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Düsseldorf
"Düsseldorf ist im Krisenstab-Modus"

Flüchtlings-Betreuung: Düsseldorf ist im Krisenstab-Modus
Helfer verteilten am Nachmittag Wasser auf den Tischen, an denen später die Flüchtlinge sitzen sollen. Auf dem Schild steht in mehreren Sprachen "Willkommen". FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Die Stadt engagiert sich in der Flüchtlings-Betreuung auf vielfältige Weise. Eine Messe-Halle wird zur Notunterkunft. Von Arne Lieb

Das Land NRW hat in der Halle 8a der Messe eine Notunterkunft für bis zu 1000 Flüchtlinge eingerichtet. Grund waren Prognosen vom Wochenende, dass noch einmal deutlich mehr Menschen als erwartet ankommen sollen. Da sich die Voraussagen bislang nicht bestätigt haben, ist unklar, ob und wann die Unterkunft in Betrieb gehen wird.

In jedem Fall soll sie nur eine kurzfristige Lösung sein. "Die Halle ist nur für bis zu acht Tage nutzbar", sagt ein Sprecher der Bezirksregierung. Anders als die ursprünglich vorgesehene Halle 18, die nicht rechtzeitig vorbereitet werden konnte, wird die nun belegte Halle auch für den Messebetrieb genutzt.

Windeln in verschiedenen Größen liegen im Wartebereich bereit. Die Flüchtlinge kommen nach sechsstündiger Zugfahrt aus München an, von Düsseldorf aus geht es meist per Bus weiter. FOTO: Bretz, Andreas (abr)

Die Halle ist als reine Notschlafstätte vorgesehen. Das Technische Hilfswerk hat Betten aufgebaut. Duschen könnten die Flüchtlinge im Rheinbad, in dem trotz Badebetrieb ein eigener Bereich zur Verfügung steht. Eine Registrierung für einen Asylantrag soll nicht erfolgen, sondern erst später in einer Erstaufnahmeeinrichtung des Landes. "Die Belegung der Halle ist nur gedacht, um Obdachlosigkeit zu vermeiden", sagt der Sprecher. Wegen der Tausenden von Menschen, die in den vergangenen Tagen mit Sonderzügen aus München eingetroffen sind, herrscht akuter Platzmangel.

Der Krisenstab der Stadt Düsseldorf, der derzeit fast täglich zusammenkommt, hatte die Notunterkunft vermittelt. Düsseldorf ist wegen der hohen Zahl der neu eintreffenden Flüchtlinge in vielfältiger Weise in Verantwortung. Rund 4000 Flüchtlinge leben in der Stadt. Neben den kommunalen Einrichtungen gibt es ein Heim und zwei Zelt-anlagen des Landes, zudem kümmert sich die Stadt um 200 minderjährige unbegleitete Flüchtlinge.

Fotos: Eine Nacht in der Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft FOTO: Bernd Schaller

Außerdem hat Düsseldorf in täglichem Wechsel mit Dortmund die Aufgabe eines "Drehkreuzes" übernommen. Das bedeutet, dass Sonderzüge aus München - wo sich viele über die Balkan-Route angekommene Flüchtlinge befinden - am Flughafen-Bahnhof enden. Dort werden die Menschen versorgt und in Einrichtungen in verschiedenen Kommunen transportiert. Für die Nacht auf heute wurde ein weiterer Zug mit rund 350 Menschen erwartet, ein zweiter angekündigter Zug kurzfristig gestrichen.

Wegen der vielen Aufgaben sei man im "Krisenstab-Modus", sagt Sozialdezernent Burkhard Hintzsche. "Wir übernehmen viel Verantwortung für NRW." Das Engagement in der Verwaltung und bei ehrenamtlichen Helfern sei ungebrochen. Es gelinge in der Verwaltung, viele Fragen schnell per Telefon zu erledigen, für die sonst ein langer Dienstweg üblich sei. "Es ist aber auch wichtig, dass andere Bundesländer und andere Kommunen sich an den Aufgaben beteiligen."

Düsseldorf: Flüchtlinge kommen am Hauptbahnhof an FOTO: Paula Elsholz

Im Flughafen-Bahnhof wurde ein abgesperrter Wartebereich eingerichtet. Dort erhalten die Flüchtlinge Wasser, es wurde eine kleine Kleiderkammer bestückt, denn manche kommen etwa nur mit kurzer Hose oder Flip-Flops an. Es gibt einen Wickelraum, daneben wurde auch eine Station zum Aufladen von Mobiltelefonen vorbereitet. Ehrenamtler helfen bei der Betreuung, darunter viele mit Migrationshintergrund, die arabisch, farsi oder kurdische Sprachen sprechen. Die Rheinbahn disponiert die Busse, mit denen ein Großteil der Flüchtlinge an den Zielort gelangt. Auch die Bundeswehr hat Fahrzeuge zur Verfügung gestellt.

Zu den anstehenden Projekten, die man bei der Stadt realisieren möchte, gehört eine zentrale Lagerhalle für Sachspenden. Die Koordination von Spenden ist schwierig, da oft kurzfristig bestimmte Gegenstände benötigt werden. Am Wochenende etwa gab es einen Engpass bei Zahnbürsten und Zahnpasta. Die Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch rief daraufhin über ihre Facebook-Seite zur Hilfe auf - mit Erfolg: Freiwillige brachten spontan ausreichend Spenden zum Flughafenbahnhof.

Quelle: RP
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