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Düsseldorf
Fahrradfahren gegen Parkinson

Düsseldorf. Vor einigen Monaten sorgte eine Erkenntnis Düsseldorfer Wissenschaftler international für Aufsehen. Sie publizierten in einer renommierten amerikanischen Fachzeitschrift, dass Fahrradfahren die Nervenzellen von Parkinson-Patienten wieder in Takt bringt. Der Neurologe Alfons Schnitzler, Leiter des Zentrums für Bewegungsstörungen und Neuromodulation am Uniklinikum, hatte mit seinem Team nachgewiesen, dass selbst Patienten, die beim Gehen erheblich beeinträchtigt sind, problemlos radeln können. Wie ist das möglich?

Dieses Phänomen tritt bei fortgeschrittenem Parkinson immer wieder auf: Plötzlich kann ein Patient keinen Schritt mehr laufen, trippelt auf der Stelle. Der Gang wirkt wie eingefroren. "Die genaue Ursache ist weitgehend unbekannt, und die Behandlung oft schwierig", so Schnitzler. Seit Jahren gehört seine Abteilung zu den hoch spezialisierten Zentren in Deutschland, in denen Patienten mit fortgeschrittenem Parkinson Hirnschrittmacher transplantiert werden, "die die Erkrankung nicht heilen, die Symptome aber deutlich mildern können".

Bei diesen Patienten lässt sich während der Operation die Aktivität direkt in den betroffenen tiefen Hirnschichten messen. Dabei haben die Wissenschaftler, die mit den Universitäten Konstanz und Aarhus (Dänemark) kooperieren, nachgewiesen: Bei Parkinson ist eine bestimmte Hirnregion verändert, sie sendet offenbar Störsignale aus, die zu den drastischen Bewegungseinschränkungen führen. "Doch beim Fahrradfahren werden diese Störsignale unterdrückt", so Schnitzler.

Für die Neurologen eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten in der Therapie. Sie wollen nun Methoden entwickeln, um über Hirnschrittmacher die krankhaften Störsignale zu unterdrücken - und ihre Patienten wieder in Gang zu bringen. "Das Fahrradfahren aber spielt bei unserer künftigen Therapie mit Sicherheit eine zentrale Rolle."

(ur)
 
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