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Kolumne Mein Düsseldorf
Es ist der Mops und nicht die Dogge

Kolumne Mein Düsseldorf: Es ist der Mops und nicht die Dogge
Der Mops macht komische Geräusche, aber das schmälert seine Popularität in der Landeshauptstadt keinesfalls. FOTO: dpa
Düsseldorf. Kein Hund ist in der Stadt so angesagt wie der Mops. Das kleine Tier hat sich in die Herzen der Rheinländer gekeucht. Da können selbst die französische Bulldogge und der Chihuahua nicht mithalten. Von Hans Onkelbach

Jeder kennt den Begriff Modehund. Der hat nichts mit Klamotten zu tun, sondern meist mit Filmen oder TV-Serien. Als damals Lassie schwarz-weiß über den Bildschirm wuselte, war der Collie angesagt. Nach dem Kino-Kracher "101 Dalmatiner" wollten viele Menschen diese eleganten, schwarz gefleckten Vierbeiner, unzählige amerikanische Serien ließen die Deutschen den Golden Retriever knuddelig finden, und eine Werbung für Dosenfutter katapultierte die Nachfrage nach weißen Westhighland-Terrier nach oben. Solche Trends kommen und gehen, den seriösen Züchtern sind sie ein Gräuel, weil die Tiere nie dem Bild entsprechen, das Film und Fernsehen von ihnen präsentieren.

Düsseldorf, die Stadt mit rund 25.000 Hunden, ist ein gutes Pflaster, um solche Moden zu beobachten. Und? Welcher Hund passt zu dieser Stadt und erfüllt die Vorurteile wie ein Porsche Cayenne an der Kö oder das Mini Cabrio in Flingern? Trendsetter - schönes Wort zu diesem Thema! - sind heutzutage jedenfalls nicht mehr nur TV und Kino, sondern Modeschöpfer, Fotos von Stars in der Fachpresse der Reichen und Schönen, It-Girls und Rockmusiker. Sie und ihre Vorlieben der tierischen Art bestimmen, was am unteren Ende der Leine läuft, und daher auch, wieso in Düsseldorf bestimmte Rassen jetzt häufiger das Bein heben oder herumschnüffeln.

Ganz vorne: der Mops. Dieser angeblich sehr kluge Hund, mit sehr kurzer Nase, vorn wie hinten komische Geräusche verursachend, scheint sich in die Herzen der rheinischen Großstädter gekeucht zu haben. Ob es an Loriot lag, der bekanntlich ein Leben ohne Möpse möglich, aber sinnlos fand - wir wissen es nicht. Immerhin ist Herr von Bülow seit einigen Jahren tot. Aber sein Mops lebt!

Optisch in dessen Nähe ist der ebenfalls sehr modische Düsseldorf-Hund Nr. 2: die französische Bulldogge. Kurze Beine, gedrungener Rumpf, im Vergleich dazu riesiger Kopf mit zwei spitzen, großen, aufrecht stehenden Ohren - ein gewöhnungsbedürftiges Design, aber kö-tauglich, weil die Lieblingsfarben - Anthrazit und Taube - praktischerweise zu jedem anderen Ton passen, den Frauchen auswählen könnte.

Nummer 3 auf der Rangliste ist der Chihuahua - gern in Schwarz-Braun und klein genug für jede Swarowski-Clutch. Apropos -wski: Das Vorurteil, vor allem Russinnen gerieten bei diesem Winzling in Schwärmen, ist keins - sondern Realität. Laufen müssen die Zwerge nie, man trägt sie - auf oder unter dem Arm. Was diese Hündchen mit einem stets ängstlich-staunenden Blick aus dieser für sie ungewohnten Perspektive auf die Welt blicken lässt.

Was danach folgt, dürfte viele verblüffen - es ist der Dackel. Lange Zeit galt er als Inbegriff deutschen Spießertums, nur noch getoppt von der umhäkelten Klopapierrolle auf der Hutablage oder Gartenzwergen im Vorgarten. Nun jedoch scheint er es in jene Kreise geschafft zu haben, die wissen, dass Bello auf Italienisch "schön" (männlich) bedeutet, für ihre Babys einen Boogaboo kaufen und - wegen der Umwelt - Tesla fahren oder zumindest einen Hybrid-SUV. Der Dackel, eigentlich ein Jagdhund, und als Querschädel selbst bei passionierten Hundeflüstern gefürchtet, scheint zum grünen Gewissen zu passen - man lebt zwar gern in der Großstadt und kennt sämtliche angesagten Italiener beim Vornamen, aber über den Dackel dokumentiert man seine Nähe zur Natur. Motto: wenn ich wollte, dann könnte ich ja (mit ihm) in den Wald gehen. Beliebt sind saufarbene Rauhaardackel (der Name leitet sich von der Färbung der Wildschweine ab), neuerdings sieht man sogar wieder häufiger schwarze Kurzhaardackel. Die sind allerdings nur so lange elegant, wie man es schafft, sie nicht den Verlockungen der hiesigen Küche auszusetzen. Gelingt dies nicht, mutieren sie bald zu langohrigen Hängebauchschweinchen.

Fazit: Im Gegensatz zum wuchtigen SUV hat es der Düsseldorfer beim Hund gerne handlich. Dogge geht offenbar gar nicht, Kampfhunde wurden von ihren chronisch klammen Haltern wegen der drakonischen Strafsteuer (die armen Tiere!) ins Tierheim verklappt, Schäferhunde sehen wir so gut wie nie - und allenfalls der wuchtig-schicke Rhodesian Ridgeback wird als stilgerecht-kompatibel zum cool designten Heim empfunden. Aber nur, wenn die Rheinwiesen nicht zu weit weg sind.

Quelle: RP
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