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Düsseldorf
So verarbeiten Kinder ihre Flucht

Flüchtlinge Düsseldorf: So verarbeiten Kinder ihre Flucht
Die Zeichnung eines afghanischen Flüchtlingsjungen kurz nach der Ankunft in einer Erstaufnahmestelle. "Die Erlebnisse von Verfolgung und Flucht lassen die Kinder viel zu schnell erwachsen werden", sagen die Helfer. FOTO: NN
Düsseldorf. In den Erstaufnahmestellen des Landes liegen Papier und Buntstifte immer bereit. Wenn sie nach stundenlanger Zugfahrt in Düsseldorf erstmals zur Ruhe kommen können, malen Flüchtlingskinder, was sie bewegt. Von Stefani Geilhausen

Es sind meist nur ein paar Stunden im Fernbahnhof des Flughafens, ein paar Wochen in den Notunterkünften des Landes, und es sind für die Menschen aus Afghanistan, Syrien, aus dem Irak oder dem Iran die ersten Plätze, an denen sie nach oft wochenlanger Flucht sich erstmals angekommen fühlen können. "You're safe here", ist der Satz, den die Helfer immer wiederholen, wenn alle zwei Tage Flüchtlinge über Bayern oder Österreich in Düsseldorf eintreffen.

Ein Segelboot mit den Flaggen von Afghanistan und Deutschland - die beiden Welten eines Flüchtlingskindes. FOTO: NN

Während die Erwachsenen dann versuchen, herauszufinden, wie es weitergeht, sie sich mit Essen und Trinken stärken oder in den Kleiderkammern nach warmen Sachen suchen, tun die Kinder, was sie wohl überall tun: Sie malen.

Jörn und Tina aus Düsseldorf, die sich seit einigen Jahren für die schutzsuchenden Menschen engagieren und ehrenamtlich auch bei der Erstaufnahme helfen, haben einige dieser Bilder gesammelt. Ein Schiff, das unter den Flaggen Deutschlands und Afghanistans segelt, ein Zug, der in eine Stadt namens "Dussledorf" fährt (die fremden Buchstaben machen den Kindern ein bisschen Mühe), ein blutendes Herz - die beiden Helfer rührt das sehr. "Viele Kinder, die uns begegnet sind, scheinen erstaunlich gut mit dem Erlebten umzugehen. Sie sind offen für das Neue, haben keine Berührungsängste", sagt Jörn. "Aber sie sind auch traurig, dass sie ihr Land verlassen mussten."

Der Wunsch nach Freiheit steht auch bei den Kindern im Mittelpunkt. FOTO: NN

Der Kaufmann und Musiker kann das gut verstehen. Bis zur sowjetischen Besetzung ist Afghanistan "mein Lieblingsland" gewesen. Jörn war oft dort, in Indien, Nepal und Pakistan, auf der Suche nach tradidionellen Musikinstrumenten, mit denen er handelt. In Afghanistan war er am häufigsten. "Es ist wunderschön dort. Und es war ein weites und sicheres Land mit stolzen und sehr herzlichen Menschen."

Die Gastfreundschaft, die er bei seinen früheren Reisen erlebte, will Jörn nun gern zurückgeben. Schon vor einem Jahr haben er und Tina sich dreier Mädchen angenommen, die ohne Familie vor den Taliban geflohen waren. "Sie konnten nicht lesen und schreiben, waren nie in der Schule." Das Düsseldorfer Ehepaar half den Mädchen, sich hier zurecht zu finden. Dass Jörn ihre Sprache ein wenig beherrscht, half. Und die gemeinsame Musik. "Musik öffnet Türen. Und sie ist hilfreich beim Verarbeiten von Erfahrungen - das ist ganz ähnlich wie beim Malen."

"What's in my bag" - Fotoprojekt des IRC FOTO: Tyler Jump/ International Rescue Committee

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Quelle: RP
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