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Prozess in Düsseldorf
Ex-IDR-Chef Pröpper sieht sich als Bauernopfer

Prozess in Düsseldorf: Ex-IDR-Chef Pröpper sieht sich als Bauernopfer
Der ehemalige IDR-Chef Heinrich Pröpper am Dienstag vor Gericht, flankiert von seinen Verteidigern. FOTO: Kannegießer
Düsseldorf. Der ehemalige Chef der Stadttochter IDR steht wegen des Vorwurfs der Veruntreuung von 70.000 Euro vor dem Amtsgericht. Heinrich Pröpper spricht von parteipolitischem Klüngel, der zu seiner Zeit geherrscht habe. Von Wulf Kannegiesser und Denisa Richters

Eine "Hexenjagd" und ein "Schema, mit dem man mich belasten wollte", beklagte Ex-IDR-Chef Heinrich Pröpper Dienstag vor dem Amtsgericht. Der angeklagte Ex-Vorstandschef der Stadttochter Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz (IDR), hier der Untreue von 70.000 Euro verdächtigt, sieht sich als Bauernopfer eines "übergreifenden parteipolitischen Klüngels", in den die Ex-CDU-Oberbürgermeister Joachim Erwin und Dirk Elbers verstrickt gewesen seien. Konkret geht es darum, dass Pröpper als IDR-Chef Anfang 2007 Rechnungen des damaligen CDU-Ratsherrn Harald Wachter zur Zahlung freigegeben habe, obwohl Wachter als Berater für die IDR keine Gegenleistungen mehr erbracht habe. Bis auf eine Projektsitzung, die 900 Euro wert gewesen sei. Dagegen verwahrte sich Pröpper.

Ein ziemlich großer Aufwand für den geringen Ertrag: So wirkt das, was hier nach jahrelangen Ermittlungen vom so genannten IDR-Skandal noch übrig ist. Zur allgemeinen Stimmungspflege zugunsten der IDR hatte Pröpper einst veranlasst, dass in 76 Fällen Mitarbeiter der Stadt, zwei Leute in der Staatskanzlei, der damalige OB Elbers und fünf städtische Beigeordnete als Geburtstags- oder Weihnachtspräsente kistenweise Wein oder Champagner bekamen. Die Verfahren gegen die Empfänger sind schon längst eingestellt, teils gegen fünfstellige Geldauflagen. Ex-OB Elbers hatte 10.000 Euro gezahlt, um gegen ihn gerichtete Ermittlungen zu beenden. Das Landgericht hat diese Fälle jedoch nicht als Straftaten gewertet, die Eröffnung eines Verfahrens gegen Pröpper sogar abgelehnt. Übrig ist nur ein einziger Vorwurf: dass Pröpper den damaligen CDU-Ratsherrn Wachter durch zu Unrecht gezahlte Beraterhonorare noch 2007 auf IDR-Kosten ohne echte Gegenleistung durchgeschleift habe.

"Das war weit vor meiner Zeit", betont Elbers auf Anfrage unserer Redaktion. Als Aufsichtsrat der IDR habe er von Verträgen mit Freiberuflern nicht erfahren. Als er 2008 OB geworden sei, sei Pröpper wegen Wachter auf ihn zugekommen und habe mitgeteilt, dass der einen Vertrag habe, ohne dafür etwas zu tun. Elbers: "Da habe ich gesagt: ,Sofort beenden!'"

Wachter ist nach Bekanntwerden von Details im April 2014 von seinen politischen Ämtern zurückgetreten. Doch Pröpper auf der Anklagebank verbittet sich jeden Vorwurf der Untreue. Er habe sich mit Wachter ja nur auf politischen Druck hin befasst. Nach dessen Ausscheiden bei RWE sei Pröpper gedrängt worden, Wachter bei der IDR unterzubringen. Auf Vorschlag des 2008 verstorbenen OB Erwin habe man sich geeinigt, Wachter als IDR-Berater unter Vertrag zu nehmen. "Aber ich habe ihn nicht betreut", die Umsetzung habe sein damaliger IDR-Prokurist K. übernommen.

Pröpper, der sich als "kaufmännisch nicht ausgebildeter Vollbluttechniker" sieht, gab aber zu, dass er 2007 mehrere Wachter-Rechnungen (gestellt über eine Fremdfirma) abgezeichnet, damit erst freigegeben hatte. Er beteuert aber, die Rechnungen nicht geprüft, sich "blind" auf die Prüfungen durch seine Mitarbeiter verlassen zu haben. Dass er sie mit seinem Kürzel allerdings erst freigab, "war mir damals nicht so bewusst". Stattdessen sehe er sich und den Prokuristen K. jetzt "als Opfer der Betrugsabsichten des Herrn Wachter". Doch auch dessen Strafverfahren wurde gegen Geldauflage eingestellt, nur überzeugend wirkte der Ex-Ratsherr im Zeugenstand nicht. Eher drucksend reagierte er auf Fragen, konnte nicht mal bündig erklären, warum er die umstrittenen Beraterhonorare nicht auf eigenen Namen, sondern über eine Fremdfirma abgerechnet hatte. Der Prozess wird mit Anhörung weiterer Zeugen fortgesetzt.

Quelle: RP
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