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Düsseldorf/Kempen
Erneut Paket mit Urne verschwunden

Düsseldorf/Kempen: Erneut Paket mit Urne verschwunden
Durch den Poststreik kamen mehrere Urnen nicht an. FOTO: epd/Cornelia Gierth
Düsseldorf/Kempen. In Düsseldorf ist eine Trauerfeier abgebrochen worden, weil die Urne mit der Asche des Toten nicht da war. Das Paket mit dem Gefäß konnte wegen des Poststreiks nicht zugestellt werden. Angehörige erfuhren davon erst auf dem Friedhof. Von Arne Lieb, Marcel Romahn und Christian Schwerdtfeger

Zu Beginn der Trauerfeier musste Klaus Jonas den Gästen auf dem Stoffeler Friedhof in Düsseldorf eine bestürzende Nachricht überbringen. Mehr als 100 Angehörige, Kollegen, Sportkameraden und Freunde waren zur Beisetzung eines 56-Jährigen angereist, der vier Wochen zuvor bei einem Verkehrsunfall gestorben war. Manche Trauernde waren extra aus München, Berlin, Itzehoe und Koblenz angereist, viele hatten sich einen Tag freigenommen. Die Urne mit der Asche des Toten aber fehlte - sie liegt in einem Paketzentrum von DHL und wurde wegen des Poststreiks nicht rechtzeitig zugestellt. "Das war für alle ein Schock", sagt Jonas, der auf Wunsch der Familie die Traueransprache für den Freund halten sollte.

Der 56-Jährige war am 5. Juni auf der A 61 mit seinem Auto auf einen liegengebliebenen Lkw aufgefahren und tödlich verletzt worden. Er wurde eine Woche später in einem Krematorium in der Eifel, in der Nähe des Unfallortes, eingeäschert. Bereits am 17. Juni, zwei Wochen vor dem Bestattungstermin, sollte das Paket mit der Urne in Düsseldorf eintreffen.

Als aber wenige Tage vor der Trauerfeier immer noch nichts von dem Verbleib der Sendung zu hören war, machten sich die Angehörigen Sorgen. Der Sendungsverfolgung im Internet zufolge lag das Paket im DHL-Frachtzentrum in Krefeld. Die Mitarbeiter dort konnten aber auch auf vielfaches Bitten nicht weiterhelfen. "In dem Zentrum lagern eine halbe Million Pakete", sagt ein DHL-Sprecher. "Bis eine einzelne Sendung zur Zustellung weiterverarbeitet wird, können wir sie nicht finden." Erst dann wird wieder jede Sendung automatisch erfasst. Man bedaure den Vorfall. "Aber das lässt sich bei einem Streik leider nicht verhindern."

Hintergrund: Kleine Geschichte der Deutschen Post FOTO: AP

Der Ärger der Angehörigen und Freunde richtet sich nun vor allem gegen den Bestatter. Der hatte die Urne als normales Paket aufgegeben, obwohl sich der DHL-Streik längst abzeichnete. Eine spezielle Behandlung von Urnen gibt es bei dieser preisgünstigen Form der Zustellung nicht. "Ein solcher Versand einer Urne dürfte nicht erlaubt sein", findet Klaus Jonas. Selbst ein finanzieller Schadenersatz könne die Folgen der nun eingetretenen Verzögerung nicht wieder heilen. "Der Schock, die Trauer und das Entsetzen lassen sich nicht wiedergutmachen."

Einen ähnlichen Fall wie in Düsseldorf gab es zuletzt auch in Kempen. Dort wartete eine Familie wegen des Streiks wochenlang auf die Asche ihres toten Vaters. Der Mann war Anfang Juni gestorben. Seine sterblichen Überreste wurden eingeäschert. Die Urne wurde vom Bestatter per DHL nach Nettetal versand, wo sie aber zunächst nicht ankam. Stattdessen lag das Paket mit der Urne ebenfalls unauffindbar im Paketzentrum Krefeld. Erst in der vergangenen Woche wurde es gefunden. "Wir haben es der Familie am 2. Juli zugestellt", erklärte ein DHL-Sprecher. "Für die Verzögerung und die Unannehmlichkeiten entschuldigen wir uns."

Eigentlich passiert es selten, dass eine Urne auf dem Postweg verschwindet. Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Bestatter funktioniere der Versand durch die DHL in der Regel zuverlässig. Dem Verband zufolge ist das Verschicken von Urnen per Post eine kostengünstige Alternative zur Überführung durch das Bestattungsinstitut. Bestatter berechneten Angehörigen für den Transport der Urne bis zu 1,60 Euro pro gefahrenem Kilometer. Dabei bestünde das Risiko, dass das Gefäß auf dem Postweg verloren gehen könnte, meint Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur. Deshalb würde er persönlich auch nie eine Urne verschicken.

Die Urne hat grundsätzlich keinen Sonderstatus gegenüber anderen Sendungen. "Wir wissen oft nicht einmal, dass es sich bei dem Inhalt des Pakets um eine Urne handelt", sagt ein DHL-Sprecher. Eine besondere Kennzeichnung der Sendung durch die Post gebe es nicht.

Die Urne mit der Asche des Düsseldorfers ist immer noch nicht eingetroffen. Wenn sie endlich da ist, will man sich zu einer neuen Trauerfeier treffen und dem Verstorbenen noch einmal ein würdiges Andenken bereiten. Eigentlich sollte das im kleinsten Kreis geschehen, sagt Klaus Jonas. "Aber inzwischen haben viele angekündigt, dass sie noch einmal kommen werden."

Quelle: RP
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