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Martin Maier-Bode
Eine Liebeserklärung an die Fußballfans

Martin Maier-Bode: Eine Liebeserklärung an die Fußballfans
Mit "Wir sind Borussia" hat Martin Maier-Bode eine Revue über den Bundesliga-Verein vom Niederrhein gemacht. FOTO: Maier-Bode
Düsseldorf. Der Kabarettist ist in Düsseldorf geboren und Fortuna-Fan. Er erklärt, warum er trotzdem eine Revue über Borussia Mönchengladbach geschrieben hat - und welchen gemeinsamen Lieblingsgegner die beiden Vereine haben.

Herr Maier-Bode, Sie sind gebürtiger Düsseldorfer und Fortuna-Fan. Nun haben Sie für das Theater Krefeld/Mönchengladbach "Wir sind Borussia" gemacht, eine Revue über die Elf vom Niederrhein. Wie konnten Sie das mit Ihrem Fan-Gewissen vereinbaren?

Martin Maier-Bode Tatsächlich bin ich linksrheinisch groß geworden, in Neuss. Dort war ich von Gladbachfans umringt, was mich als gebürtigen Düsseldorfer einerseits noch mehr in die Arme der Fortuna getrieben hat, andererseits habe ich die Borussia dadurch immer beobachtet. Während der langen Zeit, in der die Fortuna nicht in der ersten Liga war, war die Borussia quasi meine Erstligavertretung. Der erste Blick galt dem Tabellenstand der Fortuna, der zweite war auf Mönchengladbach gerichtet. Insofern ist mir die Borussia immer geläufig gewesen und die Fans waren mir auch sympathisch.

War es womöglich so, dass Ihnen das Theater ein Angebot gemacht hat, das Sie nicht ausschlagen konnten? Sind Sie also sozusagen der Mario Götze der Musical-Szene?

Maier-Bode "Wir sind Borussia" ist in erster Linie eine Liebeserklärung an alle Fußballfans, insofern eine Herzensangelegenheit und keine reine Auftragsarbeit. Der Mario-Götze-Vergleich hinkt also, wobei ich mich geschmeichelt fühle, denn ich finde nach wie vor, der Mann hat eine hohe spielerische Klasse!

Wie fielen die Reaktionen von Fortuna-Fans im Freundeskreis aus?

Maier-Bode Diejenigen Fortuna-Fans, die "Wir sind Borussia" schon gesehen haben, und das sind allesamt echte Fans, können damit gut leben. Schließlich haben die Borussia-Fans und wir Düsseldorfer einen gemeinsamen Lieblingsgegner: die selbstverliebten Kölner. Und diese sehr spezielle Beziehung kommt bei "Wir sind Borussia" mehr als einmal deutlich zum Ausdruck.

Wie ging Ihre Sozialisation in Sachen Fortuna vonstatten?

Maier-Bode Was mich damals als Kind und Jugendlicher in Neuss zur Fortuna führte, war eine Art Diaspora-Gefühl. Das war grob gesagt so: Entweder man war Neusser Bürger-Schütze und Borussia-Fan oder eben explizit kein Schütze und Fortuna-Fan. Heute ist das übrigens anders. Inzwischen gibt es, gemessen an damaligen Verhältnissen, verdammt viele Fortuna-Fans in Neuss, gerade unter den Schützen. Eigentlich verwunderlich, wenn man bedenkt, wo die Fortuna damals stand und wo sie sich heute bewegt. Aber es gibt eben heute deutlich mehr Pendler und Neusser mit Düsseldorfer Migrationshintergrund.

Wer ist Ihr persönlicher Lieblingsspieler bei Fortuna?

Maier-Bode Oh, da gibt es so viele! Aber herausragend für die jüngste Vereinsgeschichte ist natürlich Lumpi. Der hat eben alles mitgebracht, was ein Vereinsanhänger liebt. So jemanden gibt es nicht alle Tage.

Wie oft schaffen Sie es heute ins Stadion?

