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Meyer-Falcke zum Dominikus-Krankenhaus
Emotional ein Verlust, rational nicht

Meyer-Falcke zum Dominikus-Krankenhaus: Emotional ein Verlust, rational nicht
Andreas Meyer-Falcke hält Vollversorger-Krankenhäuser in den Stadtteilen weder aus Sicht der Träger noch aus Sicht der Patienten für sinnvoll FOTO: Anne orthen
Düsseldorf. Der Gesundheitsdezernent Andreas Meyer-Falcke spricht im Interview über die Sorgen ums Dominikus-Krankenhaus, die Pläne des Landes, in Düsseldorf 1000 Klinikbetten einzusparen, und den Wunsch vieler Medizinstudenten, lieber als Angestellte zu arbeiten.

Das Dominikus-Krankenhaus befindet sich in der Insolvenz in Eigenverwaltung und sucht einen neuen Investor. Findet sich dieser nicht, droht dem linksrheinischen Düsseldorf der Verlust seines einzigen Krankenhauses. Erschreckt Sie der Gedanke?

Andreas Meyer-Falcke Emotional ja. Ich verstehe, dass die Bürger sagen ,Aber das ist doch unser Krankenhaus...'. Ich weiß auch noch, wo ich geboren wurde, und würde es als großen Verlust empfinden, wenn es dieses Krankenhaus plötzlich nicht mehr gäbe.

Und wie sehen Sie die Situation rational?

Meyer-Falcke Wir haben direkt hinter der Kniebrücke das EVK. Wir haben etwas weiter die Uniklinik. Wir haben im Norden die Paracelsusklinik und die Kaiserswerther Diakonie. Das sind die Krankenhäuser, die von unseren 13 am schnellsten vom Linksrheinischen zu erreichen sind. Und ganz rational: Wir haben auch Krankenhäuser in Neuss.

Also ist Düsseldorf auch ohne Dominikus-Krankenhaus gut versorgt?

Meyer-Falcke Ich kann der Landesregierung die Entscheidung nicht abnehmen. Wir haben 5200 Betten in den Düsseldorfer Krankenhäusern, die im Durchschnitt zu 80 Prozent belegt sind. Wir haben 3200 Ärzte in Düsseldorf plus Zahnärzte und viele hundert Therapeuten. Sie merken also, dass sich der Gesundheitsdezernent keine Sorgen über die Vielfalt der gesundheitlichen Versorgung macht.

Noch einmal die Frage: Kommen wir ohne Dominikus-Krankenhaus aus?

Meyer-Falcke Aus medizinischer und therapeutischer Sicht droht uns keine Unterversorgung. Aber die Menschen empfinden es als Lücke, wenn sie auf ihrer Rheinseite kein Düsseldorfer Krankenhaus mehr haben.

Was würde den Menschen denn tatsächlich fehlen?

Meyer-Falcke Das Dominikus hat Chirurgie, Innere und HNO. Es ist kein Vollversorger-Krankenhaus, für viele Erkrankungen müssen die Menschen ohnehin ins Rechtsrheinische oder nach Neuss. Daraus ergibt sich die Grundfrage: Wollen wir überall in den Stadtteilen Vollversorger-Krankenhäuser?

Und: Wollen wir?

Meyer-Falcke Ich denke, das ist weder aus Sicht der Träger noch aus Sicht der Patienten sinnvoll. Für die Träger ist es nicht sinnvoll, eine Abteilung oder ein Gerät zu unterhalten, das nur wenige Male im Jahr genutzt wird. Und für die Patienten ist es ein Vorteil, wenn es zu Fachgebieten Zentren gibt, in denen eine Krankheit viele hundert oder sogar mehr als tausend Mal pro Jahr behandelt wird.

Wie sind Sie als Stadt an den Fragen von drohender Schließung oder der Senkung von Bettenzahlen beteiligt?

Meyer-Falcke Zunächst einmal politisch. Es wird in der nächsten Ratssitzung einen Antrag der CDU geben, dass die Stadt sich für den Erhalt des Dominikus-Krankenhauses einsetzt. Das können wir tun. Aber an den weiteren Entscheidungen sind wir nicht beteiligt.

Wer trifft diese Entscheidungen?

Meyer-Falcke Das Land. Es geht um die Frage, wie man die Gelder für die Krankenhäuser in NRW steuert. Dazu hat man verschiedene Instrumente ausprobiert, nun ist man beim Krankenhausbedarfsplan. Danach hat Düsseldorf zirka 700 Betten zu viel.

