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Düsseldorf
Eltern berichten über Inklusion

Düsseldorf. Zum Treffen mit dem Schulamt kamen auch Lehrer und Politiker. Von Stefanie Thrun

Seit zwei Jahren können Eltern selbst entscheiden, ob ihre Kinder mit Förderbedarf eine Regel- oder eine Förderschule besuchen sollen. Diese Entscheidung des Landes hatte von Beginn an viel Kritik auf sich gezogen, weil vor allem das dafür ausgebildete Lehrpersonal in den Regelschulen fehlte. Nun hatte der Verein "Gemeinsam Leben und Lernen in Düsseldorf" Eltern, Lehrkräfte und Politik in die Astrid-Lindgren-Schule eingeladen, um die Erfahrungen mit Inklusion in Düsseldorfer Schulen mit Günther Benninghaus vom Schulamt auszutauschen.

"Im kommenden Jahr brauchen nach momentaner Rechnung 166 Kinder mit Förderbedarf einen Platz in einer fünften Klasse. Das sind 30 mehr als im letzten Jahr", erklärte Benninghaus. Die Platzvergabe sei kein Problem. So bekäme jedes Kind mit Sicherheit einen Platz zum gemeinsamen Lernen an einer weiterführenden Schule. Zwar begann so der Abend mit einer guten Neuigkeit, dennoch gab es zahlreiche Kritikpunkte, vor allem viele Eltern machten ihrem Unmut Luft.

Ein großes gemeinsames Thema war der Mangel von Sonderpädagogen. Oft sind diese nicht, oder nur für wenige Stunden in der Woche verfügbar. Sonderpädagogen, die als zweite Klassenlehrer fungieren sind sehr selten, dabei aber dringend erforderlich. Eltern von Kindern mit Förderbedarf fühlen sich so häufig als Einzelkämpfer. Beispielsweise schilderte eine Mutter, dass ihr Sohn an einer Gesamtschule der einzige Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen sei. Ihre Erfahrung: "Er geht dort unter." Darüber hinaus schilderten Eltern auch, dass an einigen Schulen die Lehrer keine Fortbildung zur Inklusion absolviert hätten. Zwar werde den Eltern vermittelt, dass sie Wunsch-Schulen nennen könnten, die Praxis zeige aber, dass diese bei der Zuweisung des Schulamts kaum Gewicht haben. Eine Mutter berichtete, dass ihr Kind zunächst an eine Hauptschule verwiesen wurde, obwohl eine Gesamtschule gewünscht war. "Sobald die Kinder an einer Schule angenommen sind, ist die entsprechende Schulleitung zuständig. Bei Problemen sollte man sich zuerst an die Schulleitung wenden, nicht ans Schulamt. Wir haben dort keinen Einfluss", so Benninghaus im Gespräch mit den Eltern. Vor allem eines wurde so am Ende des Abends klar: Ein besserer Informationsfluss von Schulamt und Schulleitung muss definitiv ermöglicht werden, damit Eltern wissen, welche Schritte sie wie früh in Angriff nehmen müssen, um ihre Kinder nicht nur auf irgendeine, sondern möglichst auf die gewünschte Schule zu bringen. Was also letztendlich viel Rechtfertigung vonseiten des Schulamts abverlangte, war zumindest eine Chance des Austauschs für alle und für das Schulamt eine Möglichkeit das System von der anderen Seite aus gezeigt zu bekommen.

Quelle: RP
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