| 13.12 Uhr

Unterbringung
Behördenchaos um Flüchtlinge

Flüchtlinge in Düsseldorf: Behördenchaos um Unterbringung
Herbert Prickler betreut seit Wochen mit vielen anderen Ehrenamtlichen Flüchtlinge in der Unterkunft in Eller. FOTO: Bernd Schaller
Düsseldorf. Die Bezirksregierung Arnsberg gerät wegen ihres Umgangs mit Flüchtlingen in Düsseldorf in die Kritik. Am Montag hatte sie 150 Menschen innerhalb kürzester Zeit verlegen lassen. Die Begründung erweist sich jedoch als nicht haltbar. Von Stefani Geilhausen und Arne Lieb

Herbert Prickler, stellvertretender Bezirksbürgermeister in Eller und engagierter ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer ist noch immer empört: Unter den rund 150 Flüchtlingen, die am Montagmittag innerhalb einer Stunde die Unterkunft in Eller verlassen mussten, ist auch eine schwer traumatisierte syrische Familie. "Die Mutter hat die Ermordung ihres Bruders mitansehen müssen, dem 13-jährige Sohn zerfetzte eine Landmine den Fuß." Beide sollten auf ärztlichen Rat so schnell wie möglich eine reguläre Unterkunft bekommen, sagt Prickler. "Jetzt sitzen sie mit 20 Leuten in einem Raum in Hilden und warten auf ihre Registrierung." Vier Wochen war die Familie bereits in der Erstaufnahme in Eller gewesen. "Aber nichts ist passiert - bis auf diese unsägliche Verlegung."

Fotos: Eine Nacht in der Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft FOTO: Bernd Schaller

Warum die 150 Menschen überhaupt kurzfristig umziehen mussten, wird immer unklarer. Die Bezirksregierung Arnsberg - für die Verteilung der Flüchtlinge zuständig - erklärte gestern unserer Redaktion, sie habe im Interesse der Flüchtlinge so schnell handeln müssen. "Die Bezirksregierung Düsseldorf hat uns mitgeteilt, dass die Heizung in dem Zelt ausgefallen ist", sagte ein Sprecher.

Die Bezirksregierung Düsseldorf bestätigt das aber nicht. "Wir haben das nicht veranlasst", heißt es von dort. Deutlicher wird der Medienkoordinator des Deutschen Roten Kreuzes Düsseldorf: "Die Darstellung ist vollumfänglich unzutreffend." Der DRK-Kreisverband betreut die Unterkunft an der Heidelberger Straße, in der neben der von der Stadt in Amtshilfe betriebenen Landeserstaufnahme auch Flüchtlinge untergebracht sind, für die die Stadt selbst zuständig ist. "Die Heizung ist in der gesamten Anlage noch nie ausgefallen und hat auch am Montag funktioniert".

NRW: Kosten für Flüchtlinge: Die wichtigsten Antworten

Mehr als irritiert ist auch die Düsseldorfer Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch, die von der Blitz-Verlegung ebenfalls überrascht wurde. Auch ihr hat man in Arnsberg gestern von der defekten Heizung erzählt. "Ich frage mich, warum man mich nicht informiert hat - wir hätten das ja prüfen können."

Und: Wenn die Zustände in diesem Zelt für die Erstaufnahme des Landes denn so unzumutbar seien, gehe sie davon aus, dass das Land die 150 Plätze nicht mehr als Notunterkünfte benötige. "Ich würde sie sofort belegen können", sagte Koch. Doch damit sei die Bezirksregierung Arnsberg auch nicht einverstanden gewesen. Sie will das Zelt weiter zur Verfügung haben.

Es ist nicht der erste Konflikt mit der Bezirksregierung Arnsberg. Nach einem starken Regenfall hatte eine Außendienstmitarbeiterin der Landesbehörde die sofortige Evakuierung der Erstaufnahme gefordert. Grund sei eine große Pfütze vor dem Zelt gewesen, berichten Zeugen unserer Redaktion. Man habe das Problem mit einigen Euro-Paletten aber schnell beseitigen können, die Evakuierung blieb aus.

Willkommenskultur: Diese Menschen helfen Flüchtlingen FOTO: RP

Von der überstürzten Verlegung am Montag waren auch 18 Jugendliche betroffen, die noch am selben Abend nach Eller zurückgebracht wurden. Dass die als unbegleitet geltenden Minderjährigen überhaupt in der Unterkunft waren, hatte das Jugendamt, das für sie zuständig ist, erst gestern und durch die Aktion der Bezirksregierung erfahren. Jetzt sollen ihre Fälle überprüft werden.

Einige von ihnen hatten sich auf der Flucht anderen Familien angeschlossen, von denen sie in Hilden aber wieder getrennt wurden. Mit ihnen sollen sie schnellstmöglich wieder zusammengeführt werden, sagte Jugendamtsleiter Johannes Horn.

Quelle: RP
Diskussion
Das Kommentarforum zu diesem Artikel ist geschlossen.