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Düsseldorf
Eine Stunde lang die Flucht vergessen

Düsseldorf. Am Leuchtenberger Kirchweg sind rund 200 Flüchtlinge untergebracht. Ehrenamtler bieten dort Ponyreiten für die Kinder an. Von Katharina Schneider-Bodien

Kindsein ist in dieser Zeit nicht einfach. Vor allem in Flüchtlingsfamilien. Denn bei ihnen bestimmt die für Kinder sonst so typische Unbeschwertheit häufig nicht den Alltag. Schließlich haben sie Teile der Familie und Freunde in der unsicheren Heimat zurücklassen müssen, haben eine beschwerliche Flucht nach Deutschland auf sich genommen und dabei die Verzweiflung der Eltern tagtäglich miterlebt. Umso wichtiger sind Angebote, die den Kindern zumindest stundenweise Ablenkung gewähren und sie "Kind sein" lassen.

Eines dieser Angebote ist die Reitstunde mit Islandponys im Innenhof des Containerdorfes am Leuchtenberger Kirchweg. Internationale Schule, Diakonie und der Verein Islandpferde-Reiter Düsseldorf organisieren das Programm. In regelmäßigen Abständen sind die Ponys vom nahegelegenen Hof zu Gast. Die Tiere lassen sich bürsten, streicheln und auch in Begleitung der Pferdefreunde reiten. Schon am Tor warten die ungefähr 15 Kinder am Wochenende sehnsüchtig auf die Pferde. Das jüngste Mädchen ist wenige Monate alt, lernt gerade Laufen und ist in Begleitung ihres Vaters gekommen. Die älteren von ihnen gehen schon in die Grundschule. Obwohl die Fußballeuropameisterschaft im vollen Gange ist, sind auch viele Jungen dabei.

Als das Hufgetrappel endlich zu hören ist, ist die Freude groß. Bevor die Reitstunde allerdings losgeht, werden die Tiere von den größeren Kindern gebürstet. So verlieren sie die Scheu vor den Ponys. Die vierjährige Lena hat sich für "ihre" Pferde besonders fein gemacht. Sie trägt ein rosa Prinzessinenkleid und steuert zielstrebig den Schimmel an. Als Lena erst einmal oben auf dem Pferderücken sitzt, ist das vor Freude glucksende Mädchen gar nicht mehr zu bremsen. Fröhlich winkend wird sie Runde um Runde durch den Hof geführt und darf in dieser viel zu kurzen Zeit vor allem eins sein: Kind.

Fünf Wohnkomplexe, ein Verwaltungsgebäude und ein kleiner Spielplatz stehen seit November am Leuchtenberger Kirchweg / Ecke Am Gentenberg. Auch wenn die Container in Grün gehalten sind und das Dorf auf einem Feld steht, wirkt der Komplex vor allem grau. Besonders Familien mit Kindern sind hier untergebracht. Die Räume für die Bewohner sind flexibel durch Türen verbunden, so dass Familien eine eigene Einheit mit kleiner Küche und Nasszelle für sich haben.

Die Stimmung im Dorf ist überwiegend gut, die Familien fühlen sich willkommen. Lauscht man den Kinderstimmen auf dem Innenhof, hört man vor allem Deutsch. Viele besuchen umliegende Kindergärten und Grundschulen. "Es ist wirklich beachtlich, wie schnell sie die Sprache lernen", sagt Flüchtlingsberaterin Maja Goldin.

Quelle: RP
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