz liegt - man ahnte bisher kaum, dass Leitungen ein attraktives Objekt sein können. Das Waschbecken in der Toilette war mal eine Salatschüssel, die Badewanne ist mit einem breiten Streifen aus grauem Splitt umlegt, zum Einsteigen wird kurz ein Sitzkissen darauf gelegt, dann die Beine rüber geschwungen. Darüber hängt das Fundstück von einem schottischen Strand: eine Messlatte für Fische, in Pempelfort wird sie zum Objekt. Als Kontrast dazu spanische Gardinen, die den üblichen Bad-Krimskrams verbergen - als würden die rostigen Regale Fransenröckchen tragen. So bekommen überall in diesem Loft die Dinge eine neue Bestimmung, dadurch verändert sich auch der Blick.

Im großen Wohnraum sucht man einen Couchtisch vergeblich, findet stattdessen eine Sammlung von Kisten - eine war die Werkzeugkiste von Thorsten Ehrichs Vaters, eine andere nutzte ein Offizier im Ersten Weltkrieg, zwei stammen aus Indien. Als Ablage bietet sich auch ein Hocker aus Brennholz, den ein Freund des Paares, der Designer Oliver Conrad, geschaffen hat, von ihm stammen auch die Essstühle aus Nussbaum, geeignet für lange Abend mit Freunden.

Zur Straßenseite, dort wo einst Schnitzel und Bratenstücke über die Ladentheke gereicht wurden, ist nur ein neuer Raum entstanden: das Ankleidezimmer, direkt hinter dem Schlafraum. Die Wohnbereiche lassen sich durch Schiebetüren trennen: rohe Tischplatten, die an Scheunentorbeschlägen hängen. Es ließen sich noch viele solcher Details erwähnen, wäre man nicht mit gerade mit seinen niederen Instinkten beschäftigt, die in dem Satz münden: "Will ich auch haben." Kurz vor dem Abschied im Innenhof bleibt der Blick noch mal an einem außergewöhnlichen Holzobjekt hängen. Kunst? "Das ist ein Baumstamm, der von einem Biber abgenagt wurde, hab ich im Ruhrzoo Gelsenkirchen für 50 Mark gekauft."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Serie So Wohnt Düsseldorf: Eine alte Metzgerei als neues Zuhause


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.