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Nach Prügelattacken in Düsseldorf
"Eller - immer krimineller"? Stimmt nicht, sagt die Polizei

Nach Prügelattacken in Düsseldorf: "Eller - immer krimineller"? Stimmt nicht, sagt die Polizei
Bezirksbeamter Manfred Woyke spricht viel mit den Bürgern. FOTO: hjba
Düsseldorf. Die Kriminalität im Düsseldorfer Stadtteil ist rückläufig - das zeigt die Polizeistatistik. Doch diese Tatsache widerspricht dem Sicherheitsgefühl vieler Bürger, die sich weiter unwohl fühlen. Die Bezirksbeamten der Polizei arbeiten daran, das zu ändern. Wir waren mit einem von ihnen in Eller unterwegs.

"In Eller stirbt man schneller" - diesen Spruch hört man seit Montagabend wieder öfter. Oder auch: "Eller - immer krimineller." Diskutiert wird über die Sicherheit im Düsseldorfer Stadtteil, seit Jugendliche drei Männer an zwei S-Bahnhöfen ins Krankenhaus prügelten. Für viele Elleraner bestätigen die beiden Vorfälle das subjektive Gefühl, dass das Klima im Stadtteil rauer, die Straßen gefährlicher geworden sind. Nicht nur, aber auch aus diesem Grund lud die Polizei am Freitag zum Rundgang durch Eller.

Der Leiter der Polizeiinspektion Süd, Thomas Decken, hatte Statistiken mitgebracht, die zeigen: Eller wird mitnichten immer krimineller.

  • Spätestens seit 2014 sinken die absoluten Fallzahlen.
  • Vergleicht man jeweils das erste Halbjahr, verringerten sich die Wohnungseinbrüche von 2016 auf 2017 um 18 Prozent, die Straßenkriminalität um 16 Prozent.
  • Insgesamt sank die Kriminalität um zehn Prozent.

Eller sei also nicht die Bronx, sagt Polizeidirektor Decken in Anspielung auf den New Yorker Brennpunkt-Stadtteil. Auch wenn Verbrechen wie die vom Montag verständlicherweise großes Aufsehen erregten. "Aber die Masse der Leute lebt gerne hier. Und Herr Woyke sucht die auf, die sich melden, weil etwas ist."

Manfred Woyke ist Bezirksbeamter in Eller. Ein großer Teil seines Jobs besteht darin, die Beschwerden von Menschen aufzunehmen, die sich im Viertel belästigt, bedroht oder schlicht unwohl fühlen. "Wenn vor dem Discounter Trinker stehen und ältere Leute anpöbeln, dann gehe ich hin und sage denen: Das geht so nicht." Das funktioniere meist reibungslos.

Es gebe aber auch Fälle, in denen Bürger überreagierten. "Da sagt mir einer, dass Jugendliche vor seiner Tür Flaschen zerschmeißen. Aber ich kenne die Jugendlichen - die machen das nicht, die wollen ja das Pfand zurück." Es sei wichtig, nicht aus Vorurteilen eine Bedrohung abzuleiten, wo keine sei.

Der Rundgang führte auch durch die Unterführung der S-Bahnhaltestelle Eller-Süd, wo sich eine der Prügelattacken ereignet hatte. Angesprochen auf die Forderung von CDU-Ratsmitgliedern nach mehr Kameras, sagte Thomas Decken, sie würden vor allem bei der Aufklärung hilfreich sein, nicht so sehr präventiv.

Was kann sonst noch helfen, damit die Elleraner sich sicher fühlen? "Ich kann nur Leuten helfen, die mit mir sprechen", sagt Hauptkommissar Woyke. Und der Polizeidirektor bekräftigt: "Wenn Sie so viele dunkle Gestalten vor Ihrer Tür haben, dass Sie sich nicht mehr raustrauen - ja, dann melden Sie das doch! Dann reagieren wir auch." Das nennt man dann wohl eine klare Ansage.

(hpaw)
 
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