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Düsseldorf
Eine Frau macht Druck

Düsseldorf. Erstmals steht mit Sabine Geldermann eine Frau an der Spitze der Weltleitmesse für Print und Crossmedia Solutions. Die Vorbereitungen für die größte Leistungsschau der Branche laufen auf Hochtouren. Von Dagmar Haas-Pilwat

Zum Glück zählt Kofferpacken zu ihren leichtesten Übungen. Denn ab September, wenn die heiße Phase für eine der wichtigsten Messen startet, geht Sabine Geldermann auf Weltreise - der Bogen reicht von Asien über Südamerika bis in die USA. Bis Dezember will die 49-Jährige in 50 Regionen die Werbetrommel für die Weltleitmesse drupa rühren und über die wichtigsten Trends und Innovationen informieren. "Die Anspannung wächst, es geht schließlich um mein bislang größtes Projekt", sagt die erste Frau an der Spitze der 1951 gegründeten Leistungsschau für Druck und Media-Industrie.

Beim Gespräch in ihrem schwarz-weiß-grau eingerichteten Büro im siebten Stock des Messehochhauses macht die Chefin eines zehnköpfigen Teams keinen Hehl daraus, dass die drupa 2016 weitaus mehr ist als nur ihre persönliche Bewährungsprobe. Bei einem Budget in zweistelliger Millionenhöhe ist sie sich ihrer Verantwortung bewusst. "Die kommende Messe wird wegweisend für die Zukunft sein. Wenn es uns gelingt, die drupa weiterhin als führende internationale Plattform für Drucktechnologie zu positionieren und die Besucherzahlen zu steigern, dann haben wir Rückenwind." Und der ist nötig, in Zeiten, in denen die gesamte Mediabranche aufgrund der zunehmenden Digitalisierung in einem massiven Wandel steckt. "Die Entwicklungsrhythmen werden schneller und innovative Techniken wie 3D-Druck und industrielle Anwendungen eröffnen permanent neue Geschäftsfelder. Da muss sich auch die Messeplattform wandeln", erklärt die in Wesel geborene Managerin. 1992 ist sie nach Düsseldorf gezogen und seit zehn Jahren lebt die Rheinländerin mit ihrem Partner, einem Juristen, in Kaiserswerth. "Das erinnert mich an meine Kindheit am Niederrhein, wo ich in der Natur mit Hund und Pferden aufgewachsen bin." Sie ist gern draußen, zählt Joggen und Reiten zu ihren Hobbies.

Was treibt eine Frau, die Wirtschaft studiert hat, Französisch, Englisch, Portugiesisch spricht, dazu, sich in die Welt der Ingenieure zu wagen? "Ich habe das Messewesen von der Pieke auf gelernt und schon als Studentin auf Veranstaltungen gedolmetscht", erzählt sie. 17 Jahre lang war sie bei Reed tätig, zuletzt als Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung, bevor sie zum VDI - Verein Deutscher Ingenieure - wechselte. Kompetent, rational-stringent gepaart mit einer guten Portion Charme hat sie sich offenbar in der technisch-wissenschaftlichen Männerwelt behauptet und Respekt verschafft. Grund genug für Werner Dornscheidt, Vorsitzender der Geschäftsführung Messe Düsseldorf, sie als verantwortliche Direktorin für die strategische Neu-Positionierung der drupa an Bord zu holen.

Knapp neun Monate Zeit bleibt noch bis zum Start 2016, wenn ab 31. Mai elf Tage in der Landeshauptstadt Druck gemacht wird. Dann wird sich zeigen, ob alle Initiativen erfolgreich waren. Wobei die Aussichten nicht schlecht sind: Mit einer Ausstellungsfläche von nahezu 150 000 Netto-Quadratmetern sind bereits 95 Prozent gebucht. Alle Global Player, darunter Heidelberg, König & Bauer, Hewlett Packard, Xeros, aber auch Canon, Konica-Minolta oder Fuji sind wieder an Bord. Erstmals präsentiert sich am Rhein einer der weltweit führenden Technologieanbieter im 3D-Druck - Stratasys aus den USA.

3D-Technik macht in der Medizin, in der Luft- und Raumfahrt oder in der Automobilbranche und der Mode maßgeschneidert möglich, was bisher in Science-Fiction-Serien zu sehen war. Begeistert berichtet Sabine Geldermann von neuen "additiven Fertigungsverfahren", die auch die Lebensqualität positiv verändern können. Ob beim Kampf gegen Diabetes oder bei den "magischen Armen" der kleinen Emma - Mediziner nutzen 3D-Druck, um Leben zu retten und die Gesundheit zu fördern. So ist die kleine Emma, die ihre Arme nicht bewegen konnte, nun mit Hilfe hochtechnischer 3D-Prothesen-Stützen in der Lage, so wie andere Kinder zu spielen.

"Print lebt" sagt die Managerin. Die unterschiedlichsten Stoffe - Tapeten, Textilien, Aluminium, Kunststoff und Glas - werden ebenso bedruckt wie Dünnschichtfolien für das Cockpit im Auto. Auch in Zukunft werde es kein Produkt im Bereich Nahrung, Kosmetik und Pharma ohne Verpackung geben. "Und die kommt bestimmt nicht ohne Druck und Veredlung auf den Markt."

Der klassische Supermarkt sei doch eine alltägliche Leistungsschau für Verpackung und Print. "Ich kann zwar Milch im Internet bestellen, aber sie nicht im Internet verpacken", erklärt Geldermann. "Und wenn mir die Packung zudem signalisiert, wann das Produkt abgelaufen ist, dann beweist dies, welches Potenzial in Print steckt." Auf jeden Fall ansteckend ist die Begeisterung der drupa-Direktorin.

Quelle: RP
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