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Düsseldorf
Eltern lernen in der Schule Deutsch

Düsseldorf: Eltern lernen in der Schule Deutsch
Fatiha Jabi und ihr achtjähriger Sohn Mohammed Gueurrouj auf dem Hof der Grundschule an der Sonnenstraße FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Mit einem besonderen Kursangebot will die Grundschule Sonnenstraße Eltern beim Erwerb der deutschen Sprache unterstützen. Auch ein Mutter-Kind-Singen soll helfen, Sprachbarrieren abzubauen. Von Sven-André Dreyer

Für Fatiha Jabi ist die Sache klar: "Sprache ist der Schlüssel zu der Kultur und den Menschen eines Landes", sagt die 30-Jährige in nahezu akzentfreiem Deutsch. "Ohne Sprachkenntnisse würde ich hier kaum eine gute Arbeit finden", fügt sie hinzu. Die Syrerin lebt, nach ihrer Flucht über Spanien, mit der Familie seit rund zwei Jahren in Deutschland. Sohn Mohammed Gueurrouj (8), eines ihrer insgesamt drei Kinder, besucht die dritte Klasse der Grundschule Sonnenstraße in Oberbilk.

Mohammed, der fließend Deutsch spricht, ist mächtig stolz auf seine Mutter. Die verbrachte in den vergangenen eineinhalb Jahren drei Tage in der Woche in einem Unterrichtsraum unmittelbar neben seinem Klassenzimmer. Während sie vor Unterrichtsbeginn gemeinsam das jüngste Geschwisterkind zum Kindergarten brachten, gingen sie anschließend gemeinsam zur Grundschule. "Hin und wieder verbringen wir an solchen Tagen sogar die Pausen miteinander auf dem Schulhof", sagt Jabi. "Und das finden selbst meine Freunde cool", sagt Mohammed. Möglich macht das, finanziert über den Bund, ein besonderes Angebot der Schule: Während die Kinder den Regelunterricht besuchen, können ihre Eltern einen Deutschkursus besuchen. Die externe ESO-Sprachschule unterrichtet nach einem Einstufungstest die Eltern mit einer Mindestteilnehmerzahl von zwölf Personen pro Sprachkurs, lehrt Grammatik, Verbformen und Vokabeln. Und weil ab der ersten Stunde des Kurses bereits aktiv gesprochen wird, werden mögliche Sprachbarrieren schon früh abgebaut.

"Grundvoraussetzung, um an einem solchen Deutschkurs teilnehmen zu können, ist der unbedingte Wille der Eltern", sagt Kornelius Knettel (35), seit 2013 Schulleiter der Grundschule Sonnenstraße, die derzeit von 308 Schülern besucht wird. Dabei liegen die Vorteile einer Kursteilnahme für Eltern mit Migrationshintergrund auf der Hand: Ohne einen weiteren Lernort aufsuchen zu müssen, können sie gemeinsam mit ihrem Nachwuchs unter einem Dach lernen.

Da die Kinder alle dieselbe Schule besuchen, kennen sich viele der Eltern bereits untereinander. Die Hürde, einen Sprachkursus zu besuchen, ist damit niedrig. "Mit dem Angebot wollen wir die Eltern zusätzlich unterstützen und motivieren, Deutsch zu lernen", sagt Knettel, der großen Wert auf die Elternarbeit legt. Dennoch: Viele Mütter und Väter hätten kein Interesse an einem Deutschkurs, bedauert Fatiha Jabi. "Dabei ist doch die Sprache allein deshalb wichtig, um unseren Kindern bei den Hausaufgaben helfen zu können."

Eine ganz andere Art der Hilfe bieten an der Schule die "Soroptimisten" (SI). Der SI Club Düsseldorf-Karlstadt, der zu dem weltweiten Netzwerk berufstätiger Frauen gehört, engagiert sich für Menschenrechte und internationale Verständigung. An der Grundschule in Oberbilk bietet er ein jährlich stattfindendes Kulturpaket an, bei dem die Kinder kulturelle Orte in der Stadt kennenlernen können. In der diesjährigen Kulturwoche mit dem Titel "Hören, Sehen, Tanzen, Träumen" wird den Schülern die Möglichkeit geboten, die Büchereien der Stadt, das Filmmuseum oder die Oper zu erleben. Und auch ein spielerischer Erwerb der deutschen Sprache gehört zum Angebot: Von einer Gesangslehrerin geleitet findet einmal wöchentlich ein Mutter-Kind-Singen statt. Im gemütlichen Rahmen werden bei Kaffee und Gebäck gemeinsam deutsche und internationale Lieder gesungen.

Quelle: RP
 
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