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Ansturm auf den Flughafen Düsseldorf
Bundespolizei und Flughafen wenden Chaos ab

Fotos: Warteschlangen am Flughafen Düsseldorf
Fotos: Warteschlangen am Flughafen Düsseldorf FOTO: dpa, mb vfd
Düsseldorf. Zum Start in die Ferien herrscht am Freitag großer Andrang am Flughafen Düsseldorf. Das wegen der Personalengpässe befürchtete Chaos an den Sicherheitskontrollen blieb jedoch aus. Die Bundespolizei hat offensichtlich geschafft, die Sicherheitskontrollen ausreichend zu besetzen. Fluggäste sind weiterhin gut beraten, frühzeitig anreisen. Von Aaron Clamann und Philipp Stempel

Ausgerechnet am Freitag, am verkehrsreichsten Tag des Jahres mit 81.000 Fluggästen, erwartete der Flughafen Düsseldorf Engpässe an den Sicherheitsschleusen, weil der private Dienstleister Kötter nicht genügend geschulte Kräfte bereitstellen konnte. Der letzte Schultag ist am größten NRW-Airport traditionell der geschäftigste Tag in der Feriensaison. Airport und Fluglinien forderten Fluggäste daher auf, genügend Zeit zum Einchecken mitzubringen und mindestens eine Stunde früher zu kommen.

Von Chaos konnte jedoch keine Rede sein. An allen Gates bot sich bis zum Nachmittag ein weitgehend normales Bild. "Es sieht gut aus", sagte Flughafensprecher Christian Hinkel am Mittag. Der Betrieb sei normal angelaufen. Allerdings ließen sich an so einem verkehrsreichen Tag Warteschlangen nicht immer vermeiden. Und auch am Nachmittag fällt das Urteil des Flughafensprechers nicht anders aus. "Die Bundespolizei hat die Sicherheitskontrollen so besetzt, dass es zu keinen großen Verzögerungen kam", sagte er. Der Flughafen habe mit eigenen Mitarbeitern geholen, die Reisenden zu den Eingängen des Sicherheitsbereichs zu leiten, die weniger frequentiert waren.

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Am Vormittag waren im Flughafengebäude zudem zahlreiche Kötter-Mitarbeiter zu sehen, die Kollegen bedarfsweise entlasteten oder aber zwischen den Schleusen patrouillierten, um zu sehen, wo noch Hilfe benötigt wird.

Nach Angaben von Christian Hinkel habe die Bundespolizei signalisiert, dass sie auch am Abend nicht mehr mit Problemen rechne. Auch am Wochenende und in der kommenden Woche rechne die Behörde demnach mit Wartezeiten, die im Rahmen bleiben dürften. Dennoch empfiehlt der Flughafenbetreiber den Fluggästen frühzeitig anzureisen.

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Am Freitag wollte der Airport keine Zahlen zu fehlendem Sicherheitspersonal nennen. Auch die Bundespolizei, die den Bedarf koordiniert, hielt sich mit Zahlen zurück.

Befürchtetes Chaos blieb aus

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Verdi-Gewerkschaftssekretär Özay Tarim sagte unserer Redaktion am frühen Mittag, warum die aktuelle Situation an den Sicherheitschleusen so kritisch sei. Nach seinen Informationen fehlten dem Sicherheitsdienstleister Kötter zu den Stoßzeiten zwischen 45 und 47 Einsatzkräfte. Auch am Flughafen Köln-Bonn seien die Kontrollschleusen unterbesetzt, dort bildeten sich laut Verdi gegen Mittag Schlangen in Terminal 2. In Köln-Bonn sei Kötter mit 22 Personen unterbesetzt. Die Firma Kötter arbeitet im Auftrag der Bundespolizei.

Noch vor wenigen Tagen war die Personallücke bei Kötter weitaus größer. Nach Angaben von Verdi konnte das Unternehmen etwa 20 Prozent der von der Bundespolizei angeforderten Einsatzkräfte nicht stellen. Mit viel Aufwand hatte Kötter jedoch bis Freitag den größten Teil des Loches stopfen können. Das Unternehmen hatte Mitarbeitern dafür eigens Extra-Prämien angeboten, damit diese außerplanmäßig zum Dienst erschienen. Laut einem Bericht von "Bild" ging es dabei um Zuschläge von bis zu 100 Euro pro Stunde, ein Insider wird mit den Worten zitiert, es gehe zu "wie auf einem Basar."

Verdi hatte die Prämienregelung scharf kritisiert: "Damit wird ein hausgemachtes Problem lediglich in die Zukunft verschoben und zugleich ein Zwei-Klassen-System etabliert", sagte Gewerkschaftssekretär Tarim. Er forderte Kötter auf, die Prämie allen zum Dienst erscheinenden Mitarbeitern zu zahlen.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) hat in der aktuellen Situation eine Entprivatisierung der Sicherheitskontrollen an Flughäfen gefordert. Bei der Luftsicherheit dürfe es keinen Kostendruck der privaten Marktwirtschaft geben, sagte der DPolG-Bundesvorsitzende Rainer Wendt am Freitag in Berlin. Zur Lösung des Problems schlägt die Gewerkschaft die Gründung eines staatlichen Sicherheitsbetriebs vor.

Passagiere nehmen die Situation gelassen

Die meisten Passagiere zeigten sich entspannt. "Ich bin schon seit 8.45 Uhr hier, weil ich gelesen habe, dass die Fluglinien eine frühere Anreise von bis zu vier Stunden empfehlen ", sagte Ulrike Hess. Von Velbert aus hat sie zwar nicht so einen weiten Weg zum Flughafen, aber den Flug um 11.50 Uhr über Abu Dhabi nach Australien will sie nicht verpassen. "Ich besuche da meine Tochter und da muss alles passen."

Ein Ehepaar aus Burgsteinfurt im Münsterland, ist zwar auch früher zum Flughafen gekommen, aber nicht wesentlich. "Wir sind gut eine halbe Stunde früher da. Die Fluglinie hat keine besonderen Hinweise ausgegeben", sagten sie.

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