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Kolumne Auf Ein Wort
Einfach königlich

Düsseldorf. In diesen Tagen gehen die Sternsinger, wie jedes Jahr, mit Weihrauch und Segensspruch von Haustür zu Haustür. Sie singen, sie segnen das Haus und sammeln Spenden für Kinder in Not auf anderen Kontinenten. Sie wollen Segen sein für andere. Sie sind nicht für sich selber da.

Vor 2000 Jahren sind drei Könige einem Stern gefolgt, um einen neugeborenen König aufzusuchen. Sie finden ihn schlicht und einfach in einem Stall, und nicht in einem Palast. Sie finden unvorbereitet ein Allerweltskind vor. Dennoch huldigen sie ihm ohne zu zögern und überreichen ihm ihre königlichen Gaben: Gold, Myrrhe und Weihrauch. Ihre Gaben weisen auf das Wesen und Leben Jesu hin. Das kostbare Edelmetall Gold soll seiner Königswürde entsprechen. Der Weihrauch, der in der Liturgie heute noch die festliche Freude und feierliches, erhebendes Gebet zum Ausdruck bringt, soll auf die Göttlichkeit des Kindes hinweisen. Myrrhe deutet auf seine Menschlichkeit hin, denn sie stand für eine pflegende Wirkung, und wurde bei der Einbalsamierung eines hochgeschätzten Verstorbenen verwendet. Kostbarkeiten also, die einem wahren König gebührten.

Die Sternsinger erzählen mit ihrer Aktion diese biblische Geschichte in die heutige Zeit hinein. Ich persönlich finde den Gedanken sehr interessant, dass sie in denen, die sie vorfinden, die Könige und Königinnen unserer Zeit besuchen, wir alle also königlich sind. Dann haben freilich auch wir unsererseits, wie die drei Könige damals, die Gaben, mit denen wir die Königswürde anderer zur Geltung bringen können. Unter diesem Aspekt erhalten die Worte Jesu im Matthäusevangelium (25,40) "Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan" eine besondere Bedeutung.

Die Sternsinger sammeln in diesem Jahr für einen Teil der Kinder in meinem Heimatland Indien, die nicht unbeschwert aufwachsen können, sondern hart arbeiten müssen. Sie werden ausgebeutet. Die Sternsinger wollen ihren Beitrag dazu leisten, dass ihre Lebensbedingungen so verbessert werden, dass sie sich ihrer Würde bewusst werden, dass sie nicht als Sklaven, sondern als freie Menschen, königlich eben, leben können.

Wenn es uns gelingen würde, in den täglichen Begegnungen unabhängig von Äußerlichkeiten, in den jeweils anderen eine Königin, einen König zu sehen, würden sich Freundlichkeit statt Gleichgültigkeit, Respekt statt Ignoranz und damit Frieden und Vertrauen unter den Menschen verbreiten.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen von Herzen ein königliches Neues Jahr!

Quelle: RP
 
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