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Düsseldorf
Fans setzen sich zur Messe Hörner auf

Düsseldorf. Bei der Dokomi trafen sich am Wochenende die Fans japanischer Comics und Zeichentrickfilme, viele von ihnen in fantasievollen Kostümen. Es gab Karaoke, Tanzwettbewerbe und jede Menge Verkaufsstände. Von Tino Hermanns

Nur die wenigsten Menschen haben den Mut zur Hässlichkeit, und so haben sich die meisten Fans auf der großen Messe Dokomi in der Düsseldorfer Messe auch richtig hübsch gemacht. Doch Carina Klüsener ist etwas aus der Art geschlagen. Nicht mit ihrer Kleidung, sie hat sich in ein sehr mädchenhaftes rosafarbenes Rüschenkleid gehüllt. Doch dazu hat sie sich eine knapp 15 Zentimeter lange, spitz-zulaufende Hexennase ins Gesicht gepflanzt: "Hübsch macht sich jede. Mir gefallen die abgedrehten Charaktere besser", erzählt sie.

Carina Klüsener ist extra aus Oranienburg angereist, um die deutschlandweit größte Ausstellung für Anime (japanische Zeichentrickfilme), Mangas (japanische Comics) und Cosplay (die passenden Verkleidungen) zu besuchen. Das Verkleiden nach dem Vorbild der Lieblingsfiguren ist vor allem unter den Anime-Fans beliebt. Aber auch Figuren wie Obelix und Captain Jack Sparrow (Fluch der Karibik) sind zugegen.

Um sich Dokomi-gerecht zurechtzumachen, benötigte Carina Klüsener gerade mal 45 Minuten. Gut viermal so lange war dagegen Janos Sartor beschäftigt: Der studierte Physiker schminkte seinen ganzen Körper blau, setzte sich einen selbstgebauten Helm mit riesigen Hörnern auf, schlüpfte in seine Schulterpolster, Unterarmschoner inklusive Handschuhen mit Lichteffekten, Lendenschurz mit Oberschenkelprotektoren und Stiefel. "Als Student bin ich mal mit dem Motorrad zu einer Convention gefahren. Dass mache ich nie wieder", sagt Sartor lächelnd. "So ein Kostüm nimmt schon den ganzen Kofferraum eines Autos ein." Sartor lebt in Karlsruhe und hat sich für das Wochenende extra in einem Düsseldorfer Hotel eingebucht.

Die Dokomi zieht Fans von weit her an. "In Deutschland ist sie die größte Anime- und Manga Convention. Wir arbeiten mit japanischen Unternehmen aus Düsseldorf, aber auch mit Firmen aus Japan, den USA oder Südamerika zusammen", verrät Veranstalter Andreas Degen. "Unsere Devise lautet: global denken, aber lokal verwurzelt sein." So kommt ein nahezu unüberschaubares Angebot zusammen. Kaum etwas, dass es auf der Messe nicht gibt rund um Anime und Manga. DVDs, komplette Kostüme, Kuschel-Mangas fürs Bett, Häkel-Kurse für japanische Tierfiguren, Body-Painting-Kurse, Karaoke-Singen und Tanz-Wettbewerbe oder auch den Cosplay-Ball.

Auch Anupap Kasook bietet seine Dienste an. Der Düsseldorfer mit thailändischen Wurzeln studiert an der Hochschule Düsseldorf Kommunikationsdesign und ist als Comiczeichner auf der Dokomi. "Es ist auch eine gute Chance, meine Zeichnungen zu präsentieren. Ich träume davon, später mein Geld als Comiczeichner zu verdienen", sagt Kasook.

Viele Cosplayer hoffen darauf, ihr Hobby zum Beruf zu machen, doch den wenigsten ist es vergönnt. Andreas Degen hat den Schritt erst im vergangenen November gewagt. "Ehrenamtlich war die ganze organisatorische Arbeit nicht mehr zu leisten. Auch jetzt kann ich zusammen mit meinem Partner Benjamin Schulte nicht alles alleine machen", so Degen. "Ohne die Unterstützung unserer 30 Helfer wäre die Dokomi nicht zu organisieren. Es ist der reine Wahnsinn, was sie wegarbeiten." Mit im Boot sind auch die Messe Düsseldorf, die deutsch-japanische Gesellschaft und das japanische Generalkonsulat. "Düsseldorf ist der ideale Standort. Hier wird die japanische Kultur schon angenommen und gelebt", sagt Degen.

Quelle: RP
 
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