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Serie Wohnen In Düsseldorf
Eine WG mit zehn Familien

Serie Wohnen In Düsseldorf: Eine WG mit zehn Familien
Matthias und Eva Pfeifer (links) haben die große Wohngemeinschaft an der Heinrich-Könn-Straße in Gerresheim mitgegründet. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Vor 20 Jahren verwirklichten "Die Grashüpfer" in Gerresheim ihr Ideal von Leben - zu den Bauherren von einst gehört auch ein bekannter Düsseldorfer Architekt. Von Ute Rasch

Am Anfang war ein Acker. Und eine Idee. Den Acker hatte die Stadt an der Bergischen Landstraße erworben und zum Bauland erklärt. Die Idee vom Planungsamt war, einen Teil dieses Terrains Wohngruppen anzubieten, die dort gemeinsam planen und bauen sollten - für ein Leben in Gemeinschaft. Das ist nun 20 Jahre her. Heute wuchert auf der kahlen Fläche von einst die Natur in verschwenderischer Üppigkeit, in den Bäumen nisten Vögel aller Art. Aber wie hat sich das Wohn-Experiment der 1990-er Jahre, das durchaus mit Skepsis begleitet wurde, entwickelt?

An der Wand hängt ein bezauberndes grünes Monster, es könnte ein Schutzgeist sein für die Bewohner dieses Hauses: Matthias Pfeifer, Architekt und Vize-Vorsitzender des Bundes Deutscher Architekten in Düsseldorf und seine Frau, die Kunsttherapeutin Eva Schneehorst-Pfeifer - sie schuf das Monster.

Die Familie, zu der auch drei mittlerweile erwachsene Kinder gehören, gehört zu den "Grashüpfern", einer Gemeinschaft von zehn Paaren, die vor Nähe keine Angst haben. Im Gegenteil. Allerdings dürfte es für einen Architekten ziemlich ungewöhnlich sein, nicht in einem selbst entworfenen Haus zu leben, sondern in einer alternativen WG. "Viele meiner Kollegen haben das nicht verstanden", erinnert sich Pfeifer.

Dabei war für ihn und seine Frau das Konzept von Anfang an bestechend: In einer großen neuen Siedlung an der Heinrich-Könn-Straße sollte auch Platz sein für fünf Wohngruppen. Gesucht wurden Familien mit Kindern. "Das passte gut", so Eva Schneehorst-Pfeifer. Ihr erstes Kind war bereits geboren, das zweite unterwegs, bis zum Einzug 1994 sollte auch das dritte Kind auf der Welt sein. Schließlich fanden sich zehn Paare, die das Wagnis eingehen wollten, gemeinsam zu planen und zu bauen. In der Nachbarschaft entstanden andere Wohngruppen, eine entschied sich für einen runden Holzbau, auf dessen Flachdach heute Grün sprießt.

Bevor bei den "Grashüpfern" die Bagger anrückten, hatten sie unzählige Stunden über die Zukunft diskutiert, hatten Pläne entworfen und Modelle gebastelt. Schließlich entschieden sie sich für zwei weiße Reihenhaus-Komplexe für jeweils fünf Familien, die durch Gärten getrennt sind. Gebaut wurde als Eigentümergemeinschaft, heißt: Keinem gehört ein einzelnes Haus, alle haben Anteile am gesamten Komplex. "Aber wir haben uns noch nie über Geld gestritten", so Pfeifer.

Klar war von Anfang an, dass es Gemeinschaftsräume geben sollte. So wurde gleich ein Licht durchfluteter Raum in Eigenarbeit gebaut, in dem sich heute die wöchentliche Nähgruppe trifft, der Chor probt (zurzeit Liebeslieder von Brahms bis Grönemeyer), die Männer Skat spielen. Und überhaupt viel gefeiert wird.

Auch einen großen Keller nutzen, neben ihren privaten Kellerräumen, alle gemeinsam, Platz für Fahrräder und Gartengeräte, auch der Rasenmäher ist wie die Kreissäge WG-Eigentum. Und der Getränkebedarf aller zehn Familien wird gemeinsam per Internet bestellt.

Trotzdem: Als Kommune sollte man sich das Leben der "Grashüpfer" nicht vorstellen. Jede Familie lebt in ihrem Haus für sich, man rückt sich nicht zu nahe und betritt in der Regel den Garten der anderen nicht unaufgefordert. "Wir hatten von Anfang an nicht zu viel Anspruch an die Gemeinschaft", so Pfeifer. Doch mit den Jahren ist eine starke Verbundenheit entstanden. "Gemeinsam zu bauen, ist ein Urerlebnis. Das schweißt zusammen." Auch die junge Generation.

"Als wir 1994 einzogen, lebten hier 24 Kinder. Für die war das ein Paradies, eine Art Bullerbü. Aber - was dann später wichtig wurde - mit Straßenbahnanschluss in die Altstadt", erinnert sich das Paar. Und die Nachbarn jenseits der Wohngemeinschaft? "Haben sich nie über den Lärm beklagt."

Mit der teilen die "Grashüpfer" in diesen letzten Sommertagen ein besonderes Gemeinschaftserlebnis: Dann spannen sie zwischen den Häusern eine Leine, an der eine Leinwand befestigt wird - und fertig ist das Open-Air-Kino. Nur einen Stuhl, den muss jeder mitbringen. Was sagte Eva Schneehorst-Pfeifer zu Beginn? "Wir sind daran gewöhnt, schnell was zu organisieren."

Quelle: RP
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