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Serie Paulsmühle (1)
Eine Mühle gab dem Viertel seinen Namen

Düsseldorf. Dem letzten Müller grub Kurfürst Carl Theodor 1756 das Wasser ab, weil er für Schlossgraben und -teiche die Itter umlenken ließ. Von Andrea Röhrig

Benrath Regelmäßig führen Mundartkünstlerin Anne Wesendonk und Wolfgang D. Sauer, Leiter des Benrather Heimatarchivs bei ihren Rundgängen "Historie und Histörkes" in und durch die Paulsmühle. Denn in dem östlichsten Teil Benraths gibt es spannende Geschichten zu erzählen. Sowohl aus der Vergangenheit als auch aus Gegenwart und Zukunft.

Viele Informationen hat sich Sauer, der bis zu seiner Pensionierung Lehrer am Schloß-Gymnasium war, angelesen. Doch eine Frage kann auch er nicht wirklich beantworten: Die, woher der Name Paulsmühle stammt. Nur eines ist klar: Er leitet sich von einer Wassermühle ab, die einst am Lauf der Itter stand. Es ist nicht überliefert, wo genau, noch sind irgendwelche Überreste vorhanden. Doch woher kommt bloß dieser Namenszusatz Paul?

Eine Deutung besagt, dass deren letzter Besitzer den Namen Paul getragen habe. Doch an diese Theorie glaubt Sauer nicht: "Mühlen wurden früher nach Ortsbezeichnungen benannt." Theorie zwei: Der Name leitet sich von Pot = Sumpf ab (Potsmoel). These drei: Es könnte auch möglich sein, dass es gar nicht Pauls-, sondern Pohlsmühle heißen muss, die Mühle am Pohl, am Teich nämlich, denn nahe bei dem Ort, wo man sie vermuten darf, befand sich noch in jüngerer Zeit ein "Flass-Laach", ein Gewässer also, in dem Flachs aufbereitet wurde und auf dem man im Winter sehr gut Schlittschuh laufen konnte.

These vier: Dass die Paulsmühler ihren Namen von der Düsseldorfer Vikarie St. Peter und Paul ableiteten, der die kleine Siedlung um die Mühle Abgaben leistete.

Doch zurück zum letzten Paulsmühler Müller: In der "Benrather Heimatgeschichte" auf Seite 70 ist zu lesen: "Vor einigen Jahren kam eine Gerichtsakte des Gerresheimer Gerichts zum Vorschein, die eindeutig auf den Standort der alten Paulsmühle hinweist: die Mühle kam vor 200 Jahren durch die Umleitung des Itterlaufs, als das Schloß gebaut wurde, zum Erliegen." Diese Akte vom 25. November 1828 besagt, dass die Freifrau von Zandt, Amalia geborene Gräfin von Hochstedten, Rentnerin zu Roermond im Königreich der Niederlande, das Gut samt Mühle als Gläubigerin versteigern ließ. Gläubigerin war unter anderem auch die Vicarie Sanctorum Petri et Pauli apostolorum bei der Pfarrkirche St. Lambertum zu Düsseldorf, an welche jährlich zwei Malter Roggen in Altdüsseldorfer Maß und 54 Stüber in Geld zu leisten waren. Ein Beweis also dafür, dass die Paulsmühle einst Lehnsgut von St. Lambertus war, wie nach alten Quellen schon 1392 das Düsseldorfer Stift von Herzog Wilhelm von Berg mit dem Novener Hof dotiert wurde.

Besagter Müller Paul - der im 18. Jahrhundert die Wassermühle am Itterlauf betrieb, saß plötzlich auf dem Trockenen, als Kurfürst Carl Theodor den Bachlauf umlenkte, um die Schlossteiche mit dem Wasser der Itter zu speisen. Der Strukturwandel qua feudaler Willkür beendete Pauls Existenz als Müller im Jahre 1756.

Die ersten Industriellen entdeckten um 1870 die Paulsmühle. Sie kamen aus dem Bergischen und aus dem Siegerland. Der Charakter des Viertels ist eindeutig industriell geprägt. Es waren Firmen wie Flender, Balcke, Tellering u. Co., Capito und Klein sowie das Werk der Deutschen Maschinenbau-Fabrik AG, Demag, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts rund 1200 Arbeitsplätze boten. Vor allem das Röhrenwalzwerke Balcke und Tellering und und das Pudlings- und Blechwarenwerk von Capito und Klein (später Thyssen-Krupp) sorgten für einen großen Aufschwung - übrigens in ganz Benrath. Am 30. September 1976 verließ das letzte Feinblech das unrentabel gewordene Werk an der Telleringstraße. Die Produktion ging am Neubau an der Hildener Straße weiter. 2004 zog das Unternehmen BEA Elektrotechnik- und Automations 2004 in den Reisholzer Hafen; einen Teil des Geländes hatten sie schon zuvor an Aldi verkauft.

Viele Jahre versuchte die Stadtteilpolitik im Süden vergeblich, dass sich der Blick der Rathausspitze auch mal in den Süden richtet. Doch wirklich passierte nichts. 2003 hieß es im Benrather Tageblatt: Immerhin 17 Unternehmen - darunter Transportfirmen, produzierendes Gewerbe sowie Hotelunternehmen - hätten sich 2002 für eine Ansiedlung in der Paulsmühle interessiert. Es geschah letztlich das Gegenteil. Die Lotto-Annahmestelle Einsiedelstraße wurde aus Altersgründen aufgegeben. Auch die Apotheke hat dicht gemacht. Die ehemalige Kultkneipe "Zur Schmiede" ist nach dem Tod von Schmiedewirt "Jimmi" nicht wieder eröffnet worden. Auf dem stillgelegten Sportplatz von Benrath 10 an der Schimmelpfennigstraße leben inzwischen Flüchtlinge.

Doch nun tut sich einiges im Viertel. Auf dem ehemaligen Thyssen-Krupp-Areal wird gerade das Albrecht-Dürer-Berufskolleg neu gebaut. Nach den Sommerferien 2018 soll es bezogen werden. Dann werden täglich rund 1500 Berufsschüler die Paulsmühle beleben. Auf dem selben Gelände sollen zudem rund 500 Wohnungen entstehen, weitere 400 auf der BEA-Brache. Die Paulsmühle wird aus dem Dornröschenschlaf geholt - ob immer zum Vorteil der Anwohner wird die Zukunft zeigen.

Quelle: RP
 
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