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Josef Klüh
"Firma Klüh bleibt in Familienbesitz"

Düsseldorf. Der Unternehmer über seinen Start mit einem Mitarbeiter, eine Einkaufstour mit einem Scheich und den Kauf von 400 Schäferhunden

Herr Klüh, heute beschäftigen Sie weltweit 47.000 Mitarbeiter in acht Ländern. Wie hat alles begonnen?

Klüh Der Familienbetrieb, eine Reinigungsfirma mit ganz wenigen Mitarbeitern, existierte schon 1911, mein Großvater hatte ihn gegründet. 1944 fiel mein Vater im Zweiten Weltkrieg, da war ich zwei Jahre alt. Nach dem Krieg führte meine Mutter den Betrieb weiter, mit einem einzigen Angestellten.

Und wann sind Sie in den Betrieb eingestiegen?

Klüh Ich hatte einen Onkel mit einer Spedition, der hat mich oft auf langen Fahrten im Lkw mitgenommen. Für einen Jungen war das was ganz Großes damals. Spedition, das hätte mich interessiert. Ich kam jedoch zu der Erkenntnis, dass man für Lastwagen zu viel Kapital braucht. Also übernahm ich den Betrieb meiner Mutter. Das war im Jahr 1962. Weil ich 20 Jahre alt war und man erst mit 21 mündig wurde, musste ich mich für volljährig erklären lassen.

Wie viele Mitarbeiter hatten Sie bei Ihrem Start?

Klüh Genau einen, Siegfrid Braun.

Ist ein Manager auf eine Reinigungskraft nicht das, was man heute einen Wasserkopf nennen würde?

Klüh Ich habe akquiriert.

Für einen einzigen Mitarbeiter?

Klüh Ich war immer ein guter Verkäufer, ich habe mir zunächst Aufträge gesucht. Dann habe ich über Zeitungsinserate Personal gesucht und eingestellt - nachdem ich den Auftrag hatte. Ich hatte keine Scheu vor großen Kunden und war vielleicht energischer als etablierte Konkurrenten, die ich heute allesamt überholt habe. Ich war jung und übermütig, aber es hat geklappt. Ich bin etwa zu Bayer gegangen, habe den Werksleiter auf seine schmutzigen Industriedächer angesprochen. Die haben gedacht: "Der Kerl ist verrückt." Die hatten meinen Vater erwartet. Ich habe meine Geschichte erzählt, mich gut verkauft und schließlich Aufträge erhalten.

Es lief also gleich rund?

Klüh Nicht immer natürlich. Es gab auch Schlappen. So hatte ich zum Beispiel 30 Leute zum Saubermachen in den Böhlerwerken eingestellt. Morgens zu Dienstbeginn kamen aber nur drei. Das gab eine Abreibung, die Sie sich vorstellen können. "So nicht, Junge", sagte der Chef, zu Recht. Dann musste ich allein in Tag- und Nachtschicht Aschenbecher leeren, Toiletten putzen und Papierkörbe leeren.

Wie kamen Sie an mehr Personal?

Klüh Meine damalige Frau arbeitete bei der LVA, da waren viele junge Frauen. Ich bot ihren Kolleginnen an, beim Reinigen etwas dazu zu verdienen. Ich hab gut bezahlt. Ich habe sie abends mit VW-Bussen bei der LVA abgeholt und zum Einsatzort gefahren. Andere Zeiten.

Ab wann haben Sie Geld verdient?

Klüh Die Expansion ging schnell, ich kaufte Unternehmen in Dortmund und Mönchengladbach. Dann wollte ich mehr machen und habe ein Sicherheitsunternehmen in Bayern gekauft, das für die Bundeswehr arbeitete. In der Bilanz standen auch 400 Schäferhunde, die ich auf einen Schlag mit gekauft habe. Später kam Catering dazu, heute ein eigenes Unternehmen, das täglich Tausende Mahlzeiten zubereitet, etwa für die Commerzbank: 12.000 Essen am Tag bereiten wir heute in der Bank-Zentrale zu.

Sie sind heute in acht Ländern aktiv, auch in Dubai, reinigen dort den Burj Khalifa, das höchste Haus der Welt. Wie ist der Einstieg gelungen?

Klüh Wir versuchten, in Dubai Fuß zu fassen, das war nicht leicht. Dazu wollten wir die Firma Berkeley übernehmen, die der Herrscher-Familie Maktoum und dem australischen Unternehmer Berkeley gehörte. Ich bin ein Jahr lang immer wieder hingeflogen, um zu verhandeln. Die Scheichs verhandeln in einem ganz anderen Tempo. Irgendwann habe ich einen Porzellan-Falken bei Franzen gekauft und habe ihn Sheikh Maktoum geschenkt. Er hat mich daraufhin mit zur Falkenjagd in der Wüste genommen. Dort haben wir verhandelt. Das hat den Durchbruch gegeben. Heute haben wir 7000 Mitarbeiter in Dubai. Immer wieder haben wir für den Burj Khalifa die Ausschreibungen gewonnen. Insgesamt drei Mal. Gerade eben haben wir einen neuen Großauftrag geholt: Im 370 Meter hohen Cayan Tower in Dubai sind wir jetzt verantwortlich für Reinigung, Technik und Security - damit schaffen wir dort 300 Arbeitsplätze.

Sie haben für Ihr Unternehmen drei Holding-Geschäftsführer, Sie selbst haben sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Wer wird Ihre Nachfolge irgendwann einmal antreten?

Klüh Zunächst mal: Die Unternehmensentwicklung begleite ich weiter intensiv. Mein Unternehmen wird in Familienbesitz bleiben. Alles ist geregelt.

Wenn Sie jetzt mehr Zeit haben als früher, was machen Sie privat?

Klüh Ich spiele kein Golf. Die Beschäftigung mit meinem Unternehmen, das sich heute zu einem internationalen Multidienstleister entwickelt hat, macht mir viel Freude. Ich gehe sehr gern zur DEG, die ich 14 Jahre als Präsident geführt habe. In meiner Freizeit bin ich gern auf Reisen. Ich interessiere mich für Kultur und Menschen. Jedoch verbringe ich den Hauptteil meines Privatlebens bei meiner Familie. Zumal wir neulich erst Zuwachs bekommen haben: Mondo, einen Rhodesian Ridgeback, der heute sieben Monate alt ist. Wir haben ihn sehr gern - auch wenn er mich manchmal in den Arm zwickt.

THORSTEN BREITKOPF FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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