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Düsseldorf
Biete Zimmer, suche Flüchtling

Flüchtlingshilfe Düsseldorf: Biete Zimmer, suche Flüchtling
Knapp 20 Quadratmeter groß ist das Zimmer, das die 64-Jährige in ihrer Altbau-Wohnung zur Verfügung stellen möchte. FOTO: Hans-Jürgen bauer
Düsseldorf. Angelika Heinen aus Düsseldorf will ein Zimmer ihrer Wohnung für eine syrische Frau und ein Kind freiräumen. Bei der Stadt kommt sie mit ihrem Ansinnen nicht weiter. Denn auch die große Hilfsbereitschaft überfordert die Kommunen. Von Martina Stöcker

Das Zimmer ist rund 20 Quadratmeter groß, es hat einen Balkon, und im Hinterhof gibt es einen kleinen Garten, der große Volksgarten liegt quasi direkt vor der Tür. Angelika Heinen würde ihr Schlafzimmer räumen und ins Esszimmer ziehen. "Man muss doch was tun, wenn man das Elend der Flüchtlinge sieht", sagt die 64-Jährige, die im Düsseldorfer Stadtteil Oberbilk lebt.

Sie wohnt allein auf 96 Quadratmetern, ihre Altbau-Wohnung bezeichnet sie spöttisch als "meine Möbelausstellung". Schon oft hat sie versucht, eine kleinere Wohnung zu finden oder mit einer Familie zu tauschen. Doch es scheiterte immer an höheren Mieten oder Abschlagszahlungen. Deshalb will sie nun ein Zimmer an eine syrische Frau mit ihrem Kind abgeben. "Ich denke mir, eine alleinstehende Frau mit Kind hat es in einer Flüchtlingsunterkunft besonders schwer", sagt sie. Ihre Wohnung hat zudem eine große Küche und ein separates WC, nur das Bad ist durch das Schlafzimmer zu erreichen. "Aber das wäre für mich kein Problem", sagt sie, "ich würde mir die Zähne auch in der Küche putzen." Alles andere, da ist sie sich sicher, wäre schon in Absprache mit der neuen Mitbewohnerin zu organisieren, der sie auch mit dem Kind helfen oder die sie beim Einkaufen begleiten könnte.

900 Flüchtlinge kommen mit Sonderzügen in Düsseldorf an FOTO: Christoph Reichwein

"Ich hab's einfach mit Menschen", sagt Angelika Heinen, die sich die Sache mit dem Zimmer gut überlegt hat. Sie hat zwei Kinder allein großgezogen, zwei Enkel sind ebenfalls bei ihr im Haushalt aufgewachsen. In der Hausgemeinschaft ist sie die gute Seele, die sich um Hunde, Katzen und Pflanzen kümmert, wenn die Nachbarn im Urlaub sind. Und der Familie aus Albanien, die eine Etage drüber wohnt, hat sie auch anfangs geholfen, sich zurechtzufinden. "Mit den zwei Kindern habe ich Deutsch geübt und ihnen bei den Hausaufgaben geholfen." Zusammen waren sie auch oft im Park auf dem Spielplatz, und wenn ihr einer blöd kam und was von Ausländern und so gefaselt hat, dann gab es von Angelika Heinen die passende Antwort. "Solche Anfeindungen habe ich schon hinter mir - das kratzt mich nicht."

Deshalb ärgert es sie auch, dass niemand bei der Stadt von ihrem Zimmer-Angebot wissen möchte. Ans Büro der Flüchtlingsbeauftragten schrieb sie eine kurze Mail, "ich habe mich darin nur aufs Nötigste beschränkt: hilfsbereit, mit Herz, große Wohnung". In einem Telefonat wurde sie dann ans Wohnungsamt verwiesen. "Dort wurde mir gesagt, dass es das deutsche Gesetz nicht zulasse, einen Flüchtling aufzunehmen." Angelika Heinen versteht die Welt nicht mehr. "Es wird doch immer gesagt, alle sollen helfen - ich will helfen, aber man lässt mich nicht."

Fotos: Eine Nacht in der Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft FOTO: Bernd Schaller

Dabei sucht die Stadt Düsseldorf zurzeit Notfallplätze und zahlt dafür auch bis zu 250 Euro im Monat. Das Geld möchte Angelika Heinen noch nicht mal, sie erwartet nur einen kleinen Beitrag zu Strom und Wasser. "Wir sind froh über jedes Wohnungsangebot", betont die Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch (Grüne) dennoch, nur die Stadt kommt kaum hinterher, alle Anfragen und Angebote zu bearbeiten. Auch Angelika Heinens Offerte muss untergegangen sein. Die Hilfsbereitschaft der Menschen sei enorm, sagt Koch, jeden Tag gebe es Hunderte Mails. Kleiderkammern wurden geschlossen, über soziale Netzwerke wie Facebook wird informiert, was konkret benötigt wird, und in der Regel innerhalb von wenigen Stunden von einem Spender bereitgestellt - vom Kinderfahrrad bis zum Babybett.

In Düsseldorf gebe es eine große Welle der Hilfsbereitschaft, bekräftigt auch ein Stadtsprecher, allerdings stellten sich manche das Zusammenleben einfacher vor, als es in Wahrheit sei. "Die Flüchtlinge haben schreckliche Dinge erlebt, manche laufen nachts in Panikattacken aus dem Haus." Sie bräuchten eine permanente Betreuung durch Helfer, die in einer zentralen Unterbringung leichter zu organisieren sei. Auch der Flüchtlingsrat NRW warnt vor zu großer Euphorie. "Ob ein Zimmer an einen Flüchtling untervermietet wird, muss ordentlich geprüft werden", sagt Geschäftsführerin Birgit Naujoks, "aber das kann eine sehr gute Lösung sein." Ein eigener privater Bereich mit Schlüssel wäre zum Beispiel wünschenswert, so dass der Flüchtling geschützt ist und zur Ruhe kommen kann. Fakt ist: Haben die Flüchtlinge das Asylverfahren durchlaufen und ein vorläufiges Bleiberecht bekommen, müssen sie die Notunterkünfte verlassen und sich selbst eine Wohnung suchen. "Dann wäre es natürlich toll, wenn sich Vermieter als Paten für Familien finden würden", sagt Naujoks.

Düsseldorf: Hier sollen Flüchtlinge untergebracht werden FOTO: dapd, dapd

Angelika Heinen sieht nicht alles rosarot und weiß, dass das Zusammenleben - wenn es klappen sollte - auch schwierige Momente haben wird. "Aber wieso soll ich denn mit der Frau nicht auskommen? Sie ist ja auch nur ein Mensch."

Wenn Sie Flüchtlingen in Düsseldorf helfen wollen - hier gibt es alle Infos und Kontakte. 

Quelle: RP
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