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Experten diskutieren über Arbeit im Wandel

Experten diskutieren über Arbeit im Wandel
NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) (3.v.r.) zwischen BWL-Professor Stefan Süß (l.) und Kienbaum-Geschäftsführer Walter Jochmann. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Bei einer Podiumsdiskussion an der Heinrich-Heine-Uni unter Leitung des BWL-Professors Stefan Süß sprachen Experten gestern über Arbeits- und Beschäftigungsformen im Wandel – über Projekttätigkeiten, Leiharbeit, Freelancer und Mini-Jobs.

Eine sichere Festanstellung direkt nach der Ausbildung, der gleiche Arbeitgeber ein Leben lang, das Ganze in Vollzeit: Solche Arbeitsverhältnisse gibt es kaum noch. Die Zahl so genannter Normalbeschäftigter sinke immer weiter, sagte Stephan Kaiser, Professor für Personalmanagement und Organisation an der Bundeswehr-Hochschule München. Bei einer Podiumsdiskussion an der Heinrich-Heine-Uni unter Leitung des BWL-Professors Stefan Süß sprachen Experten gestern über Arbeits- und Beschäftigungsformen im Wandel – über Projekttätigkeiten, Leiharbeit, Freelancer und Mini-Jobs.

"In einer globalisierten Welt wie unserer wird von den Arbeitnehmern natürlich Flexibilität gefordert", sagte NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD). Aber die Menschen hätten auch den berechtigten Wunsch nach sozialer Sicherheit: "Und die beginnt mit einem sicheren Arbeitsverhältnis." Schneider nannte als wichtige Themenfelder auch die Leiharbeit, die befristeten Arbeitsverträge, die Praktika und die Mini-Jobs, "Es gibt politisch viel zu tun, um alle neuen Beschäftigungsformen mit einem Minimum an Sozialstaatlichkeit zusammenzubringen."

Unterstützt wurde der Minister von der stellvertretenden Verdi-Bundesvorsitzenden Andrea Kocsis, die von einer zunehmenden "Entsicherung der Arbeit" sprach. Sie betonte, Flexibilität könne für Arbeitnehmer zwar auch viele Vorteile haben. Häufig gehe sie aber, etwa in der Leiharbeit, auch mit geringerer Wertschätzung und niedrigerer Bezahlung einher. Dagegen sagte Marcel Pelzer vom Personaldienstleister Manpower-Group, die Leiharbeit habe einen klaren Wandel vollzogen. Viele der so Beschäftigten hätten ein unbefristetes Arbeitsverhältnis. Zudem würden viele Mitarbeiter weiter qualifiziert und "für den Arbeitsmarkt fit gemacht".

Der frühere Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger wies darauf hin, dass gerade in "wissensintensiven Branchen" viele Mitarbeiter zunehmende Flexibilität von sich aus forderten. "Das sind junge Menschen, die nicht gerne in normierten, standardisierten Arbeitsverhältnissen sein möchten." Unter ihnen gebe es etwa solche Mitarbeiter, die am liebsten erst mittags beginnen, dann aber bis in die Nacht arbeiten wollten.

Dass bestimmte Aspekte der Arbeitsorganisation Menschen krank machen können, betonte der Medizinsoziologe Johannes Siegrist. Flexibilisierung könne förderlich, aber auch schädlich sein. Auch bei hoch qualifizierten Mitarbeitern gebe es das Phänomen, dass sie durch eine hohe Autonomie bei der Arbeit eben auch keine klaren Grenzen hätten. Mancher manövriere sich auf diese Weise in die Erschöpfung.

Quelle: RP
 
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