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Düsseldorf
Flughafen-Chef: Alle Jobs werden erhalten

Düsseldorf: Flughafen-Chef: Alle Jobs werden erhalten
Flughafen-Chef Christoph Blume: "Wir können allen Mitarbeitern der Abferti gungs-Tochter einen dauerhaften Arbeitsplatz anbieten." FOTO: Bretz, Andreas
Düsseldorf . Obwohl die Abfertigungssparte um 50 Prozent schrumpft, sollen nun alle Mitarbeiter einen Job am Airport erhalten, sagte Flughafen-Chef Blume im RP-Interview. 320 Arbeitnehmer sollen das Angebot bekommen, in den Sicherheitsbereich oder die Sparte PRM zu wechseln. Das wird Millionen kosten und kann beim Dienstleister Klüh Jobabbau bedeuten.

Nach langwierigen Verhandlungen und viel Unsicherheit kam gestern die erleichternde Nachricht für die Mitarbeiter der Boden-Abfertigung am Düsseldorfer Flughafen: "Wir können allen Mitarbeitern der Abfertigungs-Tochter Ground Handling einen dauerhaften Arbeitsplatz im Konzern anbieten", sagte Flughafen-Chef Christoph Blume im Interview mit der Rheinischen Post.
Von Thorsten Breitkopf

Um das zu erreichen, sollen nun bis zu 200 Mitarbeitern, die heute noch in der Flugzeugabfertigung tätig sind, eine Stelle im Flughafen-Geschäftsfeld PRM angeboten werden. PRM steht für "People with Reduced Mobility", die Mitarbeiter betreuen also ältere oder behinderte Passagiere beim Ein-, Aus- und Umsteigen. 120 Mitarbeitern wurden bereits Jobs im Sicherheits-Bereich und in der Gebäude-Sicherung angeboten. "Wir wollen der sozialen Verantwortung nachkommen, die wir unseren Mitarbeitern schuldig sind. Viele von ihnen tragen seit 20 oder mehr Jahren zum Erfolg des Flughafens bei.

Das Angebot ist mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Flughafens, Oberbürgermeister Dirk Elbers, den anderen Gesellschaftern und dem Betriebsrat eng abgestimmt", sagte Blume. Die Pläne sollen im Jahr 2013 schrittweise umgesetzt werden. Die Mitarbeiter, die Passagiere mit eingeschränkter Beweglichkeit betreuen, werden ab Januar 2014 durch Schulungen auf die neue Aufgabe vorbereitet. "Die heutigen Abfertigungs-Mitarbeiter kennen sich auf dem Airport bestens aus, was einen wesentlichen Vorteil für diesen Job darstellt", so Blume.

Zuvor hatte der Flughafen betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen, diese seien jetzt vom Tisch. Hintergrund ist, dass Air Berlin von der Flughafen-Tochter Ground Handling Insidern zufolge zu der um 20 Prozent billigeren Firma Aviapartner wechselt. Dadurch verliert die ohnehin hoch defizitäre Tochtergesellschaft den mit Abstand größten Auftraggeber. 350 der 780 Jobs sind in Gefahr. Die Differenz zwischen den 350 betroffenen Angestellten und den 320 neuen Stellen könne durch Altersteilzeit und Fluktuation geschlossen werden, so Blume.

Die beiden Vorsitzenden des Betriebsrates begrüßten das Angebot: "Das war das richtige Signal zur richtigen Zeit. Es freut uns sehr, dass die Geschäftsführung unserem Wunsch gefolgt ist, das Thema PRM aufrichtig zu prüfen", teilten Gero Fiebrig und Uwe Kasischke in einer ersten Reaktion mit. "Damit muss sich keiner der Kollegen mehr Sorgen um seine berufliche Zukunft machen. Nun gilt es, in weiteren Gesprächen und den anberaumten Tarifverhandlungen die Einzelheiten zu verhandeln."
Unklar ist noch, ob die Mitarbeiter, wie kürzlich von der Gewerkschaft Verdi geäußert, in ihrem neuen Job künftig weniger verdienen werden. Blume dazu: "Das hängt vom Einzelfall ab. Wir können aber bereits heute sagen, dass für die Beschäftigten der Tarifvertrag im Öffentlichen Dienst gilt."

Benachteiligt durch die Vereinbarung ist der Personaldienstleister Klüh. Die Aufgaben der Passagier-Betreuung und des Sicherheitsdienstes werden heute überwiegend von Klüh-Mitarbeitern wahrgenommen. "Von Klüh werden wir im Bereich Sicherheit und Betreuung entsprechend weniger Personal nachfragen", sagte Blume. Ein Sprecher von Klüh sagte auf Anfrage, man sei im Gespräch mit dem Flughafen. "Näheres können wir zum heutigen Zeitpunkt noch nicht sagen."

Die Re-Integration ist mit hohem finanziellen Aufwand verbunden. "Wir rechnen damit, dass die Kosten im Sicherheitsbereich durch die Umstrukturierung um 1,5 bis 2,5 Millionen Euro pro Jahr steigen", so Blume. Auch für die Passagier-Betreuung wird mit höheren Aufwendungen gerechnet. Eine Zahl gebe es noch nicht. Die sinkenden Verluste, 2012 waren es fast 13 Millionen Euro bei der Ground-Handling-Tochter, würden die Kosten aber mehr als kompensieren.
 

 
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