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Düsseldorf
Feuerwehr empört über Angriffe auf Sanitäter

Düsseldorf: So hat sich die Kriminalität entwickelt
Düsseldorf: So hat sich die Kriminalität entwickelt
Düsseldorf. Erst in der Altstadt und dann in Hassels wurden am Wochenende Mitarbeiter des Rettungsdienstes attackiert, ein Helfer wurde bewusstlos. Es wird Anzeige erstattet. Die Feuerwehr sagt, die Situation für den Rettungsdienst in ganz NRW verschärfe sich. Von Uwe-Jens Ruhnau

Es gibt immer mehr Angriffe auf Einsatzkräfte, das berichtete Innenminister Ralf Jäger erst vor wenigen Monaten. Zwei aktuelle Fälle sorgen bei der Düsseldorfer Feuerwehr für Empörung. Mitarbeiter des Rettungsdienstes kennen zwar die Situation, wenn Angehörige die Nerven verlieren. "Das kann man ja verstehen", sagt Feuerwehrsprecher Heinz Engels. "Ein Familienmitglied ist in Lebensgefahr, man selbst ist machtlos." Verbale Angriffe gebe es da immer wieder. "Da sind wir robust." Nicht hinnehmbar aber sei der Angriff auf einen Sanitäter, der sich in der Nacht zum Sonntag kurz nach Mitternacht an der Potsdamer Straße in Hassels ereignete: Eine Person lag auf dem Boden, musste reanimiert werden. Da wurde ein Sanitäter, der Geräte aus dem Notfallkoffer nehmen wollte, von einem Angehörigen mit einem Faustschlag gegen den Kopf zu Boden gestreckt.

Der Sanitäter war zeitweilig bewusstlos und musste aus dem Dienst genommen werden. Die Polizei wurde alarmiert und schlichtete die Situation. Nahezu alle der rund 20 Angehörigen - sie gehören zu einer Großfamilie - mussten den Raum verlassen. Einzig der Sohn durfte bleiben. Dem Vernehmen nach handelte es sich bei der zu behandelnden Person um die Mutter. Sie soll verstorben sein. Die Familie warf der Feuerwehr vor, zu lange für die Fahrt zum Einsatzort gebraucht zu haben, laut Pressesprecher waren es acht Minuten. Anzeige wegen Körperverletzung ist erstattet.

Der erste körperliche Angriff fand in der Nacht zuvor in der Altstadt statt. Gegen Mitternacht rückte ein Rettungswagen zur Heinrich-Heine-Allee aus. Während der Erstversorgung des Patienten im Rettungswagen kamen zwei unbeteiligte Männer von hinten in den Transportraum. Drei Passanten beobachteten die Szene und forderten die beiden Männer auf, den Rettungsdienst in Ruhe arbeiten zu lassen. Es entwickelte sich eine Schlägerei, auch die Wagenbesatzung wurde attackiert. Auch hier ging ein Sanitäter zu Boden. Erst die Polizei konnte die Situation beenden.

Laut Feuerwehrsprecher Engels kommen Provokationen oder Angriffe eher in der Altstadt vor, weil dort oft Alkohol im Spiel sei. "Aber Schläge in einer Wohnung, zu der wir fahren, weil wir um Hilfe gebeten werden - das ist neu." Es passe aber ins Bild, das auch aus anderen Städten im Lande gemeldet werde. Die Situation für den Rettungsdienst in ganz NRW verschärfe sich.

Das hat Innenminister Ralf Jäger bereits im Sommer ausgeführt. Danach ist die Gewalt gegen Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte in NRW weiter gestiegen. 2014 wurden 7902 Polizisten Opfer von Gewalttaten, im Vorjahr waren es noch 7085 Fälle gewesen. Bei den Übergriffen auf Feuerwehrleute erhöhte sich die Zahl der Gewalttaten von 94 auf 151. Andere Rettungskräfte wurden 116 Mal angegriffen.

Quelle: RP
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