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Drogenfreie Stadt ist Illusion
Endloser Kampf gegen Dealer

Drogenfreie Stadt ist Illusion: Endloser Kampf gegen Dealer
Großer Fund: Drogenfahnder Ralf Finke präsentierte vor zwei Jahren drei Kilogramm mit Streckmitteln versetztes Kokain. FOTO: RP/Bretz
Düsseldorf. Drogenhändler sind schnell ersetzbar. Wird einer verhaftet, kommen zwei neue. Die Polizei kämpft nicht nur gegen die Verkäufer von Heroin und Kokain. Die Hälfte aller Rauschgiftdelikte wird mit weichen Drogen begangen. Von Stefani Geilhausen

Vorige Woche haben sie sieben Heroindealer festgenommen, im Juni eine Bande Amphetamin-Verkäufer. Für die Fahnder im KK15, dem Rauschgiftdezernat der Polizei, wirken solche Erfolge nicht lange nach. "Für jeden festgenommenen Dealer kommen zwei neue", sagt Rainer Zöllner, der stellvertretende Kommissariatsleiter.

Die Düsseldorfer Polizei kämpft den Kampf gegen die Tod bringenden Suchtgifte auf hohem Niveau. 16 Beamte sind in einem Einsatztrupp Rauschgift täglich an den Brennpunkten unterwegs, 40 weitere arbeiten im Drogendezernat. Die Zusammenarbeit mit der Justiz klappt: In den meisten Fällen wird gegen festgenommene Drogenhändler Haftbefehl erlassen. Doch es bleibt eine "Sisyphos-Arbeit", wie Polizeipräsident Herbert Schenkelberg sagt. "Die Ursache für Drogenkriminalität ist die Sucht - die kann nicht die Polizei bekämpfen." Schwerstabhängige schreckten die Mittel von Polizei und Justiz nicht ab. "Sie tun alles, um ihre Sucht zu befriedigen, die haben keine Angst vor Strafen."

Schenkelberg findet es deshalb gut, dass die Justizministerin einen härteren Kurs gegen den Besitz illegaler Drogen einschlägt. "Es ist wichtig, klare Zeichen vor allem für junge Menschen zu setzen, damit es erst gar nicht zur Sucht kommt."

4000 Schwerstabhängige leben in Düsseldorf, schätzt die Polizei. Um die Sucht nach Heroin oder Kokain zu finanzieren, prostituieren sich viele von ihnen oder begehen Straftaten wie Autoaufbruch, Handtaschenraub und kleine Einbrüche. Acht Menschen sind in diesem Jahr bereits an ihrer Sucht gestorben.

"Keiner von denen hat mit Heroin angefangen", weiß Zöllner aus zahllosen Vernehmungen. Die Drogenkarrieren fast aller Süchtigen haben mit Cannabis oder Marihuana begonnen. Und diese so genannten weichen Drogen bereiten der Polizei auch heute große Sorgen.

"Das Zeug wird unterschätzt. Es ist nicht zu vergleichen mit dem Gras, das früher auf dem Markt war. Damals waren ungefähr sechs Prozent Wirkstoff drin - heute ist der THC-Gehalt mehr als doppelt so hoch." Tetrahydrocannabinol ist der Hauptwirkstoff der Cannabisprodukte. Und immer mehr Jugendliche kommen davon nicht mehr los. "Es gibt Eltern, die halten es für eine harmlose Jugendsünde, wenn ihr Kind Haschisch raucht. Und die meisten Lehrer können weder die Anzeichen erkennen, geschweige denn damit umgehen", so Zöllner. "Das müsste zur Ausbildung von Lehrern dazu gehören. Denn in den Schulen fängt der Drogenmissbrauch meistens an."

Zehn Euro kostet das Gramm Marihuana. Die Händler sind findig: Manche mieten Discotheken oder Lokale an, nur um dort Marihuana an junge Leute zu verkaufen. "Wenn wir solche Läden zumachen, macht der nächste auf", sagt Zöllner. Was viele nicht wissen: Wegen des hohen Wirkstoffgehalts ist schon die Einfuhr von 50 Gramm Marihuana heute nicht bloß ein Vergehen, sondern ein Verbrechen. "Kiffen ist kein Kavaliersdelikt", sagt Zöllner. Und der Polizeipräsident mahnt: "Der Konsum auch von weichen Drogen muss viel mehr geächtet werden."

Bis dahin sind die Fahnder den Dealern dicht auf den Fersen. Von vielen bekannten Treffpunkten sind sie inzwischen vertrieben, auch die Straßenbahnen meiden sie. "Aber wenn wir mal ein paar Tage nicht da waren, sind sie sofort zurück," sagt Zöllner. "Eine drogenfreie Stadt ist eine Illusion."

Quelle: RP
 
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