Stimmt diese Rechnung?

Meyer-Falcke Ich halte sie für unfair. Dem Plan liegen Zahlen von vor fünf Jahren zugrunde. Damals hatte Düsseldorf 580.000 Einwohner, tatsächlich sind es inzwischen 630.000, also knapp zehn Prozent mehr. So viele Betten zu streichen, ist sicherlich übertrieben.

Wer vermittelt das dem Land?

Meyer-Falcke Jeder Klinik-Träger und jeder Klinik-Verbund in Gesprächen mit den Krankenkassen und der Bezirksregierung. Da wird über Betten und Abteilungen gefeilscht, am Ende gibt die Bezirksregierung das Ergebnis der Verhandlungen ans Land. Es steht zu befürchten, dass das Land dann nicht das Ergebnis hört, das es gerne hören möchte. Denn welcher Akteur verzichtet schon gerne von sich aus auf einen Teil seines Angebotes.

Wie wird es darauf reagieren?

Meyer-Falcke Das Land wird sich damit nicht zufrieden geben.

Mit welcher Folge?

Meyer-Falcke Dann müssen die Häuser gucken, wo sie zentralisieren können: beim Einkauf, bei den Apotheken, in der Verwaltung, aber auch bei den Geräten. Es kommt dann zu dem, was ich vorhin schon einmal beschrieben hab: zur Bildung von Zentren.

Welche Ansätze gibt es schon?

Meyer-Falcke Es gibt sie in den Klinik-Verbünden, müsste sie aber auch zwischen den Verbünden und einzelnen Häusern geben und auch mit der Uniklinik. Bestimmte Geräte könnte man gemeinsam nutzen, bestimmte Leistungen gemeinsam anbieten. Dazu gehört auch, dass sie den Übergang zwischen stationärer und ambulanter Behandlung optimieren.

Wie?

Meyer-Falcke Die Sana-Klinik in Gerresheim ist ein gutes Beispiel. Das Haus organisiert einen Campus um sich herum, zum Beispiel mit niedergelassenen Ärzten. So werden stationäre und ambulante Behandlung vernetzt.

Zurück zur Stadt: Wie begleitet sie diese Entwicklung?

Meyer-Falcke Vor allem durch Prävention, durch Gesundheitspolitik in allen Feldern. Ich als Gesundheitsdezernent habe gerade eine Initiative für die Leber gestartet, Burkhard Hintzsche als Sportdezernent hat das Programm Sport im Park, Stephan Keller als Verkehrsdezernent das Radprogramm.

Ach, deshalb stehen in der neuen U-Bahn so oft die Rolltreppen still. Damit die Menschen sich mehr bewegen.

Meyer-Falcke Sie lachen. Es gibt aber tatsächlich eine Studie, die zeigt, dass Menschen, die den Öffentlichen Nahverkehr nutzen, gesünder leben.

Prävention hat oft das Problem, dass vor allem die Menschen sich dafür interessieren, die ohnehin schon Sport machen und sich gesund ernähren.

Meyer-Falcke Da haben Sie absolut Recht. Deshalb sollte man auch nicht nur Kongresse mit einem halben Dutzend Koryphäen veranstalten, sondern möglichst auch die Betroffenen selbst mit einbinden. Auch dazu ein Beispiel: Wir haben im vergangenen Jahr eine Aktion namens Rudern gegen Krebs im Hafen veranstaltet. Da waren 70 Boote, 300 Aktive und 3000 Zuschauer. Die hatten einen Heidenspaß und haben sich ganz nebenbei an den Ständen der Krankenhäuser und Selbsthilfegruppen über Krebs informiert.

Ein weiteres Problem der Versorgung scheint im Nachwuchs zu stecken. Ein Großteil der Medizinstudenten will nur noch angestellt arbeiten und keine eigene Praxis aufmachen.

Meyer-Falcke Das stimmt. Letztlich geht es um Work-Life-Balance. Die finde ich als Gesundheitsdezernent gut, aber sie stellt uns vor eine neue Herausforderung. Und wir haben überwiegend Frauen, die Medizin studieren. Wir müssen schauen, wie wir die heutigen Vorgaben entwickeln, damit Medizinerinnen auch noch arbeiten können, wenn sie schwanger sind, und wie wir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern.

CHRISTIAN HERRENDORF UND UWE-JENS RUHNAU FÜHRTEN DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
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