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FDP entscheidet sich für Einigkeit

Analyse: FDP entscheidet sich für Einigkeit
Christian Lindner, Vorsitzender der Bundes-FDP, mit seiner Stellvertreterin, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, bei dem Düsseldorfer Parteitag FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Marie-Agnes Strack-Zimmermann ist bei den Liberalen nicht unumstritten, doch beim Parteitag blieb der Angriff aus. Sie wurde mit 85 Prozent als Kreisvorsitzende bestätigt und setzte im Parteivorstand ihr Team durch. Unterstützung gab's von Bundeschef Lindner. Von Denisa Richters

Im Austeilen war die Frontfrau der Düsseldorfer Liberalen noch nie zimperlich - sei es gegen die CDU, die seit der letzten Kommunalwahl formal vom Partner zum politischen Gegner der FDP erkoren wurde, sei es gegen Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD), der eigentlich von der Ampel-Kooperation unterstützt werden sollte, aber selbst auch immer wieder querschlägt, sei es gegen innerparteiliche Widersacher: Marie-Agnes Strack-Zimmermann kämpft mit harten Bandagen und spitzer Zunge. Und trotz ihrer zierlichen Erscheinung ist es nicht zu leugnen, dass sie mit älteren Brüdern aufgewachsen ist.

Doch vor dem Parteitag am vergangenen Samstag war der 57-Jährigen doch so etwas wie Verunsicherung anzumerken. Auf der Tagesordnung stand die Wahl des Kreisvorstands, an deren Spitze Strack-Zimmermann vor knapp zwei Jahren gerückt ist. Vorausgegangen waren die schwere Schlappe der FDP bei der Bundestagswahl 2013 und ein Machtkampf mit der damaligen Parteichefin Gisela Piltz. Die zog schließlich zurück, Strack-Zimmermann erhielt trotzdem nur 69 Prozent. Die Wunden, die in jener Zeit geschlagen wurden, sind bis heute nicht ganz verheilt.

Und im Vorfeld der anstehenden Wiederwahl kursierten zu viele kritische Botschaften: Strack-Zimmermann und ihre Getreuen regierten den Kreisverband zu autoritär, sie drehe sich vor allem um sich selbst und wolle ihre Kandidatur für den Bundestag sichern, ihr fehle die Vision für einen Neuaufbruch der FDP und wie die Partei wieder attraktiv für führende Persönlichkeiten gemacht werden könnte. Auch an der Zufriedenheit von FDP-Bundeschef Christian Lindner an Strack-Zimmermann als einer seiner Vize wurden Zweifel gestreut.

Lindner, Gastredner zu Beginn des Parteitags, zerstreute sie wieder: "Sie hat in der bittersten Stunde der Partei ein Ehrenamt angetreten, das sie mit großer Energie ausfüllt", sagte Lindner zu Strack-Zimmermanns bundespolitischem Engagement. Sie sei "eine Persönlichkeit mit einem klaren Koordinatensystem". Das hat wohl manchen überzeugt. Denn das Ergebnis, das Strack-Zimmermann schließlich bekam, war besser als auch ihre Unterstützer erwartet hatten: 84,5 Prozent der 142 anwesenden Mitglieder (von insgesamt rund 620) stimmten für sie, 19 machten ihr Kreuz bei Nein.

Eine echte Rebellion hatte an diesem Tag niemand erwartet (die sollte erst bei der Aufstellung der Bundestags- und Landtagskandidaten Anfang Juli folgen), aber einen empfindlichen Dämpfer sehr wohl. Doch auch der blieb aus - und somit ist vermutlich auch der nächste Aufstand abgeblasen. Denn zu deutlich war das Ergebnis - auch bei der Wahl der anderen Vorstandsmitglieder: Michael Dimitrov wurde als Stellvertreter wiedergewählt, zweiter Vize wurde Moritz Kracht, der damit Robert Orth ablöste, der nicht mehr antrat und sich in seiner Abschiedsrede demonstrativ bei Gisela Piltz, nicht aber bei Strack-Zimmermann bedankte. Dimitrov und Kracht gehören zum Umfeld der Partei- und Fraktionschefin.

Ebenso Rechtsanwalt Christoph Schork, der als Schatzmeister dem verstorbenen Klaus Burkhardt folgte, ebenso Christiane Rachner, die jetzt das Amt der Schriftführerin hat. Bei den Beisitzern setzt sich das fort. In der Kampfkandidatur mit der Chefin der Jungen Liberalen, Stephanie Aschenbrenner (sie wurde von Burkhard Hirsch vorgeschlagen), siegte Ann-Cathrin Freise, Strack-Zimmermanns Favoritin.

Die Düsseldorfer Freidemokraten haben sich also für die Einheit entschieden. Was vernünftig ist, denn gerade in schwierigen Zeiten fördern erbitterte Machtkämpfe die Selbstzerstörung - und damit punktet niemand bei Wahlen. Dass gerade in solchen Situationen nicht immer die Vernunft siegt, hat vor einigen Jahren noch die Düsseldorfer SPD bewiesen. Auch die CDU muss nach der verlorenen Macht die Einigkeit erst wieder üben.

Doch einen Freifahrtschein haben die Mitglieder der Spitze der Liberalen nicht gegeben. Mit dem guten Ergebnis als Rückenwind sollten Strack-Zimmermann und ihr Team alte Gräben zuschütten, Kritiker mit- und ernstnehmen statt sie auszugrenzen. Noch immer gibt es in Düsseldorfer FDP viele kluge, angesehene, gut vernetzte Menschen, manche sind neu, andere wieder eingetreten. Dieses Potenzial gilt es zu nutzen.

Quelle: RP
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