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Mann springt aus Fenster
Familienstreit war Ursache für Tragödie in Oberbilk

Polizei-Großeinsatz an Kölner Straße in Düsseldorf
Polizei-Großeinsatz an Kölner Straße in Düsseldorf FOTO: Patrick Schüller
Düsseldorf. Langsam werden die Umstände des Dramas klarer, dass sich am Mittwoch in Düsseldorf abgespielt hat. Demnach soll es schon vorher Auseinandersetzungen in der Familie gegeben haben. Offenbar eskalierte schließlich die Situation. Von Stefani Geilhausen

Um 5.23 Uhr ging der Notruf bei der Feuerwehr ein. Eine aufgelöste Seniorin bittet: "Mein Sohn hat meinen Freund verletzt, kommen Sie schnell." Noch bevor Rettungsdienst und Notarzt an der angegebenen Adresse an der Kölner Straße eintreffen, geht um 5.27 Uhr der zweite Notruf von dort ein. Passanten melden: "Hier liegt ein blutüberströmter Mann auf dem Gehweg."

Elf Minuten nach dem ersten Alarm bestätigen die Feuerwehrleute diese Meldung auch bei der Polizei. Dass der leblose Mann vor dem Haus nicht derselbe ist, von dem die erste Anruferin gesprochen hatte, wissen die Retter noch nicht. Und so erfährt die verzweifelte Seniorin, die im fünften Stock bei ihrem schwer verletzten Lebensgefährten auf Hilfe wartet, dass sich ihr Sohn aus dem Fenster gestürzt hat.

Bei der Kripo wird umgehend eine Mordkommission eingerichtet, die auch die unter Schock stehende 83-Jährige befragt. Von ihr und von Nachbarn aus dem Mehrfamilienhaus unweit des Oberbilker Markts erfahren die Beamten, dass es in den vergangenen Monaten immer wieder Auseinandersetzungen in der Familie gegeben hatte. Polizeieinsätze, etwa wegen häuslicher Gewalt, hatte es jedoch nie gegeben. Allerdings war der Tote aufgrund seiner psychischen Erkrankung der Polizei schon einige Male aufgefallen. Nach Informationen unserer Redaktion hatte der 52-Jährige erst im vergangenen Jahr einen Suizidversuch unternommen.

Seit seinem fünften Lebensjahr war der 81 Jahre alte Mann, den er gestern den bisherigen Ermittlungen zufolge angegriffen und mit Tritten und Schlägen malträtiert hat, der Lebensgefährte seiner Mutter, hatte für das Kind die Vaterrolle übernommen. Seit Jahren lebte die Familie in der Wohnung nahe des Oberbilker Markts, bis auf die oft lautstarken Streitereien der jüngsten Zeit, für die Nachbarn eher unauffällig.

Warum der arbeitslose Stiefsohn gestern früh offenbar ausrastete, ist noch unklar. Die Mutter sagte der Polizei, er habe sich nach dem Angriff in seinem Zimmer eingeschlossen, während sie den Notruf wählte. Deshalb hatte sie auch nicht mitbekommen, wie er das Fenster öffnete und in die Tiefe sprang. "Die Ermittlungen dauern an", sagte Staatsanwalt Matthias Ridder, der Mittwochmittag selbst die Obduktion des Leichnams in der Rechtsmedizin beobachtet hat. Demnach waren die Verletzungen, die der 52-Jährige beim Aufprall auf das Pflaster erlitten hat, allein todesursächlich. Offensichtliche Anzeichen für Alkohol- oder Medikamentenkonsum habe es nicht gegeben, entsprechende Untersuchungen seien aber eingeleitet worden, so der Staatsanwalt.

Unterdessen haben die Ärzte der Uniklinik den 81-Jährigen stabilisieren können. Er war am Nachmittag außer Lebensgefahr. Seine Lebensgefährtin wird ebenfalls ärztlich und von Seelsorgern betreut.