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Düsseldorf
Eine Fähre, die nur bei Sonne übersetzt

Düsseldorf. Nur an Sonn- und Feiertagen, nur im Sommer und nur, wenn das Wetter passt, fährt die "Maria-Franziska" zwischen Himmelgeist und Uedesheim. Mitfahren können nur Fußgänger und Radfahrer. Warum sich die Fahrt trotzdem lohnt. Von Thorsten Breitkopf

Wer mit der Maria-Franziska fahren will, muss etwas Glück mitbringen. Denn die kleine Fähre, die zwischen dem Düsseldorfer Stadtteil Himmelgeist und dem Neusser Stadtteil Uedesheim pendelt, fährt nur unter ganz bestimmten Bedingungen. Wenn Sie also dort übersetzen wollen muss Sommer sein, es muss ein Sonn- oder Feiertag sein und Sie sollten das Auto stehenlassen. "Wir nehmen Fußgänger mit und Radfahrer und Motorradfahrer natürlich auch", sagt Franz Pracht, Schiffsführer der Maria-Franziska. Und noch eine weitere Einschränkung gibt es: Das Wetter muss passen. "Denn bei gutem Wetter befördern wir zwischen Himmelgeist und Uedesheim rund 600 Personen pro Tag, bei Regen allerdings kommt fast niemand", sagt Pracht. Dann bleibt die kleine Maria-Franziska in ihrem Heimathafen, der Düsseldorfer Marina. Die Fahrt vom Liegeplatz zum Einsatzort im Düsseldorfer Süden dauert fast zwei Stunden. Für wenige Gäste bei herbstlichem Wetter lohne diese Reise nicht, meint Schiffsführer Pracht.

Einen Fahrplan hat Düsseldorfs kleinste Fähre nicht. "Ich fahre, wenn Leute da sind", sagt Pracht. Entsprechend ruhig geht es auf der Maria-Franziska zu. Kein hektisches Einsteigen oder Anlegen, kein Fahrkartenautomat. Die Tickets verkauft ein echter Mensch, der bei den Landgängen Franz Pracht per Zuruf hilft, auf Kurs zu bleiben. Denn die Maria-Franziska legt nicht richtig an, sie fährt mit der Landeklappe auf die Rampe, während der Motor weiter läuft, damit das Boot beim Zustieg der Gäste nicht abgetrieben wird.

Wenige Minuten dauert die Überfahrt, bei der große Rheinschiffe aus nächster Nähe beobachtet werden können. Sind die vielen großen Kähne auf dem Rhein ein Problem? "Kein Beruf ist einfach, wenn man ihn ordentlich angeht", meint Pracht dazu nur. Der Schiffsführer ist 83 Jahre alt. Seit 1948 arbeitet er auf einem Binnenschiff. Bis Mitte der 1990er Jahre war er ein so genannter Partikulier. So nennt man in der Binnenschifffahrt einen selbstständigen Schiffseigentümer, der sein Boot dabei selbst fährt. Um weiter Personen mit der Maria-Franziska befördern zu dürfen, muss Pracht wie jeder Schiffsführer jährlich zum Gesundheitscheck.

16 Jahre alt ist das Schiff. Viele Düsseldorfer kennen es, weil es während der Rheinkirmes als eine von zwei Fähren Besucher von der Altstadt auf das Festgelände nach Niederkassel bringt. Teile der Fähre sind überdacht, so dass sie auch bei Regen gut nutzbar ist. Das Schiff kann auch als Partyboot angemietet werden, wenn es nicht gerade als Fähre im Einsatz ist.

Bis zum Bau der Fleher Brücke in den 1970er Jahren wurde zwischen Himmelgeist und Uedesheim eine dauerhafte Fährverbindung betrieben. Damals wurden auch Autos übergesetzt. Die Fährstelle dort ist einige Hundert Jahre alt. Bis zum Jahr 1981 fuhr das Schiff nach festem Fahrplan. Die Verbindung war wichtig für die vielen Neusser Bürger, die bei Henkel im Düsseldorfer Süden arbeiteten. Das damals eingesetzte Fährschiff, die Antonius, wurde anschließend nach Holland verkauft und war dort noch vor wenigen Jahren im Einsatz. Ab dem Jahr 1888 wurde eine so genannte Querseilponte als Fähre genutzt.

Gut erreichen kann man die Fähre in Himmelgeist von Norden kommend über den Radweg, der über Hamm und Volmerswerth weiter über Flehe und dann am Wasserwerk vorbeiführt. Ein möglicher Rückweg führt durch die Wiesen des Uedesheimer Rheinbogens zurück über die Fleher Brücke in die Düsseldorfer Innenstadt.

Quelle: RP
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