Zoodirektor Jochen Reiter
"Der Aquazoo ist nach wie vor einmalig"

Aquazoo Düsseldorf: Jochen Reiter spricht über die  Eröffnung 2017
Jochen Reiter vor einem der Halbrundbecken. Dort sind viele Korallen zu sehen. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Am Freitag eröffnet der Aquazoo Düsseldorf wieder. Zoodirektor Jochen Reiter spricht im Interview über die größten Attraktionen, die Sanierung und das Alleinstellungsmerkmal seines Hauses. Von Arne Lieb

Herr Reiter, am 22. September eröffnet das Aquazoo Löbbecke Museum nach fast vier Jahren Sanierungszeit. Was bedeutet das für Sie und Ihr Team?

Jochen Reiter Einerseits herrscht bei uns natürlich in den letzten Tagen vor dem Start eine unglaubliche Geschäftigkeit. Wir wollen, dass bei der Eröffnung alles sitzt. Andererseits verspüren wir eine riesige Vorfreude. Egal, in welcher Ecke der Stadt ich bin - ich habe das Gefühl, dass ganz Düsseldorf sich freut. Ich hoffe, dass der Aquazoo jetzt wieder rund 500.000 Besucher pro Jahr anzieht und damit wieder das beliebteste Kulturhaus von Düsseldorf wird.

Was sind die größten Attraktionen, auf die sich Besucher freuen können?

Reiter Dazu gehört sicher das Aquarium mit den Haien. Es heißt jetzt Anton-Lendle-Riff und sieht völlig anders aus als früher. Denn es gibt jetzt ein Kunstfelsenriff, das Becken wirkt also ganz natürlich. Außerdem vergesellschaften wir dort viel mehr Tierarten. Dazu gehören die Oman-Kuhnasenrochen, die es sonst in keinem Zoo in Deutschland gibt. Und in den Höhlen in den Kunstfelsen leben Muränen. Zu den beliebtesten Arten gehören sicher auch die Brillenpinguine, weil sie viele Emotionen auslösen. Sie leben in dem Gehege, in dem früher die Robben waren. Die halten wir als verantwortungsvolle Tiergärtner nicht mehr, weil die Anlage dafür zu klein ist.

Wiedereröffnung des Düsseldorfer Aquazoos 2017

Warum war dieser große Umbau nötig?

Reiter Der Aquazoo ist 1987 eröffnet worden. Zuletzt hatten wir viele Mängel, von undichten Becken und Leitungen bis zu Schimmel. Natürlich sehen die Besucher den größten Teil der neuen Technik nicht, aber sie war unbedingt für den Betrieb nötig. Wir haben auch eine komplett neue Ausstellung erarbeitet. Ich bin froh, dass der Freundeskreis sie mit einer Spende in Höhe von 1,8 Millionen Euro ermöglicht hat. Dazu kommt eine viel modernere Gestaltung des Rundgangs mit einer genau abgestimmten Beleuchtung und interaktiven Lernstationen.

Es gibt viele Zoos in der Region. Wo liegt das Alleinstellungsmerkmal des Aquazoos?

Reiter Ganz sicher im Doppelcharakter. Wir sind ein Zoo, aber zugleich auch ein Naturkundemuseum. Diese Kombination ist nach wie vor einmalig. Das ist eine kongeniale Verzahnung, die uns hilft, die Entwicklung der Evolution anschaulich darzustellen.

So sieht der Aquazoo nach dem Umbau 2017 aus FOTO: Bretz, Andreas

Braucht man ein solches Institut wie den Aquazoo heute überhaupt noch?

Reiter Ja, und ich denke, sogar mehr als früher. Ich habe wirklich schon erlebt, dass Kinder geglaubt haben, dass die Milch aus der Tüte kommt. Die Städter entfernen sich immer mehr von der Natur. Ich finde es wichtig, dass Eltern ihren Kindern dabei helfen, ihr Wissen zu erweitern. Gerade mit Blick auf das dramatische Artensterben ist das wichtig. Wir wollen nicht ständig den Zeigefinger heben, aber sensibilisieren. Wir zeigen ja auch bedrohte Tierarten wie den Baumhöhlenkrötenlaubfrosch, den Smaragdwaran oder die Strahlenschildkröte. Der Naturschutz ist überhaupt eine wichtige Aufgabe: Es ist wichtig, in Zoos bedrohte Tierarten zu züchten, um eine Reservepopulation bereitzuhalten und das Aussterben zu verhindern. Wir führen zum Beispiel das europäische Zuchtbuch für die Gundis.

Sie sind seit Februar 2016 der Zoodirektor. Wie war es für Sie, so lange ohne Zoo zu sein?

Reiter Mir war ja klar, dass ich auf eine Baustelle komme. Ich hätte aber sicher nicht gedacht, dass es so verzwickt wird. Ich habe natürlich sehr viel Zeit mit Baubesprechungen verbracht. Es lief ja leider nicht alles so, wie man sich das gewünscht hatte. Ich bin dem Team sehr dankbar, das mit viel Ehrgeiz an der Wiedereröffnung gearbeitet hat.

XXX Das sind die Tiere im neuen Aquazoo FOTO: Andreas Bretz

Haben Sie eigentlich selbst jemals ein Aquarium besessen?

Reiter Nein, noch nie. Ich muss aber sagen: Ich habe in den letzten 14 Jahren mit Giraffen erfolgreich gearbeitet und hatte auch noch nie eine im Garten stehen.

Eine Giraffe? Und nun leiten Sie einen Wasserzoo?

Reiter Ich bin Generalist, was Tiere angeht - und immer wieder kindlich neugierig und jederzeit bereit, dazuzulernen. Ich habe mein Diplom über Geparden gemacht und den Doktor über Flughunde.

Haben Sie überhaupt ein Haustier?

Reiter Nein. Meine Frau ist Tierärztin, die Verantwortung für ein Haustier nehmen wir sehr ernst, das muss zeitlich passen. Wobei unsere sechsjährigen Zwillinge sich schon einen Hund wünschen. Es könnte also irgendwann so weit sein.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Aquazoo Düsseldorf: Jochen Reiter spricht über die Eröffnung 2017


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.