Maier-Bode Da haben Sie meine offene Flanke erwischt, tatsächlich bin ich derzeit vielleicht einmal pro Jahr im Stadion. Ich hatte nach meiner Zeit als Künstlerischer Leiter der Distel in Berlin immer das Gefühl, das würde sich ändern, wenn ich wieder nach Düsseldorf gehe. Aber die Realität sieht anders aus. Ich bin ein klassischer Liveticker-Fan. Aber es ist leider so, dass mein Job auch mit Proben oder Auswärtsauftritten immer dann stattfindet, wenn andere Freizeit haben...

Und Musicals, war das bisher Ihre Welt?

Maier-Bode Nein, nicht ausdrücklich. Ich komme ja eher vom Kabarett. Ich habe für das Globe Theater in Neuss mal ein Musical nach einer Vorlage von Jugendbuchautor Jürgen Seidel geschrieben und inszeniert, ansonsten habe ich viele musikalische Stücke und Kabarettprogramme inszeniert, aber kein richtiges Musical. "Wir sind Borussia" ist aber auch kein klassisches Musical, sondern eine Mischung aus Theaterstück, Nummernrevue und Musical.

Die Story von "Wir sind die Borussia" greift die innige Fan-Feindschaft zwischen Gladbach und dem 1. FC Köln auf. Erzählen Sie uns bitte die Geschichte in drei Sätzen!

Maier-Bode In der Kneipe des Gladbacher Fanclubs "Fohlen forever" verkehrt auch regelmäßig ein vereinsamter Köln-Fan. Als der Fanclub erfährt, dass der Kölner Geißbock Hennes, das reale Maskottchen der Kölner, vorübergehend auf dessen Wiese grast, beschließen sie, den Geißbock zu entführen. Dazu gibt es noch eine Liebesgeschichte zwischen der Tochter des Köln-Fans und dem Sohn des Vereinspräsidenten der "Fohlen". Das ganze wird umrahmt von den Kommentatoren Delling und Netzer!

Wie haben Sie sich in die Vereinsgeschichte von Borussia eingearbeitet, da muss ja jedes Detail sitzen?

Maier-Bode Sehr viel gelesen und gegengecheckt. Außerdem war der Verein unfassbar kooperativ, die haben uns von Beginn an unterstützt.

Sie haben im Vorfeld angekündigt, mit dem Musical das Stadion ins Theater holen zu wollen. Ist der Plan aufgegangen?

Maier-Bode Ja. Es herrscht eine großartige Stimmung im Theater. Wenn Stadionsprecher Knippi, live oder von der Leinwand, das Theater auffordert mitzusingen, bleibt keine Kehle stumm. Und an bestimmten Stellen der Vereinsgeschichte wird kollektiv mit den Tränen gekämpft. Das ist wirklich ein Gänsehautfeeling. Und man sieht immer mehr Theaterzuschauer komplett in Schwarz-Weiß-Grün.

Welche Borussia-Profis haben sich das Musical bisher angeschaut?

Maier-Bode Wir hatten die Premiere extra auf einen spielfreien Tag gesetzt, um die Mannschaft einmal da zu haben. Aber dann kam die Champions League dazwischen. So waren bislang einige Offizielle da. Reiner Bonhof hat es gesehen. Hans Meyer soll angeblich bald kommen. Und die Mannschaft wird sicher auch noch vorbeischauen.

Am Düsseldorfer Schauspielhaus feierte 2014 das Fortuna-Musical "95 olé - Heimspiel" Premiere. Das war allerdings seinerzeit ziemlich schnell wieder vom Spielplan verschwunden. Warum wird das in Mönchengladbach anders sein?

Maier-Bode "Wir sind Borussia" ist sehr professionell gemacht und das spricht sich in Gladbach herum. Zusatzvorstellungen werden jetzt schon angekündigt. Der Verein spielt in der Stadt eine bedeutend größere Rolle als die Fortuna in Düsseldorf. Die ist zwar auch sehr populär, aber es gibt in der Landeshauptstadt noch andere Epizentren. Borussia hat in Mönchengladbach wenig Konkurrenz.

ALEXANDRA WEHRMANN STELLTE DIE FRAGEN

Quelle: RP
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