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Düsseldorf
Es lebe die Büdchenkultur

Düsseldorf: Es lebe die Büdchenkultur
Am Büdchen von Bedri Ponik an der Bachstraße gab es am Samstag einen Skateboard-Wettbewerb. FOTO: Endermann Andreas
Düsseldorf. Die Düsseldorfer feierten am Samstag gemeinsam mit Künstlern und Kreativen ihre Kioske. Von Beate Werthschulte

Die "Initiative Düsseldorfer Büdchentag" rund um den DJ Christian Düchtel möchte die Aufmerksamkeit der Düsseldorfer auf die rund 650 Büdchen in der Stadt richten. So entstand die Idee zum ersten Düsseldorfer Büdchentag. Am Samstag fanden bei rund 20 teilnehmenden Büdchen kulturelle Aktionen statt, das Spektrum reichte von Musik über Poetry Slam und Lesungen bis hin zum Kinderprogramm. Da durfte natürlich auch die "Gesunde Bude" nicht fehlen, neben "Fabi's Trinkhalle" am Schillerplatz gab es dort von Dezernent Andreas Meyer-Falcke Informationen rund um das Thema Gesundheit.

Für Büdchenkultur wie man sie sich vorstellt, steht Oleg Newidimenko, dabei hat er das Lieblingsbüdchen in der Frankenstraße erst im Dezember vergangenen Jahres übernommen. Der gelernte Metallbauer und Rettungssanitäter wollte "mal was Neues machen", inzwischen ist das Büdchen sein zweites Zuhause geworden. Er konnte viele Stammkunden gewinnen, manche kommen fast täglich. Einer von ihnen ist Geoffrey Bladier. Der gebürtige Franzose wohnt in der Nachbarschaft und kommt auf seinem Weg zur Arbeit jeden Morgen am Lieblingsbüdchen vorbei. "Bei Oleg gibt es hervorragende Croissants, sie sind besser als in so mancher Bäckerei", sagt er, als Franzose könne er das schließlich beurteilen. Abends ist das Büdchen oft Treffpunkt für die Nachbarn, man genießt das Feierabendbier und tauscht Neuigkeiten aus. Außerdem, so Bladier, habe Oleg immer ein offenes Ohr für die Wünsche seiner Kunden, sogar die Pakete nehme er für sie an, wenn sie nicht zu Hause seien. Das bestätigen auch Irene Büsch und Andrea Prust. Die Freundinnen warten schon gespannt auf die Musik, denn Oleg hat eine so genannte "Open Mic Stage" aufgebaut, eine kleine Bühne mit verschiedenen Instrumenten, die jeder, der Lust hat, nutzen kann, um ein Lied zu singen oder zu spielen. Die Frauen wohnen "um die Ecke" und treffen sich hier regelmäßig. "Es gibt immer eiskaltes Bier, man trifft nette Leute, und die Preise sind günstig", sagen beide übereinstimmend. Auch Günter Witschold lobt die Biertemperatur, er ist gemeinsam mit einigen Arbeitskollegen zum Frankenplatz gekommen. Die Männer treffen sich normalerweise am Fortunabüdchen und nutzen den Tag, um "endlich mal andere Büdchen in Düsseldorf kennenzulernen".

Das sind Düsseldorfs Büdchen FOTO: Laura Ihme

Für Evangelos Vrakas kommt der Büdchentag eigentlich einen Tag zu spät. "Mir gehört das Büdchen schon seit 29 Jahren, am Freitag war Jahrestag", erzählt der Besitzer der Trinkhalle Vrakas an der Ecke von Deger- und Ackerstraße in Flingern schmunzelnd. Richtig gefeiert wird aber ohnehin erst im nächsten Jahr. Zwar möchte Vrakas sich am liebsten bald zur Ruhe setzen, aber natürlich keinesfalls vor dem 30-jährigen Bestehen. Obwohl er seine Öffnungszeiten in den vergangenen Jahren reduziert hat - beispielsweise macht er mittags zwei Stunden Pause - kommen seine Stammkunden nach wie vor regelmäßig, unter ihnen viele junge Leute. Zu denen gehört auch Sven Linnert, er wohnt in der Nachbarschaft, kauft mindestens zwei bis drei Mal in der Woche bei Vrakas seine Getränke und mag die Büdchenkultur. Gemeinsam mit Sebastian Kalitzki sammelt er unter dem Namen "Konsolenkinder" Videospiele und Konsolen aus den vergangenen 40 Jahren und veranstaltet Partys zum gemeinsamen Spielen. Weil Büdchen für ihn "Orte der Begegnung" sind, lag es nahe, die Konsolen für einen Tag in Vrakas Trinkhalle zu holen. Wer in seiner Kindheit gern gespielt hat, nutzt diese Gelegenheit, so auch Anja Stenbock, die deshalb mit ihrem Mann "aus nostalgischen Gründen" extra aus Grafenberg gekommen ist.

Gelebte Büdchenkultur findet man auch bei Bedri Ponik, dem Besitzer der Trinkhalle an der Bachstraße 44a. Seit fast fünf Jahren ist das Büdchen sein "erstes Zuhause", hier verbringt er den größten Teil seiner Zeit. Inzwischen kann er sich über jede Menge Stammkunden freuen und zum Büdchentag sind sie natürlich alle gekommen. Sie sitzen auf dem Platz vor dem Büdchen, den sie "ihre Terrasse" nennen, hören Musik von DJ Supatrack und genießen die Sonne. Jochen Frössler, seine Freundin Ina Kuswik sowie die Nachbarinnen Susanne Meyer und Barbara Dreßler sind jeden Tag nach Feierabend da, zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter. "Das Büdchen ist unser Ort der Begegnung", erklärt Kuswik. Außerdem gebe es, ergänzt Meyer, inzwischen richtig guten Kaffee. Ponik hat nämlich kürzlich eine Siebfiltermaschine angeschafft, und das hat sich gelohnt. "Wer vorher nur schnell Zigaretten gekauft hat, trinkt jetzt gern noch einen Kaffee bei mir", sagt er.

Deshalb lieben die Düsseldorfer ihre Büdchen
Quelle: RP
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