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Düsseldorf
Flüchtling fuhr mit falschem Ticket - Bahn beharrt auf Strafe

Düsseldorf: Flüchtling fuhr mit falschem Ticket - Bahn beharrt auf Strafe
Die Afghanin Kahdja I. fuhr versehentlich in der ersten Klasse der Bahn, obwohl sie ihr Ticket nicht dazu berechtigte. Nun soll sie 60 Euro Strafe zahlen. FOTO: Radtke
Düsseldorf. Die Afghanin Kahdja I., die als Flüchtling in Düsseldorf lebt, fuhr versehentlich in der ersten Klasse zu ihrem Deutschkurs, obwohl sie dazu mit ihrem Sozialticket nicht berechtigt war. Die Bahn fordert jetzt 60 Euro Bußgeld. Von Torsten Thissen

Es besteht kein Zweifel daran, dass Kahdja I. an jenem 15. Dezember einen Fehler gemacht hat. Die Afghanin, die gemeinsam mit ihrer Familie im vergangenen Jahr nach Deutschland kam, war auf dem Weg zu ihrem Deutschkurs von Gerresheim Richtung Hauptbahnhof, wie sie das eigentlich immer gemacht hat, seit sie ihr neues Sozialticket hat. Ein Ticket, das der Familie eine ganz neue Welt eröffnet hat. Seitdem die Familienmitglieder es benutzten, konnten sie gemeinsam etwas unternehmen, dem Alltag in der Flüchtlingsunterkunft Karlstraße ein wenig entkommen.

Ihre ehrenamtliche Betreuerin Gabriele Hofer hatte der Familie zu dem Ticket verholfen, genau das System aus S-Bahnen, Bussen und Straßenbahnen erklärt, nur eines hatte Frau Hofer vergessen: Dass es in deutschen S-Bahnen zwei Klassen gibt, und das Ticket lediglich dazu berechtigt, in der zweiten Klasse zu fahren. An jenem Tag saß Kahdja I. zufällig aber in der ersten Klasse, als sie kontrolliert wurde. Sie zeigte ihr Ticket und wunderte sich anschließend sehr, dass der Kontrolleur ihren Namen aufnahm und ihr eine Zahlungsaufforderung über 60 Euro überreichte.

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"60 Euro, das bedeutet für die Familie ein ganzer Wocheneinkauf", sagt Gabriele Hofer. Sie bat im Namen von Kahdja I. am nächsten Tag die Deutsche Bahn, auf das Geld zu verzichten. Sie erläuterte die Situation der Familie, machte deutlich, dass sich Kahdja I. nicht wissentlich in die falsche Klasse gesetzt hatte. Doch die Bahn bestand auf das Geld. "Ob Sie sich versehentlich oder absichtlich hier befanden, ist ohne Belang", schrieb die Bahn der Afghanin und forderte sie auf, bis zum 11. Januar die 60 Euro als "Fahrpreisnacherhebung" zu zahlen. Ohne Abzüge.

Für Gabriele Hofer ist das unverständlich. "Ich würde mir ein bisschen Kulanz vonseiten der Bahn wünschen", sagt sie. Doch ein Entgegenkommen lehnte die Bahn bisher ab.

Auf Nachfrage der RP will die Bahn sich den Fall nun noch einmal ansehen. Aus der Pressestelle hieß es, dass solche Situation für neu ankommende Flüchtlinge, die kein gültiges Ticket haben, geregelt sei. Sie müssten keine 60 Euro zahlen, das übernehme der Bund. Im Fall von Kahdja I. sei die Situation aber anders. Was hier zu tun sei, werde nun geklärt.

Quelle: RP
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