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FDP könnte CDU Direktmandat kosten

Analyse: FDP könnte CDU Direktmandat kosten
Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) will im Wahlkreis von Thomas Jarzombek antreten. FOTO: Bretz, Endermann
Düsseldorf. Der Norden Düsseldorfs gilt als bürgerlich und für die CDU bei Wahlen als besonders attraktiv. Doch bei der Bundestagswahl 2017 könnte CDU-Chef Thomas Jarzombek Stimmen an FDP-Chefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann verlieren. Hinzu kommt die AfD. Von Denisa Richters

Als 2013 der Bundestag gewählt wurde, war es für die CDU-Kandidaten aus Düsseldorf ein Erfolg auf ganzer Linie: In beiden Wahlkreisen lagen sie vor der SPD, Thomas Jarzombek und Sylvia Pantel konnten mit Direktmandaten in das Berliner Parlament einziehen. Besonders deutlich fiel das Ergebnis in Jarzombeks Wahlkreis aus, der den Norden, die Innenstadt und das linksrheinische Düsseldorfs umfasst. Zwar hat in der Vergangenheit auch immer wieder die SPD dort gewonnen, doch eigentlich gilt er als bürgerlich - und ist deshalb bei Kandidaten der CDU besonders begehrt.

Jarzombek holte dort im September 2013 exakt 78.203 der 163.350 Erststimmen (gewählt wird ein konkreter Kandidat), kratzte mit 47,9 Prozent an der absoluten Mehrheit. Der Kandidat der SPD, Philipp Tacer, landete weit dahinter und bei 29,2 Prozent. Auch bei den Zweitstimmen (gewählt wird eine Partei) lag die CDU mit 40,3 Prozent weit vor der SPD (26,4 %), gefolgt von Grünen (9,4 %) und FDP (9,2 %).

Mit einem so klaren Ergebnis wird der Düsseldorfer CDU-Chef bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr sicherlich nicht rechnen können. Und das nicht nur, weil die CDU bundesweit vermutlich unter ihrem Ergebnis von 2013 liegen wird. Im selben Wahlkreis wird nämlich auch Marie-Agnes Strack-Zimmermann für die FDP antreten. Sofern sie von der Partei nominiert wird, was aber wie bei Jarzombek zu erwarten ist. Strack-Zimmermann ist Chefin der Liberalen in Düsseldorf und Vize-Vorsitzende der Bundes-FDP. Sie ist in der Stadt bekannt, polarisiert durchaus, und kann bei Wahlen im Düsseldorfer Norden reichlich Stimmen holen. Das hat sie bei der Landtagswahl 2012 gezeigt. Damals holte sie für ihre Partei fast 15 Prozent und erhielt auch bei den Erststimmen von 6073 Wählern ein Kreuzchen. Den damaligen CDU-Kandidaten Olaf Lehne kostete das sein Direktmandat: Sein SPD-Herausforderer Markus Weske siegte mit nur 651 Stimmen Vorsprung, Lehne flog aus dem Landtag. Die übliche Einigung, dass die FDP nur um die Zweitstimme wirbt und der CDU bei der Erststimme das Feld überlässt, hatte damals nicht funktioniert. Beide warben um beide Stimmen. Ähnlich könnte es Jarzombek 2017 gehen. Denn während Gisela Piltz, die bei den vergangenen Bundestagswahlen - ebenfalls erfolgreich - im Norden der Stadt für die FDP angetreten war, laut Jarzombek die Erst-/Zweitstimmen-Kooperation geschlossen hatte, schließt Strack-Zimmermann dies aus. Falls sie nominiert werde, wolle sie im Wahlkampf um beide Stimmen werben, betont die Liberale.

Für Jarzombek ist das keine gute Nachricht. Denn er muss damit rechnen, dass auch die AfD ein deutlich besseres Ergebnis holen wird als 2013, schon damals kam ihre Kandidatin Kerstin Gabracht auf 5001 Erststimmen, bei den Zweitstimmen waren es 4,2 Prozent. Jarzombek verweist auf Analysen der Landtagswahlen in diesem Jahr, laut denen der AfD-Stimmenzuwachs nur zu einem Viertel aus der CDU-Wählerschaft kommt. Doch in Düsseldorf könnte es ganz anders sein, und selbst ein geringer Stimmenverlust kann - siehe Beispiel Lehne - den Sieg kosten. Profitieren würde dann wieder die SPD, für die vermutlich wie 2013 wieder Ratsherr Philipp Tacer antreten wird. Allerdings fahren die Sozialdemokraten zurzeit bei bundesweiten Umfragen Tiefstwerte ein und liegen teils unter 20 Prozent.

Sollte es für den Direktsieg nicht reichen, hat Jarzombek aber immer noch die Chance, über die Reserveliste in den Bundestag zu kommen. 2013 hatte er zwar nur den Listenplatz 35, zum Zuge kamen aber sogar Plätze bis um die 50. Zudem kann Jarzombek aufgrund neuer Ämter mit einer besseren Platzierung rechnen. Sicher ist auch ein solcher Platz aber nicht.

Über die Liste gerade so in den Bundestag geschafft hatte es 2013 der SPD-Chef Andreas Rimkus im Süd-Wahlkreis. Dort siegte Pantel direkt. Beide werden auch 2017 wieder antreten - mit Konkurrenz aus der AfD und, falls Sahra Wagenknecht wieder dort antritt, der Linken. Deshalb wird es auch dort spannend werden. Wenn auch nicht so wie im Norden.

Quelle: RP
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