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Armenisches Paar in Düsseldorf
Flüchtlingspaar darf vorerst bleiben

Armenisches Paar in Düsseldorf: Flüchtlingspaar darf vorerst bleiben
Endlich Sicherheit: Levon und Varduhi Cholakhyan und ihr Sohn David haben eine Aufenthaltserlaubnis. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Nach zweieinhalb Jahren Warten auf eine Aufenthaltserlaubnis gibt es gute Nachrichten für einen armenischen Arzt und seine Familie. Eine Stelle am Marienhospital hat der 31-Jährige in Aussicht. Von Ute Rasch

Am Montagabend bummelten sie mit ihrem kleinen Sohn über den Weihnachtsmarkt vor dem Carschhaus. Wie unzählige andere Paare auch. Aber im Gegensatz zu denen war dieser Moment für Levon und Varduhi Cholakhyan alles andere als selbstverständlich. Zweieinhalb Jahre lang kämpfte das Paar aus Armenien darum, in Düsseldorf leben zu können. Sie haben gewartet, gehofft, gebangt, mussten in dieser Zeit viele Enttäuschungen verkraften und sind wunderbaren Menschen begegnet. Nun halten sie das begehrte Papier in Händen: ihre Aufenthaltserlaubnis. "Wir sind einfach nur glücklich."

Es war im Juni 2014, als wir uns zum ersten Mal begegnet sind, bei einer Reportage über die Düsseldorfer Flüchtlingsinitiative Stay. Damals erzählten sie ihre Geschichte: Levon (31), Chirurg, gehörte zu den Oppositionellen in Armenien, wurde 2011 zum ersten Mal festgenommen und "fast tot geprügelt". Mit einem gekauften Visum reiste er nach Düsseldorf, um seine Verletzungen behandeln zu lassen. Er kannte die Stadt, hatte zuvor hier als Arzt im Praktikum gearbeitet. Als er wieder gesund war, flog er zu seiner Familie zurück. "Ich wurde sofort festgenommen. Da wurde mir klar, dass ich weggehen muss." Über Georgien gelang ihm schließlich die Ausreise, kurz darauf folgte ihm seine Frau Varduhi (26), die als Apothekerin gearbeitet hatte. Drei Wochen später die Ernüchterung: Ihre Asylanträge wurden abgelehnt. "Man glaubte uns nicht."

Dass sie gegen den Beschluss hätten klagen können, erfuhren sie erst von Oliver Ongaro, Vorstandsmitglied von "Stay". Seitdem kümmert sich die Flüchtlingsinitiative um die beiden. Aber auch andere setzten sich nach der Veröffentlichung in der Rheinischen Post für sie ein, vor allem eine Düsseldorferin, die den beiden und ihrem kleinen Sohn, der hier geboren wurde, eine Wohnung zur Verfügung stellte - bis heute kostenlos. Kurz darauf sprach sich der Petitionsausschuss des Landtags dafür aus, dass sie zumindest vorläufig bleiben dürfen. Ausschlaggebend dafür war vermutlich, dass Levon zu diesem Zeitpunkt bereits eine Zusage des Marienhospitals hatte, dass er ein Praktikum beginnen könne - aber nur mit einer Aufenthaltserlaubnis.

Um die Papiere begann ein zähes Ringen zwischen Ausländerbehörde der Stadt, dem Innenministerium und dem Regierungspräsidenten, in dieser Zeit lebte das Paar im Status der Duldung. "Wir konnten nur warten und warten." Obwohl Oberbürgermeister Thomas Geisel die städtische Ausländerbehörde ermuntert hatte, in diesem Fall großzügig zu entscheiden. Obwohl sich Sahra Wagenknecht (Die Linke) mit Wahlkreis in Düsseldorf für das Paar eingesetzt hatte. Obwohl das Marienhospital immer wieder versicherte: "Mit Papieren kann der Mann sofort bei uns anfangen."

Schließlich schaltete Stay die Härtefallkommission des Landes als letzte Instanz ein. Und die entschied vor gut einem Jahr, dass die beiden eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung bekommen und damit Zeit gewinnen, damit ihre jeweilige Ausbildung in Deutschland anerkannt wird. Dies ist nun geschafft, Varduhi studiert nochmal an der Uni drei Semester Pharmazie, damit ihr Abschluss anerkannt wird. Levon hat am 29. September die sogenannte Kenntnis-Prüfung bestanden und darf als Arzt in Deutschland arbeiten. Mit diesem Papier wurde seine Aufenthaltserlaubnis um zwei Jahre verlängert. Und da ihm ab 1. Januar eine feste Stelle im Marienhospital in Aussicht gestellt wurde, "dürfte eine weitere Verlängerung wohl nur eine Formsache sein", meint Oliver Ongaro von Stay.

"Wir sind unendlich erleichtert", war die erste Reaktion des Paares. Gestern ergänzten sie strahlend: "Endlich können wir unser Leben planen." Klingt nach einem Happy End nach langer Ungewissheit.

Quelle: RP
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