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Düsseldorf
Fischzählung findet unter Strom statt

Düsseldorf: Fischzählung findet unter Strom statt
Claus Bode vom Umweltamt untersucht mittels einer Elektrobefischung den Bestand im Pillebach. Er erzeugt mit seinen Apparaturen, einem Kescher und einem Kupferdraht elektrische Felder, in denen die Fische kurz betäubt werden. FOTO: Ruhnau
Düsseldorf. Ein Experte hat den Fischbestand des Pillebachs untersucht. Hinter dem Bauhaus muss eine Aufstiegsanlage errichtet werden. Von Uwe-Jens Ruhnau

Es ist eine merkwürdige Prozession, die da im Schatten des Bauhauses durch den Pillebach in Richtung Torfbruchstraße stapft. Drei Menschen, die Gummistiefel tragen, einer von ihnen steckt wie ein Profi- Angler in einer Gummimontur und trägt besonders isolierte Handschuhe, vorn und hinten ist er mit Apparaturen beschwert und ruft hin und wieder "Schmerle bis fünf" oder "Schmerle bis zehn", was ganz ordentlich ist, denn die Zahl gibt in Zentimetern die Länge der Fische an, und Schmerlen werden maximal zwölf bis 14 Zentimeter lang. Immer wieder gehen Claus Bode, wie der Fischexperte heißt, auch Stichlinge ins Netz, drei- und neunstachlige. "Es könnten etwas mehr Fische hier sein", sagt der Mann vom Umweltamt. Kathrin Engemann nickt und notiert alle Funde.

Bode leitet die Untere Fischereibehörde der Stadt. Und was er da in Gerresheim an diesem Morgen an vier Stellen veranstaltet, ist eine Untersuchung des Fischbestandes im Pillebach. Diese geschieht mittels einer Elektrobefischung. Bode geht gegen die Strömung und hält einen flachen Kescher ins Wasser. Per Knopfdruck jagt er Strom in den Metallrahmen des Keschers, das könnten bis zu 1000 Volt sein, es reichen aktuell jedoch 160 Volt. Der Kescher bildet den Pluspol, ein Kupferdraht, den Bode hinter sich her zieht, den Minuspol. "Die Fische fühlen sich vom Strom angezogen", sagt der Diplom-Verwaltungswirt, "werden kurz betäubt, sind aber nach Verlassen des Stromfeldes gleich wieder wohlauf."

Der 49-Jährige hat nach der Jahrtausendwende mehrfach systematische Untersuchungen der Düsseldorfer Bäche, die fast allesamt aus Düsselwasser bestehen, vorgenommen. 100 Kilometer Fließgewässer und fast 55.000 Quadratmeter Wasserfläche wurden erfasst, 7500 Fische gefangen. 25 Fisch- und zwei Krebsarten wurden nachgewiesen. Aus der Idee, diese Untersuchungen regelmäßig vorzunehmen, wurde wegen des großen Aufwandes leider nichts. Die Elektrobefischung findet an diesem Tag anlassbezogen statt.

Am Pillebach geht es um ein "Absturzbauwerk", eine Betonschwelle mit zwei Metern Höhe, das die Fische unmöglich überwinden können. Das aber ist Ziel der Renaturierungen verrohrter und technisch ausgebauter Bäche, die seit Jahren in Düsseldorf vorgenommen werden - der Pillebach soll wieder ganz mit Fischen besiedelt werden. Ganz freiwillig macht die Stadt das nicht, die Wiederherstellung der Durchgängigkeit von Bach- und Flussläufen ist in der EU-Wasserrahmen-Richtlinie vorgegeben. Und Bode untersucht den Pillebach, weil er wissen muss, welche Dimensionen die Fischaufstiegsanlage haben muss, die nun an der Torfbruchstraße gebaut werden soll. Es wird nicht so teuer, ist die pragmatische Erkenntnis. Für Schmerlen und Stichlinge reichen kleinere Schlitze zwischen den Bassins. Für die Düssel, in der auch Bachforellen stehen, sieht das ganz anders aus, da sind 20 Zentimeter große Schlitze notwendig. Wenn jetzt bis Herbst gleich neben dem Kö-Bogen im Hofgarten die Düssel wieder freigelegt wird, gehört auch eine Fischtreppe zur Anlage dazu.

Michael Süßer, der neben Bode durchs Ufergrün stapft, begrüßt das alles sehr. Der Geo-Ökologe ist Chef des BUND in Düsseldorf und sagt, "dass diese Renaturierungen dazu führen, dass unsere Kinder an einem Bach spielen und so naturnäher aufwachsen können". Er selbst habe als Junge Kaulquappen im Aquarium gehalten, "aber wo sollen Kinder diesen Zugang heute haben", fragt er. Der Pillebach, der nur knöcheltief ist, ist für die Familien der nahen Siedlung Am Quellenbusch auf jeden Fall eine gute Adresse. Bis vor fünf Jahren floss er an dieser Stelle durch ein 400 Meter langes Rohr in Richtung Düssel, jetzt liegt er offen und bahnt sich auf 900 Metern Länge an einigen Stellen fast wie ein freier Bach seinen Lauf.

Im Herbst macht sich Bode zum Altrhein in Urdenbach auf. Dort will er sehen, was die Renaturierung der Fischwelt in drei Jahren gebracht hat. Größere Fische werden es auf jeden Fall sein. In der Landskrone im Hofgarten und im Kö-Graben, wo die großen Karpfen schwimmen, sind Rotaugen, Rotfedern und Flussbarsch üblich. Einmal wurde sogar ein Hecht gesichtet, 80 bis 90 Zentimeter war der Jäger groß.

Quelle: RP
 
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