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Düsseldorf
Erinnerungen an das "Dotzwasser"

Düsseldorf: Erinnerungen an das "Dotzwasser"
Beliebt bei den RP-Lesern: Das Stehcafé Kronenstraße/Ecke Kirchfeldstraße mit den Betreibern Lorenz und Ismet Jasarovsk (r.). FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Mit großer Freude erinnern sich die Leser der Rheinischen Post an die Büdchen ihrer Kindheit, an Zauberkugeln und Himbeerbonbons. Auch heute noch haben sie ihr Lieblingsbüdchen. Von Torsten Thissen

Es ist ja normal, dass man immer wieder von seiner Jugend träumt, und doch wundert man sich, was da tief im Inneren verborgen liegt. Häufig sind es gar nicht die großen Ereignisse, sondern kleine Begegnungen am Rande, die dennoch das Gefühl Jugend und Kindheit wachrufen. Die Jugend und Kindheit von RP-Leserin Marlies Steinfarz etwa schmeckt nach "Dotzwasser". Nach jenem zuckerhaltigen Getränk, das man in Zeiten von Bio und zuckerfrei wohl kaum noch seinen Kindern gäbe. Und ihre Kindheit ist eng verbunden mit der Werstener Dorfstraße.

"Seltsamerweise tritt dieses Büdchen noch heute hin und wieder in meinen Träumen auf", schreibt die Leserin der Rheinischen Post und reagiert damit auf den Aufruf unserer Redaktion, über die Lieblingsbüdchen zu schreiben. "Ich kenne es noch aus der Zeit meiner Kindheit. Wir wohnten damals auf der Werstener Dorfstraße. Die ganze Ecke war ein beliebter Treffpunkt für die Werstener Jugend. Im Büdchen saß "Mariechen" und man konnte dort neben Limonaden ("Dotzwasser" genannt), die abenteuerlichsten Bonbons kaufen."

Frau Steinfarz erinnert sich auch noch an die Eisdiele in Wersten. "Der Inhaber der Eisdiele hieß Karl Kronenberg und war ein nicht sehr großer, wortkarger Mann. Mitte der 40er Jahre konnte man Eis nur bekommen, wenn man neben ein paar Groschen auch weißen Zucker mitbrachte."

Auch Margret Kruhm hat reagiert, und auch sie berichtet von der besonderen Qualität der Bonbons bei "Mariechen". "Es gab Zauberkugeln, die beim Lutschen die Farbe gewechselt haben. Die leckeren Himbeerbonbons, die so lange hielten, waren unsere Lieblingsbonbons, von den Lutschern ganz zu schweigen. Mariechen hatte auch immer ein paar liebe Worte für uns. Nebenan das Zeitungsbüdchen bei dem netten Herrn, der uns immer das "kleine Sternchen" aus dem großen "Stern" schenkte, wo wir mit Begeisterung die Geschichte von "Julius mit dem Gummipferd" gelesen haben. Und nicht zuletzt die Eisdiele Kronenberg, wo es am Sonntag ein Eishörnchen für 10 Pfennig gab."

Birgit Funkes Lieblingsbüdchen liegt an der Kronenstraße, und es hat eine überdachte Terrasse. Betreiber des Büdchens ist Ismet Jasarovski, es besteht seit über 20 Jahren. "Bei Ismet und seinen beiden Söhnen ist jeder herzlich willkommen. Alle Kunden werden gleich zuvorkommend bedient und die Jasorovskis haben sehr viele Stammkunden.

Dass die Büdchen zur Integration beitragen, beweist Uta Wahl: "Als ich im Jahre 1975, in Norddeutschland geboren, nach Düsseldorf zog und an der Ecke Uerdinger Straße/Rotterdamer wohnte, lernte ich das "Büdchen-Wesen" im Rheinland kennen. Das Büdchen lag genau gegenüber an der Seite des Rheins Nähe Theodor-Heuss-Brücke. Besonders wichtig war es für mich, weil die langen Bürozeiten manchmal das Einkaufen nicht ermöglichten. Es trug außerdem zur Kommunikation bei, und gelegentlich gab es auch mal Insider-Tipps, die ich natürlich gerne annahm. Irgendwann war das Büdchen geschlossen. Warum? Keine Ahnung. Das Haus steht dort immer noch, die Läden sind geschlossen und teilweise bemalt bzw. bekritzelt. Schön sieht es an dieser Paradestraße (z.B. läuft dort ja auch jährlich der Marathon-Kurs entlang) nicht aus, wahrscheinlich stört sich niemand sonst daran? Vielleicht wird das Haus auch als Lagerstelle benutzt? Ich vermisse mein Lieblingsbüdchen" schreibt Frau Wahl.

Quelle: RP
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