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Es fehlen 40 Mitarbeiter
Finanzbeamte überlastet

Es fehlen 40 Mitarbeiter: Finanzbeamte überlastet
Michaela Faßbender, Diplom-Finanzwirtin, bei der Arbeit im Amt Kruppstraße. In den Finanzämtern fehlen insgesamt 40 Mitarbeiter, die Akten stapeln sich zu Bergen. FOTO: RP, W. Gabriel
Düsseldorf. In den vier Düsseldorfer Ämtern ist die Personaldecke dünn geworden. Die Steuergewerkschaft kritisiert, dies gehe auf Kosten der sorgfältigen Bearbeitung von Anträgen und Betriebsprüfungen. Ein Computerprogramm soll helfen. Von Michael Winkelmann

Die Personaldecke in den Finanzämtern ist spürbar dünner geworden. "650 Finanzbeamte - anders ausgedrückt drei Ämter - sind im Rheinland in den Ruhestand gegangen", rechnet der stellvertretende Vorsitzende der Steuergewerkschaft, Jürgen Deimel, vor. Seit Januar müssen die vier Düsseldorfer Ämter mit 40 Mitarbeitern weniger auskommen. Die Folge: Steuerberater stellen Verzögerungen bei der Erteilung von Bescheiden fest. Die Gewerkschaft kritisiert, dass Steuererklärungen "nicht mehr so sorgfältig wie bisher" bearbeitet werden können. Gleiches gelte für die Abwicklung von Betriebsprüfungen.

Die seit Januar in den Vorruhestand geschickten Mitarbeiter haben unter den 950 verbliebenen Kollegen offensichtlich noch nicht kompensierte Lücken hinterlassen. Der Oberkasseler Steuerberater Thomas Wiese geht von einer Verzögerung bei der Bearbeitung der Steuerbescheide von "rund einem Monat" aus. Sein Kollege Robert Stürcke beurteilt die Personallage zwar zurückhaltender, bemängelt aber: "Es dauert generell lange, bis die Bescheide eintreffen. Mitarbeiter der Finanzämter sind telefonisch schwer zu erreichen." Stürckes schließt daraus, die Finanzbeamten seien überarbeitet.

Der Geschäftsstellenleiter des Finanzamts Altstadt, Peter Classen, bestätigt solche Überlegungen. "In meinem Amt haben die Kollegen unter einer großen Arbeitsdichte zu leiden." Gewerkschafter Jürgen Deimel geht einen Schritt weiter: "Die Stimmung in den Ämtern ist wegen der erheblichen Mehrbelastung sehr gedrückt." Auch der stellvertretende Vorsteher der Finanzämter, Gerald Gruse, kann die Unzufriedenheit der Kollegen verstehen. Er sieht in den ungleichmäßigen Personalabgängen einzelner Ämter ein Problem. Allerdings würden die aktuell benachteiligten Ämter bei der nächsten Gelegenheit bevorzugt mit frisch ausgebildeten Beamten versorgt. Gruse sieht eine Entlastung der Mitarbeiter in einem Computerprogramm. Dessen Risikomanagement prüfe die Steuererklärungen auf Unregelmäßigkeiten. Bei Beanstandungen kontrolliere ein Mitarbeiter noch einmal nach. Wie streng das Computerprogramm prüft, lasse sich an den Kapazitäten des jeweiligen Amtes ausrichten. "Die wichtigsten Prüfungskriterien bleiben jedoch immer bestehen", versicherte Gruse. "Bei großen und verdächtigen Beträgen wird die Steuererklärung von einem Sachbearbeiter geprüft."

Gruse räumt ein, dass es beim "hochkomplizierten Steuerystem" nicht nur für den Steuerzahler, sondern auch für den Finanzbeamten schwierig geworden sei, den Überblick zu behalten. Dass seine Kundschaft jedoch länger auf die Bescheide warten müsse, sei ihm noch nicht aufgefallen. Im Gegenteil: "Die Menschen werden zufriedener mit dem Amt." Die Einrichtung der Servicestellen, in denen beim Ausfüllen der Formulare geholfen wird, sei ein Erfolg.

Quelle: RP
 
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