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Kolumne Auf Ein Wort
Falsche Richtung

Düsseldorf. Pfarrer Peter Andersen über Europa und die Ökumene

Wir leben in einer Zeit, in der mehr und mehr Menschen sich auf das vermeintlich "Eigene" zurückziehen wollen. Das geschieht auf unterschiedlichen Ebenen: Da wird in Großbritannien ein Referendum abgehalten - mit dem Ergebnis, dass eine Mehrheit für den "Brexit" stimmt. Ein Ausstieg, in den sich Töne untermischen, die in den letzten Jahren auch in vielen anderen Ländern Europas zu hören sind. Töne der Abgrenzung gegenüber denen, die nach Ansicht der Befürworter nicht zum eigenen Land gehören.

Nicht von ungefähr wurde der Brexit speziell von denen bejubelt, die bei uns in Deutschland, in Frankreich oder anderswo eine fremdenfeindliche Politik verfolgen. Insgesamt versucht sich eine Atmosphäre zu verbreiten, in der die Idee eines vereinten Europa mehr und mehr unter Druck gerät. Und erst Recht droht bei all dem die Einheit der Menschheit in eine weite Ferne zu rücken. Dabei ist die Vision der Einheit - die Einheit der Unterschiedlichen - ein durch und durch biblischer Gedanke. Nicht nur, dass die biblischen Schriften direkt zu Beginn betonen, dass wir es mit dem Schöpfer der gesamten Welt zu tun haben. Dass also Gott der Gott aller Menschen ist.

Gerade auch der Traum, dass alle Völker miteinander Frieden schließen, zieht sich wie ein roter Faden durch die Schriften. Entsprechend ist es auch der Grundgedanke der Ökumene, dass alle Christenmenschen - ganz gleich welcher Konfession - miteinander verbunden sind.

Die Kirchen der vergangenen Jahrhunderte haben das lange vergessen und sind den nationalen Ideen ihrer jeweiligen Staaten oft mit wehenden Fahnen auf den Leim gegangen. Erst die Katastrophen der beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert haben die meisten Kirchen wieder zur Besinnung gebracht und das Projekt der Ökumene in Bewegung gesetzt. So ist es nicht nur eine geistliche, sondern auch eine politische Verantwortung, von dem Gedanken der Einheit sowohl der Kirchen als auch der Menschen keinen Millimeter abzulassen.

Uns Christenmenschen verweist Gott auf das Ganze, den ganzen bewohnten Erdball. Als Christenmenschen sind wir Weltbürger und -bürgerinnen. So kann es uns nicht um einen Ausstieg, sondern allein um Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung gehen.

PFARRER PETER ANDERSEN EVANGELISCHE MATTHÄI-KIRCHENGEMEINDE DÜSSELDORF

Quelle: RP
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