| 07.57 Uhr

Sommer 2016
Fast doppelt so viele Rettungseinsätze am Rhein in Düsseldorf

Großeinsatz wegen Person im Rhein
Großeinsatz wegen Person im Rhein FOTO: Christoph Reichwein
Die Feuerwehr musste in diesem Jahr 36 Mal ausrücken, weil ihr Rheinschwimmer gemeldet worden waren. Verboten ist es nur an einigen Stellen in Düsseldorf, gefährlich aber nahezu überall. Immer wieder spielen Hunde dabei eine Rolle. Von Christian Herrendorf, Düsseldorf

Ein schöner (Spät-)Sommer wie der diesjährige bringt auch schlechte Nachrichten mit sich. Die Zahl der Feuerwehreinsätze wegen Rheinschwimmern ist in diesem Jahr deutlich gestiegen. Während der Wert in der Regel bei etwas mehr als 20 Einsätzen pro Jahr liegt, waren es diesmal 36. Bei fünf Einsätzen konnten die Rettungskräfte niemanden entdecken, in allen anderen Fällen trafen die Feuerwehr-Leute auf Schwimmer, die selbstständig oder mit Hilfe der Rettungskräfte das Wasser wieder verlassen konnten.

Das Wetter hat laut Feuerwehr einen erheblichen Einfluss auf die Statistik. Bei hohen Temperaturen suchten mehr Menschen die Abkühlung im Rhein. Auch wenn es dabei keine Todesfälle zu verzeichnen gab, ist die Gefahr groß. In Deutschland ertrinken laut Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) rund 500 Menschen pro Jahr, ein wesentlicher Teil davon in Flüssen.

Unsere Grafik zeigt, wo es im Düsseldorfer Stadtgebiet dieses Jahr besonders viele Rettungseinsätze wegen Schwimmern im Rhein gab.

FOTO: KLXM.de

Eine gute Nachricht ist mit der Erhebung der Rheinschwimmer verbunden: Die Zahl derjenigen, die von einer Rheinbrücke gesprungen sind, liegt bei drei, der Schnitt der Vorjahre bei neun. Von den Brücken springen sowohl Suizidenten als auch Menschen, die dies für eine Mutprobe halten.

Bei den Rheinschwimmern lassen sich keine Gruppen ausmachen, die statistisch herausragen. Die Übermütigen kommen aus fast allen Altersgruppen, darunter sind auch nicht auffallend viele Menschen, die nicht oder nur schlecht deutsch sprechen. Einzig Hundehalter sind mit fünf der 36 Fälle überraschend oft vertreten. "Hunde sind zwar bessere Schwimmer als Menschen, aber auch sie treiben schnell ab. Dann geraten die Halter in Panik und gehen hinterher", berichtet Feuerwehrsprecher Heinz Engels. So hat es vor einigen Jahren sogar den Fall gegeben, dass ein langjähriger Mitarbeiter der Wasserwacht des DRK beim Versuch, seinen Hund zu retten, im Rhein ums Leben gekommen ist. Auch die örtlichen Schwerpunkte der Einsätze sind entlang der gesamten Düsseldorfer Rheinstrecke von Urdenbach bis Stockum verteilt (siehe obenstehende Grafik).

Wie gefährlich das Schwimmen im Rhein ist hat eine RP-Reporterin Anfang September im Selbsttest erfahren. Sehen Sie hier den Versuch im Video. 

Selbsttest: So gefährlich ist das Schwimmen im Rhein

Angesichts der Entwicklung wird in Düsseldorf gerade ein Arbeitskreis gegründet, in dem die betroffenen städtischen Ämter und die Feuerwehr zusammenkommen, um zu erörtern, ob und wie die Düsseldorfer - über die bisherigen Kampagnen hinaus - auf die Gefahr aufmerksam gemacht werden können. Noch mehr Warnschilder sind eine Möglichkeit, Aufklärung anhand trauriger Beispiele aus der Praxis eine andere.

Das Dilemma der Helfer und Retter ist, dass Schwimmen im Rhein in Düsseldorf nur an wenigen Stellen verboten ist. Der Fluss steht laut Gesetz im Gemeingebrauch, deshalb benötigt niemand eine besondere Erlaubnis, um ihn zu nutzen. Verbote gibt es dort, wo die Schifffahrt beeinträchtigt ist, weil die Kapitäne einem Schwimmer ausweichen und unter großer Gefahr die Fahrtrichtung ändern. Dies ist 100 Meter vor und hinter Brücken sowie Hafenanlagen (hier: Medienhafen, Heerdt/Neuss) der Fall.

Wie die Strömung im Rhein zirkuliert, wird in dieser Grafik erklärt.

Grafik
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Sommer 2016: Fast doppelt so viele Rettungseinsätze am Rhein in Düsseldorf


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.