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Flughafen-Chefs brauchen Leidenschaft

Analyse: Flughafen-Chefs brauchen Leidenschaft
Thomas Schnalke: seit 15 Jahren dabei und neuer Sprecher. FOTO: tb, dpa, abr, hjba
Düsseldorf. Warum passte Ludger Dohm nicht zum Flughafen? Ein Blick auf seine Vorgänger hilft dabei, die besonderen Anforderungen an diese Position zu verstehen. Von Uwe-Jens Ruhnau

In den zwanzig Jahren vor der Jahrtausendwende gab es eine eher abstruse Situation: Der Flughafen hatte kaum Entwicklungsmöglichkeiten, aber vier Geschäftsführer. Stadt und Land waren seine Gesellschafter, die Macht war austariert. Hans-Joachim Peters, seit 1978 Geschäftsführer, war in dem Quartett der starke Mann und drängte darauf, Erster unter Gleichen zu werden. Das gestand man ihm 1997 zu, und seitdem gibt es den Sprecher der Geschäftsführung.

Der Witz ist, dass der Sprecher den Außenauftritt dominiert, seinen Geschäftsführer-Kollegen aber nicht vorgesetzt ist. Er ist eben nicht der Vorsitzende. Der neue "primus inter pares" Thomas Schnalke, seit 15 Jahren in der Chefetage, hat wiederholt darauf hinweisen lassen, dass er Christoph Blume als Geschäftsführer ebenbürtig sei. Zwischen diesen beiden Männern knirschte es gewaltig, Blume hatte kein Interesse, Schnalke eine Bühne zu geben. Selbst den Pressetermin einer Geschäftseröffnung in den Airport-Arcaden nahm er wahr, obgleich Schnalke für diesen Bereich zuständig war, weil die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei ihm angesiedelt war. Für Schnalke ist es eine späte Genugtuung, jetzt selbst Sprecher zu werden.

Die starke Rolle des Sprechers aber hat Peters geprägt. Er war ein starker Charakter, initiativ, ein bisschen grantig - und voller Elan für den Flughafen. Er war bestens vernetzt, knüpfte auch zu Politikern und Vereinen im Düsseldorfer Norden enge Bande. Der Flughafen als guter Nachbar, der sich auch der Diskussion stellt - dieses Konzept wurde in seiner Ägide entwickelt, zumal sich nach dem Flughafen-Brand 1996 sowie dem Neu- und Ausbau der Terminals auch Wachstumsoptionen ergeben sollten. Der Flugverkehr nahm zu, Düsseldorf und vor allem die NRW-Wirtschaft sollten davon profitieren. Nach ausführlicher juristischer Beratung verkündete Peters 1998, der Angerlandvergleich aus dem Jahre 1965 habe seine Wirksamkeit verloren, er sei nicht mehr zeitgemäß. Der Vergleich wurde gekündigt - ein Unding. Hätte der bedachte Ludger Dohm einen solchen Schritt gewagt? Man darf es bezweifeln. Das Oberverwaltungsgericht Münster bestätigte den Vergleich zwar 2002, erlaubte aber Anpassungen im Einzelfall. Ohne diesen Schritt wäre die positive Entwicklung - mehr Flüge, höhere Passagierzahlen, Ausbau zum Drehkreuz - wohl kaum möglich gewesen.

Als Flughafen-Chef muss man im Wind stehen und öffentlich Schläge einstecken können. Man muss viel strategische Intelligenz mitbringen, gut vernetzt, nahbar, ein politischer Kopf und durchsetzungsstark sein. Ein schwieriger Job mit Charme, denn Luftverkehr ist ein dynamisches Geschäft und attraktiv - denn das Fliegen ist und bleibt ein Traum. Ludger Dohm strahlte von all dem nicht viel aus, er wirkte mehr als Sachwalter denn als Aktivist.

Die guten Chefs hat man nur ungern ziehen lassen. Peters ging, weil er irgendwann einfach zu alt war. Sein Nachfolger Rainer Schwarz war kein Entertainer, aber findig. Er kam aus Nürnberg, wo er mit Achim Hunolds Airberlin ein Drehkreuz aufgebaut hatte, und startete mit ihm auch hier durch. In Berlin ist Schwarz dann großartig gescheitert, aber aus Düsseldorf wollte man ihn zunächst nicht gehen lassen. Die Latte besonders hoch hat Christoph Blume gelegt: ein exzellenter Fachmann, politisch, verbindlich, aber auch Alphatier mit Ungeduld und einem Hauch Arroganz. Solche Leute braucht man für den Flughafen, der viele Nutzer und eher stille Sympathisanten hat, aber auch lautstarke Kritiker. Nun muss Schnalke beweisen, dass er mehr ist als der Finanzfachmann mit Stehvermögen. Wie alle Sprecher ist er nun auch für das Airline-Geschäft zuständig.

Quelle: RP
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