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Serie 11 Freunde
"Eltern sind manchmal die Schlimmsten"

Düsseldorf. Wir überbrücken die Zeit bis zur EM mit elf Fußballgeschichten. Heute: Martin Warmbier stand mit 18 Jahren das erste Mal als Schiedsrichter auf dem Platz, mittlerweile ist er Vorsitzender des Kreis-Schiedsrichter-Ausschusses. Macht das Spaß?

Herr Warmbier, schimpfen Sie vor dem Fernseher eigentlich auf Schiedsrichter?

Martin Warmbier Das habe ich früher vielleicht mal gemacht, aber heute würde ich nie laut fluchen. Schiedsrichter haben mal gute oder schlechte Tage, das gebe ich gerne zu. Aber keiner hat eine Zeitlupe oder drei Kamera-Perspektiven zur Verfügung. Emotionen gehören zum Fußball dazu, aber manchen würde ein bisschen mehr Distanz auch ganz guttun.

Warum sind Sie Schiedsrichter geworden?

Warmbier Fußball war für mich immer der Sport Nummer eins. Es hat sich aber schon früh herausgestellt, dass ich - um es mal so zu formulieren - nur begrenztes Talent habe. Also habe ich beschlossen, in die Mitte des Platzes zu wechseln. Das habe ich bis heute nicht bereut.

Können Sie sich noch an ihr erstes Spiel erinnern?

Warmbier Sehr gut sogar. Das war 1995 und ich war 18 Jahre alt. Ein Spiel der C-Junioren bei den Sportfreunden Gerresheim. Ich hatte Glück: ein einfaches Spiel, alles ist reibungslos verlaufen. Aber man wird ja auch nicht ins kalte Wasser geschmissen. Am Anfang sind immer ältere und erfahrene Schiedsrichter dabei.

So reibungslos wird nicht jedes Spiel verlaufen sein...

Warmbier Nein, es gab tatsächlich ein Spiel, bei dem es brenzlich geworden ist - auch relativ früh in meiner Laufbahn. Damals musste ein Spieler von mehreren Mitspielern zurückgehalten werden, weil er auf mich losgehen wollte. Die Situation hat dann auch zum Spielabbruch geführt.

Trotzdem sind Sie dabei geblieben.

Warmbier Ja, selbstverständlich. Mir hat das Pfeifen immer viel Freude bereitet. Schiedsrichter zu sein ist ein Hobby, das großen Spaß machen kann. Eine Aufgabe, an der man wächst.

Bereitet Ihnen eine Fehlentscheidung heute noch schlaflose Nächte?

Warmbier Klar ist, dass jeder mal Fehler macht. Aber ich erinnere mich jetzt spontan an keine Entscheidung, die mich noch wochenlang verfolgt hätte. Vielleicht ist das auch eine ganz nützliche Eigenschaft: Wenn ich in der ersten Minute des Spiels eine Entscheidung treffe, von der ich in der zweiten Minute weiß, dass sie ein Fehler war, darf ich das nicht 90 Minuten mit mir herumschleppen. Da muss der Kopf frei sein.

Was für Typen werden Schiedsrichter?

Warmbier Ich glaube, auf dem Platz erleben wir viele verschiedene Typen von Schiedsrichtern. Aber generell sollte man schon ein dickes Fell haben. Das kann man aber auch lernen. Gerade wenn man den Nachwuchs anschaut, sieht man nach einigen Jahren sehr deutlich, wie sich der Charakter entwickelt hat.

Dennoch kämpfen Schiedsrichter mit großen Nachwuchsproblemen.

Warmbier Ja, das stimmt. Am meisten fehlen uns tatsächlich die Schiedsrichter im besten Alter, also zwischen 25 und 45. Das ist die Zeit, in der viele mit ihrer aktiven Karriere aufhören, weil sie keine Zeit mehr haben, sich um ihre Familie kümmern wollen oder wegziehen müssen. Gleichzeitig fängt in dem Alter aber kaum jemand als Schiedsrichter an. Eigentlich suchen wir aber in jeder Altersklasse Verstärkung.

Warum wollen so wenige pfeifen?

Warmbier Der Umgangston in der Gesellschaft ist rauer geworden, der Respekt nimmt ab. Das lässt sich auch auf den Fußballplatz übertragen. Ich möchte die Lage nicht überdramatisieren, aber es kommt vor, dass Schiedsrichter angegangen werden. Verbal, in Einzelfällen auch schon körperlich. Das beobachten wir gerade in den unteren Spielklassen Amateure und in den Jugendklassen mit Sorge.

Wo kommen diese Emotionen eigentlich her? Die Kreisliga ist ja nicht unbedingt die Champions League.

Warmbier Wenn die Leute auf den Platz gehen, spielen sie, um zu gewinnen. Da spielt es überhaupt keine Rolle, ob das Kreisliga oder Europameisterschaft ist. Das ist erst einmal etwas Tolles, bei manchen führt das aber eben zu weit. Bei den Junioren sind es oft auch weniger die Spieler, die Probleme bereiten. Da sind die Eltern am Spielfeldrand manchmal die schlimmsten. Man muss sich nicht alles gefallen lassen, aber manchmal hört man am besten nicht alles. Die Ehre meiner Mutter ist da schon das ein oder andere Mal in Zweifel gezogen worden.

Schiri und Spieler - ist da überhaupt eine Freundschaft möglich?

Warmbier Wir sind ja nicht die Feinde der Spieler. Viele Schiedsrichter haben früher auch mal gespielt. Und ich kann nur jedem empfehlen, es selbst auszuprobieren.

LUDWIG KRAUSE STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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