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Düsseldorf
Erwins Schwiegervater hilft in Berlin

Düsseldorf: Erwins Schwiegervater hilft in Berlin
Willi Schüßler vor der Schule am Rather Kreuzweg, die ihn zu ihrem Namenspatron wählte. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Willi Schüßler gründete 1958 das Unternehmen Schüßler-Plan. Dieses war am Rheinufertunnel ebenso beteiligt wie an den Düsseldorf Arcaden, der Flughafenbrücke und der Arena. Von Hans Onkelbach

Der Herbst 1999 brachte - politisch gesehen - einige Überraschungen. Nicht nur im Revier fielen eine Reihe von stets roten Rathäusern an die CDU, auch in Düsseldorf kam ein Mann an die Macht, den vorher kaum einer kannte: Joachim Erwin. Was ebenfalls nur wenige wussten: Erwin war der Schwiegersohn eines schon damals sehr erfolgreichen Unternehmens in der Baubranche, Willi Schüßler. Der hatte 1958, am Küchentisch seiner bescheidenen Wohnung in Rath, ein Unternehmen gegründet, das in den Jahrzehnten danach Bau-Geschichte schrieb, weil es in Düsseldorf, Deutschland und anderen Ländern spektakuläre Bauprojekte managte.

Schüßler Plan hieß die Firma - weil sie plante, was andere entworfen hatten, Kosten und Materialien kontrollierte, auf Statik und Bauprozesse achtete. Willi Schüßler, seinerzeit unumstrittener Patriarch des Unternehmens, erklärte es einem Laien einmal so: "Wir sorgen dafür, dass nichts einfällt, was den Architekten so einfällt!" Das taten er und seine Leute mit großem Erfolg, und das traut man ihnen jetzt auch beim Pannenflughafen Berlin BER zu, den sie nun bis zur Fertigstellung betreuen sollen.

In Düsseldorf kennt und nutzt jeder irgendein Projekt, das Schüßler vom Entwurf bis zur Eröffnung begleitete: Rheinufertunnel, Düsseldorf Arcaden, Flughafenbrücke, Arena - die Ingenieure Schüßlers waren stets dabei.

Und ab dem Amtsantritt Erwins auch das Gerede: Hier der Oberbürgermeister mit einer hohen Affinität zu allem, was man aus Beton und Stahl städtebaulich prägend angehen konnte, dort der sehr präsente Firmen-Boss mit schlohweißem Haar, der solche Projekte managte. Das musste doch Klüngel sein, da wurde geschoben und geschmiert, vermuteten einige - weil es scheinbar naheliegend war.

Tatsächlich jedoch hatten, lange bevor Erwin Einfluss bekam, mehrere SPD-Rathaus-Chefs am Ende Schüßler den Zuschlag gegeben. "Er ist halt immer der Beste gewesen" hieß es. Außerdem machte (und macht) Schüßler den größten Teil seines Umsatzes außerhalb von Düsseldorf und im Ausland.

Auch in Köln: Den Nachbarn half man beim Bau der U-Bahn! Bezeichnenderweise war Schüßler aber für die Skandalabschnitte, in denen das Stadtarchiv einstürzte und ein Kirchsturm fast umkippte, nicht zuständig. (Was man in der Firmenzentrale seinerzeit mit großer Erleichterung registrierte!)

Überraschend lahm pickten manche Oppositionspolitiker die angebliche Verquickung auf - aber zu echten Erkenntnissen, politisch oder gar juristisch verwertbar, kam es nicht. Scharen von Journalisten, unter anderem vom Spiegel, versuchten, Anrüchiges zu finden. Gelungen ist es ihnen nicht. Dennoch blieb das Geschmäckle.

Dass die Verbindung der Firma zur Politik eine enge war, war unbestritten. Nie dementiert wurde die Nachricht, Schüßler habe den Wahlkampf Erwins 1999 (den der sehr amerikanisch führte), finanziell unterstützt. Und Erwin, eh von keinerlei Selbstzweifeln geplagt, hatte kein Problem damit, in kleiner Runde vor potenziellen Investoren kundzutun, dass eine Beteiligung Schüßlers an großen Vorhaben in Düsseldorf kein Nachteil sein werde. War es auch nicht, und dass der Schwiegersohn an der Spitze des Rathauses dem Unternehmen geschadet haben könnte, glaubt ebenfalls keiner. Den Senior jedoch erboste die Unterstellung der Vetternwirtschaft - vor allem, weil er längst jenseits jener Zeiten war, in denen er so was nötig gehabt hätte. Zu Dank verpflichtet fühlte sich Schüßler nur seinem Glauben und der Gottesmutter Maria, der er in seinem Geburtsort Winkels 2008 eine Kapelle bauen ließ,

Inzwischen Mitte 80, schied er vor Jahren aus der Firma, übergab Sohn Norbert die Geschäfte. Schüßler jun. hatte ebenfalls einen engen Draht zum Rathaus: Dirk Elbers, Nachfolger des 2008 verstorbenen Joachim Erwin, galt als Freund des heutigen Schüßler-Chefs.

Quelle: RP
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