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Düsseldorf
Firmen geben Millionen für Kultur

Düsseldorf: Firmen geben Millionen für Kultur
FOTO: Ferl
Düsseldorf. In Zeiten knapper Kassen werden Sponsoren für die Kultur immer wichtiger - sind aber auch schwerer zu finden. Der Kulturdezernent sieht die Stadt in der Pflicht, den Kunstpalast ohne Eon in gleicher Qualität weiterzuführen. Von Arne Lieb und Uwe-Jens Ruhnau

Kulturdezernent Hans-Georg Lohe kündigt an, das Museum Kunstpalast (MKP) nach dem Ausstieg des wichtigsten Sponsors Eon ohne Einbußen bei der Qualität weiterführen zu wollen. Die Stadt sei verpflichtet, ihr wichtigstes Museum zu unterstützen. "Der Kunstpalast braucht eine auskömmliche Finanzierung, um weiter Ausstellungen auf demselben Niveau bieten zu können."

Der Energiekonzern hatte beschlossen, zu Ende des kommenden Jahres aus der öffentlich-privaten Partnerschaft auszusteigen. Die Entscheidung trifft die Stadt in ohnehin schwierigen Zeiten: Die leere Stadtkasse erhöht auch in der Kultur den Spardruck. Darüber hinaus wackeln langjährige Partnerschaften. Die in massiver Finanznot steckende Nachbarstadt Duisburg hat ihren Beitrag zur traditionsreichen Opernehe reduziert, das Land ist beim NRW-Forum ausgestiegen - in beiden Fällen ist Düsseldorf dadurch finanziell stärker gefordert. Da der Kulturetat insgesamt nach dem Willen von Politik und Verwaltung nicht deutlich steigen soll, fehlt das Geld an anderen Stellen.

Deshalb hofft man auf weitere private Geldgeber. Neben der Unterstützung durch die Freundeskreise ist das Geld von Firmen für Museen und Bühnen schon jetzt eine wichtige Einnahmequelle. Welchen Betrag das Sponsoring insgesamt ausmacht, ist nicht zu ermitteln, da häufig Stillschweigen über die Summen vereinbart wird. Klar ist aber: Es sind etliche Millionen Euro pro Jahr. Zu den festen Partnern, die in der Grafik verzeichnet sind, kommen Firmen, die einzelne Ausstellungen oder Projekte unterstützen.

In den Unternehmen sitzt das Geld für das Kultursponsoring aber auch nicht mehr so locker wie in früheren Zeiten. Das liegt nicht nur am wirtschaftlichen Druck. Schauspielhaus-Geschäftsführer Alexander von Maravic, beklagt ein "kulturfeindliches Steuerrecht", das eine Unterstützung erschwere. "Sponsoring wird immer komplizierter", sagt von Maravic, der an vielen großen Bühnen gearbeitet hat. Auch Dezernent Lohe spricht von schwierigen Bedingungen: "Die Zeiten werden nicht leichter."

Beim MKP steht die Stadt aber nun unter Druck. "Ohne neuen Sponsor können wir die Qualität nicht halten", meint Manfred Neuenhaus (FDP). Oberbürgermeister Thomas Geisel sei bei der Sponsorensuche gefordert. Ein Teil eines neuen Arrangements könnte die bisherige Eon-Zentrale hinter dem Kunstpalast sein. Der 2000 bezogene Komplex ist eine Spezialimmobilie von Spitzenarchitekt Oswald Mathias Ungers. Die Konzernverwaltung ist nach Essen umgezogen, heute sitzen im firmeneigenen Komplex rund 400 Mitarbeiter der Abspaltung Uniper. Die neue Zentrale dieses Unternehmens entsteht aber im Medienhafen, Ende 2018 soll der Umzug sein. Was dann mit der Immobilie geschieht, ist laut einem Sprecher offen. Christoph Meszelinsky, Geschäftsführer des Maklerunternehmens BNP, geht davon aus, dass es wieder einen einzigen Hauptnutzer geben wird.

Wenn Stadt, Eigentümer und Makler zusammenarbeiten, könnte vielleicht sogar ein Unternehmen gefunden werden, das Geschmack an einer Zusammenarbeit mit dem MKP findet. Davon ist Hubert Breuer, Direktor beim Makler CBRE, überzeugt. "Das ist ein Liebhaberobjekt", sagt der gebürtige Düsseldorfer, "nicht in der ersten Reihe an der Hauptstraße, aber da will auch gar nicht jeder sein." Es müsse eine Firma gefunden werden, "die Verständnis für die Immobilie und Spaß an der Idee entwickeln kann". Breuer denkt an eine große Unternehmensberatung oder eine der großen internationalen Anwaltskanzleien, von denen es immer mehr in Düsseldorf gebe. Diese seien oft kunstaffin, förderten Künstler oder stellten aus.

Quelle: RP
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